Die USA zögern mit der Veröffentlichung des Beweisfotos

Es sei noch nicht entschieden, ob ein Foto der Leiche Bin Ladens freigegeben werden. Das Weisse Haus begründet die Vorsicht. Derweil sind mehr Details über die Kommandoaktion bekannt geworden.

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Das Weisse Haus hat nach eigenen Angaben noch keine Entscheidung über die Veröffentlichung eines Fotobeweises für den Tod Osama Bin Ladens getroffen. Der Berater von Präsident Barack Obama für Terrorbekämpfung, John Brennan, sagte am Montag, die Regierung wolle alles dafür tun, dass niemand abstreiten könne, dass bin Laden in einem Feuergefecht mit einer US-Eliteeinheit getötet worden sei.

Dennoch sei noch nicht entschieden, ob ein Foto der Leiche veröffentlicht wird. Eine Sorge sei, dass dies ähnliche Einsätze und Geheimdienstquellen in der Zukunft gefährden könnte.

Washington wollte Bin Laden nach Möglichkeit lebend

Präsidentenberater John Brennan sagte weiter, das Weisse Haus habe mit Widerstand Bin Ladens gerechnet, es habe aber auch eine «entfernte Möglichkeit» gegeben, ihn lebend zu ergreifen. Da bin Laden gekämpft habe, sei er getötet worden. Aus Regierungskreisen in der US-Hauptstadt verlautete dazu, Bin Laden habe auf die angreifenden Spezialisten der Navy Seals geschossen, die das Feuer erwidert hätten. Bin Laden sei schliesslich gegen Ende des 40-minütigen Angriffs selbst schiessend tödlich getroffen worden.

Rund zwei Dutzend Seals mit Nachtsichtgeräten hätten sich von Chinook-Hubschraubern in den von Mauern umgebenen Wohnsitz bin Ladens abgeseilt, hiess es weiter. Die Truppen des Oberkommandos für spezielle Kriegführung hätten bin Ladens Leiche mitgenommen und die anderen Gefangenen an die pakistanischen Behörden übergeben.

Zuvor hatte aus US-Regierungskreisen geheissen, bei der Operation habe es sich um eine «Kill Mission» gehandelt - eine gezielte Liquidation. Eine Festnahme sei nicht das Ziel gewesen.

Ehefrau identifizierte Bin Laden

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wurde Bin Laden während des Angriffs einer Spezialeinheit von einer weiblichen Person identifiziert, bei der es sich vermutlich um seine Ehefrau handelte. Das wurde Journalisten im Pentagon mitgeteilt. Die Seebestattung bin Ladens sei zudem gemäss islamischer Regeln durchgeführt worden, hiess es. Unter anderem sei die Leiche des getöteten Al-Qaida-Führers an Bord des US-Flugzeugträgers «USS Carl Vinson» gewaschen worden.

Der Tod des Terroristenführers ist nach Angaben eines US-Regierungsvertreters durch eine DNA- Analyse bestätigt worden. Die nach der Kommandoaktion in Pakistan einer der Leichen entnommene DNA sei identisch mit der Bin Ladens, sagte der US-Vertreter, der namentlich nicht genannt werde wollte, am Montag in Washington.

CIA-Geheimgefängnisse spielten wichtige Rolle

Erste Hinweise auf das Versteck von Al-Qaida-Führer Osama Bin Laden hat der US-Auslandsgeheimdienst CIA offenbar bei Verhören in Geheimgefängnissen in Europa erhalten. Chalid Scheich Mohammed, der mutmassliche Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001, habe den Verhörspezialisten den Decknamen von einem der engsten Vertrauten bin Ladens mitgeteilt, hiess es aus Geheimdienstkreisen.

Ähnliche Informationen erhielt die CIA von Mohammeds Nachfolger, Abu Faradsch al Libi. Beide wurden in geheimen Gefängnissen in Polen und Rumänien harten Verhörmethoden unterzogen. Laut «New York Times» bekamen die US-Ermittler Informationen auch von Guantanamo-Gefangenen.

Erhöhte Wachsamkeit

Nach dem Tod von Osama Bin Laden ist nach Einschätzung der amerikanischen Bundespolizei FBI und dem Heimatschutzministerium die Gefahr von Anschlägen in den USA gestiegen. Sie gehe in erster Linie von Terrorzellen in den USA und zumindest in der unmittelbaren Zukunft weniger von enger dem Al-Kaida-Netzwerk verbundenen Gruppen aus, heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung vom Montag.

Konkrete Hinweise auf geplante Anschläge gebe es derzeit nicht, hiess es weiter. Heimatschutzministerin Janet Napolitano hatte damit ihre Entscheidung begründet, die Alarmstufe in den USA nicht zu erhöhen. Vorläufig blieben die USA in einer erhöhten Wachsamkeitsstufe, sagte Napolitano.

(jak/sda, dapd, AFP)

Erstellt: 02.05.2011, 22:39 Uhr

Orientiert die Medien: John Brennan, Barack Obamas Berater für Terrorbekämpfung. (Bild: Keystone )

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