Glanz und Grösse Asiens

Asiatische Woche der Weltpolitik: Stolz und selbstbewusst tagen Apec, Asean und EAS in China und Burma. Das Desinteresse an Europa wächst. Die Hintergründe.

Begrüsst die Staats- und Regierungschefs Asiens und des Pazifiks in Peking: Chinas Präsident Xi Jinping.

Begrüsst die Staats- und Regierungschefs Asiens und des Pazifiks in Peking: Chinas Präsident Xi Jinping. Bild: AFP

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In China tagt das asiatisch-pazifische Wirtschaftsforum (Apec), in Burma versammeln sich die Staaten Südostasiens zur Asean-Konferenz. Und schliesslich folgt dort noch der Ostasien-Summit (EAS), der zu den jüngeren Erfindungen unter den Politgipfeln zählt. Es ist die ganz grosse Bühne: Wladimir Putin, Barack Obama, Narendra Modi – sie alle sind nach China und Burma geladen. Die Staaten der EU aber schauen zu; sie müssen sich erst noch daran gewöhnen, dass globale Fragen nun auch öfter mal ohne sie debattiert werden. Trost bietet nur der G-20-Gipfel am Samstag im australischen Brisbane, wo Europa wieder stärker mitmischt.

Muss sich Europa für den asiatischen Gipfeltanz überhaupt interessieren? Die EU-Staaten sehen sich ja derzeit schon umzingelt von internationalen Brennpunkten und Krisen: Islamischer Staat, Ukraine, Ebola. Sie fühlen sich bedroht von den Entwicklungen in der arabischen Welt, vom Konflikt mit Russland und von den Killerviren, die jenseits des Mittelmeers grassieren. Zeit, in den Fernen Osten zu blicken, nehmen sich da nur wenige. Man muss das nicht als eurozentrische Ignoranz einstufen. Es kann auch ein Indiz dafür sein, dass sich dieses eher wenig beachtete, riesenhafte Asien weitaus weniger chaotisch und weniger gewalttätig entwickelt als andere Regionen.

Die Vorstellung eines kraftlosen Europas

Gleichwohl ist es geboten, dass Europa die Entwicklungen im südlichen und östlichen Asien nicht aus den Augen verliert. Die EU-Länder werden nur dann ihren Wohlstand in die nächsten Jahrzehnte hinüberretten können, wenn sie in diesen fernen Märkten Asiens noch stärker Fuss fassen als bisher. Gerade Exportnationen wie Deutschland hängen, je nach Wirtschaftszweig, mehr oder weniger am asiatischen Tropf. Dieser Trend wird sich noch verstärken.

Während solcher Gipfeltreffen betreiben auch die Asiaten viel Nabelschau. Um Europa kümmern sie sich immer weniger, obgleich die EU für viele Staaten der Region wichtiger Handelspartner ist. Dieses Desinteresse hat viel mit stereotypen Vorstellungen eines inzwischen kraftlosen Europas zu tun.

Europa – ist das nicht die Welt der schönen, beinahe putzig anmutenden Städte, in denen man vor allem Geschichte bestaunen kann? Besucher aus Asien betrachten europäische Orte oftmals schon als lebende Museen, sehenswerte, vielleicht sogar liebenswerte, aber dennoch in die Vergangenheit weisende Welten – während sie selbst, unbeirrt und schnellen Schrittes, voraneilen.

Wachsender Nationalismus facht Konflikte an

Die Zukunft gehört ihnen, davon sind viele in Fernost überzeugt. Und dieses Empfinden speist ein Selbstvertrauen, das auch politisch immer schärfer erkennbar wird, vor allem in den grossen Gesellschaften Asiens. Der Nationalismus gewinnt an Kraft, in Indien, China, Japan und auch in Indonesien. Glanz und Grösse der Nation bestimmen zunehmend politische Diskurse, und dabei paaren sich im Denken oftmals zwei Gewissheiten. Da ist der Stolz auf einstige historische Grösse, an die Asiens Nationen wieder anknüpfen möchten. Und da ist der Glaube an die eigene ökonomische Kraft, die genau diesen nationalen Aufstieg ermöglichen soll.

In der Zuversicht, weiter zu wachsen, liegt grosses Potenzial für die Weltwirtschaft, aber auch Gefahr für den Frieden. Einerseits streben diese Staaten nach mehr regionalem Handel und einem immer grösseren Wirtschaftsraum. Andererseits sind es die vielen umstrittenen territorialen Grenzen in Asien, die zunehmend für Spannungen sorgen. Die Atommächte China und Indien können sich nicht auf eine gemeinsame Grenzlinie im Himalaja einigen, Peking und Tokio streiten um Felsen im Meer, südostasiatische Länder fürchten Chinas Gebietsansprüche direkt vor ihren Küsten.

Das alles muss nicht zum Krieg führen, aber wachsender Nationalismus kann diese Konflikte erheblich anfachen. Es sieht so aus, als würden Asiens Staats- und Regierungschefs den Nationalstolz in ihren Ländern vor allem als positiven Impuls für den eigenen Fortschritt betrachten. Deshalb fördern sie ihn auch häufig. Ein Risiko für den Weltfrieden sehen sie darin kaum. Eine Debatte darüber hat in vielen Teilen Asiens noch gar nicht begonnen, ist aber überfällig, wenn die Muskelspiele in Fernost beherrschbar bleiben sollen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.11.2014, 11:28 Uhr

Arne Perras, Südostasienkorrespondent von Tagesanzeiger.ch/Newsnet

Durchbruch beim Freihandel

Die Staats- und Regierungschefs der asiatisch-pazifische Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) haben sich in Peking auf einen «Fahrplan» für eine Freihandelszone Asien-Pazifik (FTAAP) geeinigt. «Diese Entscheidung wird in Geschichtsbüchern stehen», sagte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping am Dienstag zum Abschluss des Gipfels. Bislang hatten unterschiedliche Vorstellungen Pekings und Washingtons gemeinsame Diskussionen der 21 APEC-Mitglieder über mehr Freihandel gebremst.

China und die USA wetteifern als die grössten Volkswirtschaften um die Führung in der Region. Die USA standen der Freihandelszone zuletzt skeptisch gegenüber, weil sie bereits mit elf Staaten - allerdings nicht mit China - über eine Transpazifische Partnerschaft (TPP) verhandeln. «Die Verhandlungen über TPP sind in die Schlussphase eingetreten», sagte der japanischen Regierungschef Shinzo Abe.

Peking und Washington gelang zudem eine Einigung beim Zollabbau für Technologieprodukte. Beide Seiten beschlossen am Rande des Gipfels laut der amerikanischen Regierung, das internationale Handelsabkommen für Informationstechnologie (ITA) auf weitere Produkte auszudehnen. (sda)

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