Gandhi-Aktivist zwingt indische Regierung in die Knie

Niederlage für Delhi: Unter massivem öffentlichen Druck hat die Polizei dem Korruptionskritiker Anna Hazare genehmigt, seinen Hungerstreik auf einem öffentlichen Gelände abzuhalten.

Wirksamer Massenprotest: eine Anhängerin von Anne Hazare mit Gandhi-T-Shirt in Neu Delhi. (17. August 2011)

Wirksamer Massenprotest: eine Anhängerin von Anne Hazare mit Gandhi-T-Shirt in Neu Delhi. (17. August 2011) Bild: Reuters

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Mindestens für die nächsten 15 Tage darf Anna Hazare im Zentrum der indischen Hauptstadt Delhi hungern, um so ein schärferes Anti-Korruptions-Gesetz zu fordern. Weitere Einschränkungen für den Protest des 74-Jährigen gebe es nicht, sagte Hazares enger Mitarbeiter Arvind Kejriwal heute vor dem Tihar-Gefängnis in der indischen Hauptstadt.

Hazare und rund 1400 seiner Anhänger waren am Dienstag vor dem geplanten Beginn des Hungerstreiks von der Polizei festgenommen worden. Nach seiner Freilassung am selben Tag hatte sich Hazare geweigert, das Tihar-Gefängnis zu verlassen, sollte ihm nicht erlaubt werden, seinen Protest ohne Einschränkungen abzuhalten.

Zehntausende Anhänger Hazares

Stattdessen begann der Gandhi-Anhänger seinen unbefristeten Hungerstreik im Gefängnis, vor dem sich zeitweise Tausende Unterstützer versammelten. Landesweit waren am Mittwoch Zehntausende Inder für Hazare auf die Strasse gegangen.

«Wir danken den Menschen in diesem Land», sagte Kejriwal: «Sie haben gezeigt, was die Macht des Volkes erreichen kann.» Die Polizei habe zugesagt, die 15-Tage-Frist nötigenfalls zu verlängern. Hazare darf nun im Zentrum Delhis gemeinsam mit seinen Anhängern für ein schärferes Anti-Korruptions-Gesetz fasten.

Neue Instanz gegen Korruption

Der Gandhi-Anhänger hatte die Regierung bereits im April mit einem Hungerstreik, dem sich zahlreiche Menschen angeschlossen hatten, zu Verhandlungen über das Gesetz gezwungen. Das von der Regierung ins Parlament eingebrachte Gesetz geht Hazare nicht weit genug.

Einer der vielen Streitpunkte ist, ob auch der Premierminister und Richter unter die Gewalt einer neuen mächtigen Institution fallen sollen, die Korruption verfolgt. Die Regierung in Indien steht seit Monaten wegen einer Reihe von Bestechungsskandalen in der Kritik, die bis auf Ministerebene reichen. (rub/sda)

Erstellt: 18.08.2011, 11:12 Uhr

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Kampf gegen die Korruption: Anne Hazare in Neu Delhi am 16. Juni 2011. (Bild: Reuters )

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