Er verhandelt in Kims Namen

Der nordkoreanische Ex-Militär Ri Son-Gwong will seine Landsleute an die Olympischen Winterspiele in Südkorea bringen.

Sein Aufstieg hat sich mit Kim Jong-uns Machtantritt beschleunigt: Ri Son-Gwong (vorne) 2011 in Panmunjom, wo er morgen auf eine Delegation Südkoreas trifft. Foto: Reuters

Sein Aufstieg hat sich mit Kim Jong-uns Machtantritt beschleunigt: Ri Son-Gwong (vorne) 2011 in Panmunjom, wo er morgen auf eine Delegation Südkoreas trifft. Foto: Reuters

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Ri Son-Gwong leitet die Delegation Nordkoreas, die morgen Dienstag im Waffenstillstandsdorf Panmunjom mit Südkorea verhandeln wird. Das hat Pyongyang Seoul am Sonntag mitgeteilt. Mit Ris Ernennung macht Kim Jong-un klar, dass es seinem Regime bei den Gesprächen um weit mehr geht als um eine Olympiateilnahme Nordkoreas in Pyeongchang im Februar.

Ri ist der Chef der «Kommission für die friedliche Vereinigung des Landes». In Südkorea entspricht dies dem Vereinigungsminister. Neben Ri schickt der Norden auch dessen Stellvertreter Jon Jong-su und einen Direktor der Kommission nach Panmunjom. Dazu Nordkoreas Vize-Sportminister und einen Delegierten des nationalen Olympischen Komitees, doch gemessen an ihren Rängen scheinen die beiden nur Nebenrollen zu spielen.

Weder Seoul noch Pyongyang wollten höherrangige Vertreter schicken.

Um die Modalitäten festzulegen, die eine Teilnahme von Nordkoreanern in Pyeongchang regelt, braucht es Top-Funktionäre. Verwandtentreffen von 1953 getrennten Familien zum Beispiel haben jeweils die Rotkreuz-Organisationen der beiden Korea organisiert.

Heikles diplomatisches Protokoll

Das diplomatische Protokoll ist bei innerkoreanischen Gesprächen heikel. Zumindest jeweils im Vorfeld. Weder Seoul noch Pyongyang wollten höherrangige Vertreter schicken. Nach Pyongyangs Ankündigung, Ri werde die Delegation leiten, gab Seoul bekannt, seine Delegation werde von Vereinigungsminister Cho Myoung-gyon geführt. Nimmt man frühere solcher Gespräche als Beispiel, dürften die beiden Seiten viele Stunden über weitreichende Themen verhandeln, ohne die Medien zu informieren.

Bilder: Nord- und Südkorea wollen reden

Ri, der vorige Woche im Namen von Kim Jong-un am nordkoreanischen Fernsehen die Wiedereröffnung der Hotline zwischen den beiden Korea verkündete, war einst Oberst der nordkoreanischen Streitkräfte. Seit 2004 hat der Berufsoffizier an 27 innerkoreanischen Treffen teilgenommen. 2007 auch an Militärverhandlungen. Doch sein Aufstieg hat sich erst mit Kim Jong-uns Machtantritt beschleunigt. Kim hob ihn in die Nationale Verteidigungskommission, bis er diese auflöste. Und in die aussenpolitische Kommission der Volksversammlung.

Der Treffer mit einem Torpedo

Allerdings gilt Ri als launisch. Im Februar 2011 brüllte er die Vertreter Südkoreas, die über die Cheonan reden wollten, schon nach zehn Minuten an und stürmte aus den Gesprächen. Die Cheonan war eine südkoreanische Fregatte, die Nordkorea im März 2010 versenkte. Dabei kamen 46 Marineangehörige ums Leben.

Pyongyang weist bis heute jede Schuld zurück; eine internationale Untersuchungskommission kam nicht zu einem definitiven Ergebnis. Die UNO hat die Versenkung damals verurteilt, ohne einen Schuldigen zu nennen. Nach südkoreanischer und amerikanischer Darstellung war Ri damals als direkter Vorgesetzter für den Torpedoschuss verantwortlich, der die Cheonan zum Untergang brachte.

Kims Stimme in Panmunjom

In der nordkoreanischen Hierarchie stehen die Institutionen der Arbeiterpartei über jenen der politischen Strukturen. Aber Kim hat angeordnet, auch das «Einheitsfront-Departement» – die Stelle der Arbeiterpartei für innerkoreanische Angelegenheiten – müsse «prompt substanzielle Massnahmen mit Südkoreas Behörden für ernsthafte und ehrliche Verhandlungen» vorbereiten, «zu einem ersten Schritt für verbesserte Beziehungen».

Ri verhandelt damit nicht nur im Auftrag einer Institution des Regimes, er hat die Rückendeckung der Partei für die Gespräche vom Dienstag und verhandelt sogar explizit im Namen ihres Chefs, also von Kim persönlich. Das verleiht dem Treffen in Panmunjom ein grosses Gewicht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.01.2018, 14:45 Uhr

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