Die grösste Armee der Welt

Die chinesischen Streitkräfte haben mehr Mitglieder als jede andere Armee der Welt. Sie haben auch Kernwaffen. Bald sollten sie einen neuen Oberbefehlshaber haben. Sofern Hu Jintao nicht weitere zwei Jahre Armeechef bleibt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Morgen beginnt der Parteitag in China. Das Reich der Mitte rätselt, wann der amtierende Staats-, Partei- und Armeechef Hu Jintao (69) die militärische Macht seinem wahrscheinlichen Nachfolger Xi Jinping (59) übergeben wird. Die Machtübergabe erfolgt in Etappen: Diesen Monat übernimmt Xi den Posten des Staatsoberhauptes und im März 2013 den des Vorsitzenden der Kommunistischen Partei. Hu kann ihm dann jeweils auch die militärische Macht übergeben, oder, wie sein Vorgänger Jiang Zemin, weitere zwei Jahre Armeechef bleiben.

Jiangs Schachzug sorgte 2000 parteiintern für Spannungen. Sollte Hu es ebenfalls in Erwägung ziehen, weitere zwei Jahre Armeechef zu bleiben, könnte dies wieder für Irritationen sorgen. Das neue Staatsoberhaupt Xi Jinping würde dann unter dem alten Präsidenten Hu in der zentralen Militärkommission dienen. Sein politischer Spielraum wäre beschnitten. Experten beobachten gespannt, was Hu entscheiden wird, geht es doch um nichts anderes als um die Führung der grössten Armee der Welt.

Armee wird kontinuierlich modernisiert

Zumindest personell ist die chinesische Armee mit 1,25 Millionen aktiven Soldaten die Nummer eins. Sie besteht aus drei Elementen: der Volksbefreiungsarmee – Heer, Marine, Luftwaffe und Raketenstreitkräften –, der bewaffneten Volkspolizei und der Reserve sowie den Milizsoldaten. Die Streitkräfte unterstehen der kommunistischen Partei, sie erhalten ihre Befehle von der zentralen Militärkommission. Seit Mitte der 1980er-Jahre ist die chinesische Führung bestrebt, die Armee kontinuierlich zu modernisieren.

Die Militärausgaben 2011 schätzt das amerikanische Verteidigungsministerium in seinem jährlichen Bericht an den Kongress auf 120 bis 180 Milliarden US-Dollar. Die USA, deren Armee rund 550'000 aktive Soldaten zählt, gaben im gleichen Jahr laut dem Stockholm International Peace Research Institute 711 Milliarden US-Dollar aus.

Die Modernisierung der Volksbefreiungsarmee sei ein wichtiger Bestandteil der Strategie, Chinas nationale Entwicklung in den ersten zwei Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts voranzutreiben, schreibt das US-Verteidigungsministerium. Prioritär sei dabei die Schaffung eines «positiven externen Umfelds», um der Volksrepublik China den strategischen Raum zu verschaffen, sich auf wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung zu konzentrieren. Hauptfokus bleibt, Taiwan davon abzuhalten, seine Unabhängigkeit zu erklären, und Taiwans Truppen im Konfliktfall zu besiegen.

Flugzeugträger und Tarnkappen-Kampfjets

Chinas Führung hat 2011 unter anderem in moderne Cruise-Missiles und in Kurz- und Mittelstreckenraketen investiert. Grosse Beachtung fand die Präsentation des Guying-Tarnkappen-Kampfjets, des zweiten Stealth Fighters der chinesischen Streitkräfte, sowie der Vorführung des ersten chinesischen Flugzeugträgers. Die Liaoning ist die renovierte Version der Warjag, des Flugzeugträgers, den China 1998 von der Ukraine kaufte.

Die chinesische Armee verfügt über 7000 Panzer. Die Flotte besteht aus 26 Zerstörern, 53 Fregatten, 28 amphibischen Landeschiffen, 23 Landeschiffen, 48 Diesel-U-Booten, 5 Atom-U-Booten und 86 Patrouillenbooten der Küstenwache. Die Luftwaffe verfügt über 1570 Kampfjets, 550 Bomber und 300 Transportflugzeuge. China gilt seit 1964 offiziell als Atommacht. Das Land soll über 135 einsatzbereite Nuklearsprengköpfe verfügen, verteilt auf Mittel- und Langstreckenraketen. Wie gross die Gesamtzahl der atomaren Sprengköpfe ist, kann nur geschätzt werden. Es sollen an die 200 sein.

Erstellt: 07.11.2012, 20:23 Uhr

Artikel zum Thema

«Wir kennen das Progamm der neuen chinesischen Führung nicht»

Interview In China findet nach zehn Jahren ein Führungswechsel statt. Was er für die zweitgrösste Volkswirtschaft bedeutet und welche Herausforderungen die neuen Machthaber erwarten, sagt die China-Expertin Gudrun Wacker. Mehr...

Chinas Führung schliesst mit Bo Xilai ab

Nach einer monatelangen Kontroverse ist der gefallene chinesische Politstar Bo Xilai nun auch formell kein Mitglied der Kommunistischen Partei mehr. Mehr...

China und Japan liefern sich Schlagabtausch vor der UNO

Die Rede des chinesischen Aussenministers Yang Jiechi zum Inselstreit provozierte in New York heftige Wortwechsel. Er warf Japan Diebstahl vor. Hillary Clinton rief dazu auf, einen kühlen Kopf zu bewahren. Mehr...

Bildstrecke

Xi Jinping: Chinas neuer starker Mann

Xi Jinping: Chinas neuer starker Mann Xi Jinping wurde zum Chef der Kommunistischen Partei Chinas gewählt. Später soll er dann zum Präsidenten der Volksrepublik ernannt werden.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...