Gemeinsam einsam

Sie bilden die am stärksten wachsende Wirtschaftsregion der Welt. Doch der Asean-Gipfel zeigt vor allem eines: Die Staaten Südostasiens verbindet kaum etwas.

Das Wohlstandsgefälle zwischen den Staaten Südostasiens ist gross: Die Spitzenpolitiker reichen sich bei der Eröffnungsfeier des Asean-Gipfels die Hände. (13. November)

Das Wohlstandsgefälle zwischen den Staaten Südostasiens ist gross: Die Spitzenpolitiker reichen sich bei der Eröffnungsfeier des Asean-Gipfels die Hände. (13. November) Bild: Reuters

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Manchmal hat man den Eindruck, dass die Staaten der südostasiatischen Gemeinschaft Asean nicht sehr viel miteinander verbindet. Das war schon so zum Auftakt des Gipfels in Naypyidaw, als Gastgeber Burma feierlich die Asean-Hymne erklingen liess. Sie soll dem Club eigentlich ein Gefühl von Zusammengehörigkeit geben. Die wenigsten der angereisten Staats- und Regierungschefs sangen mit, es sah so aus, als würden viele Text und Melodie ihres Clubs gar nicht kennen.

Wie viel Willen zur Zusammenarbeit bringen diese Staaten also tatsächlich auf? In den vergangenen Jahren ist Asean kaum dadurch aufgefallen, dass es starke politische Signale der Einigkeit ausgesendet hätte. Daran wird dieser Gipfel nur wenig ändern. Das ist nicht verwunderlich, wenn man die starken Kontraste betrachtet, die in dieser Region vorherrschen. Sie sind historisch über viele Jahrhunderte gewachsen. In kaum einem anderen Teil der Welt liegen so viele Religionen, Ethnien, Weltanschauungen und verschiedene politische Systeme so dicht nebeneinander wie in Südostasien.

Dort gibt es einerseits kleine, sehr straff regierte reiche Staaten wie Singapur oder Brunei. Auf der anderen Seite aber auch viele konfliktreiche multiethnische Länder wie Thailand, Burma und das riesenhafte Indonesien. Sie alle haben schon einmal Bekanntschaft mit Militärdiktaturen gemacht. Jakarta festigt sich allmählich als junge Demokratie, Bangkok ist gerade zurück in die Militärherrschaft gerutscht, während in Burma noch gar nicht absehbar ist, ob der Weg in ein dauerhaftes freiheitliches System gelingt. Manche Staaten sind vor allem vom Buddhismus geprägt, andere vom Islam und eines, die Philippinen, auch vom Christentum. Manche sind sehr nahe an den grossen Bruder im Norden, China, herangerückt, wie zum Beispiel Laos. Andere, wie die Philippinen, gehen zu Peking auf Distanz.

Die Schwäche gegenüber China

Auffällig beim Gipfel war, dass die USA und China um die südostasiatischen Länder buhlten. US-Präsident Barack Obama kündigte Initiativen zur wirtschaftlichen, militärischen und sozialen Kooperation mit den zehn Asean-Staaten an. Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang bot dem Bündnis einen formellen Freundschaftsvertrag an – ungeachtet der Territorialkonflikte im Südchinesischen Meer. Die Asean-Länder zwischen Indien und China sind die am stärksten wachsende Wirtschaftsregion der Welt. Dazu gehören Indonesien mit 250 Millionen Einwohnern und Thailand mit einem starken Wirtschaftsstandort für Hunderte ausländische Firmen.

Was fast alle Asean-Länden mehr oder weniger gemein haben: Sie wandeln sich sehr schnell, so dass ihre Regierungen vor allem nach innen blicken, um diesen Wandel zu steuern. Dabei bleibt oft wenig Kraft oder Wille, sich um die regionale politische Integration zu kümmern. Viel stärker ist hingegen der Drang, wirtschaftlich enger zu kooperieren, sowohl innerhalb von Asean als auch mit äusseren Partnern, zum Beispiel der EU, Indien oder China. Was die Integration vor allem erschwert, ist das grosse Wohlstandsgefälle unter den Staaten, aber auch die Kluft zwischen Arm und Reich die im Innern der Länder aufbricht.

Politisch zeigt sich die Schwäche Aseans am deutlichsten im Umgang mit dem grossen Nachbarn China und dem Streit um das Südchinesische Meer. Doch auch bei diesem Gipfel dürfte es kaum gelingen, Peking Contra zu geben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.11.2014, 21:50 Uhr

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