In einem «beschwerten Sack» ins Meer befördert

In Bin Ladens Residenz sollen sich zum Zeitpunkt der Tötungsaktion viele Frauen und Kinder aufgehalten haben. Auch Details über die Bestattung auf dem Meer des ehemaligen Al-Qaida-Chefs wurden bekannt.

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Die US-Marine hat Details zur umstrittenen Seebestattung des zuvor getöteten Al-Qaida-Chefs Osama Bin Laden veröffentlicht. Demnach wurde dieser an Bord des Flugzeugträgers USS Carl Vinson gebracht und später im Norden des Arabischen Meeres bestattet.

Zuvor sei die Leiche in einen «beschwerten Sack» getan worden, ein Offizier habe einige religiöse Ausführungen gemacht, bevor der Körper auf ein flaches Brett gelegt und dieses dann in Richtung des Wassers gekippt worden sei, berichteten Vertreter des US-Verteidigungsministeriums.

Für die US-Marine habe es sich dabei um Routine gehandelt, schliesslich würde sie durchschnittlich 20 Seebestattungen monatlich durchführen. Dabei handle es sich für gewöhnlich um verstorbene Veteranen, Pensionierte und andere US-Bürger, sagte ein Sprecher der Marine.

Obama besucht Ground Zero

US-Präsident Barack Obama will am Donnerstag Ground Zero in New York besuchen – vier Tage nach der Tötung von Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden durch ein amerikanisches Sonderkommando in Pakistan.

Dort, wo am 11. September 2001 Terroristen zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Center steuerten, will sich der Präsident mit Angehörigen der Opfer treffen, berichteten US-Medien unter Berufung auf einen Sprecher des Weissen Hauses.

Bin Laden gilt als Hauptdrahtzieher der Anschläge, bei denen allein in New York etwa 2600 Menschen ums Leben gekommen waren. Bei der Bekanntgabe des Todes Bin Ladens in der Nacht zum Montag hatte Obama die Hoffnung geäussert, dass die Familien der Opfer nun zumindest etwas Frieden finden könnten.

Der UNO-Sicherheitsrat begrüsste den Tod des Terroristenführers Osama Bin Laden ausdrücklich. Die 15 Mitglieder des höchsten Gremiums der Vereinten Nationen verabschiedeten am Montagabend in Anwesenheit von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon eine präsidentielle Erklärung, in der die Mitglieder ihre Entschlossenheit bekräftigten, terroristische Organisationen und deren Akteure mit voller Strenge zur Rechenschaft zu ziehen.

Für den Sicherheitsrat selten

Eine solche Erklärung des Sicherheitsrates zum Tod eines Menschen ist äussert selten. Ban hatte vor dem Treffen des Sicherheitsrates den Tod von Bin Laden als «Wendepunkt» im gemeinsamen Kampf gegen den internationalen Terrorismus bezeichnet.

China wertete den Tod von Bin Laden ebenfalls als positive Entwicklung. «Wir haben die Bekanntgabe zur Kenntnis genommen und glauben, dass dies ein wichtiges Ereignis ist und eine positive Entwicklung im internationalen Kampf gegen den Terrorismus», erklärte das Aussenministerium in Peking.

Bei einer gezielten Kommandoaktion erschossen US-Elitesoldaten den Al-Qaida-Chef in Pakistan. Nach Worten von US-Präsident Barack Obama starb der 54-jährige Bin Laden nach einem Schusswechsel mit der US-Spezialeinheit.

Widersprüchliches über Ziel der Mission

Die Kommandoaktion hätte nach Angaben des Weissen Hauses nicht mit dem Tod des Terroristenchefs enden müssen. Man sei auch darauf vorbereitet gewesen, ihn gefangen zu nehmen, sagte Obamas Anti-Terror-Berater John Brennan. An der Aktion seien keine pakistanischen Sicherheitskräfte beteiligt gewesen.

Nach Informationen des US-Nachrichtensenders CNN handelte es sich hingegen um eine «Kill Mission» – eine gezielte Liquidation. Eine Festnahme sei nicht das Ziel gewesen, berichtete der Sender unter Berufung auf offizielle Quellen. Bin Laden sei durch einen Kopfschuss getötet worden.

Nach Angaben eines US-Vertreters sei Bin Laden bei dem Zugriff von US-Spezialkräften von einem Schuss oberhalb des linken Auges getroffen worden, wodurch ihm ein Teil des Schädels weggeschossen worden sei. Abgegeben habe den Präzisionsschuss ein Mitglied des Team 6 der Marine-Eliteeinheit Seal während des Kommandoeinsatzes in der pakistanischen Stadt Abbottabad, berichtete die Nachrichtenagentur AP.

Eine Erbgut-Analyse bestätigte laut CNN eindeutig die Identität Bin Ladens. Dessen Leiche wurde umgehend im Meer bestattet – ein für Moslems unübliches Verfahren.

23 Kinder in der Residenz

Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden war bei dem in Pakistan ausgeführten Kommandoeinsatz nach Angaben eines US-Vertreters in Begleitung von 23 Kindern und 9 Frauen. Sie hätten sich in jener Residenz aufgehalten, die Bin Laden sechs Jahre als Versteck gedient habe, sagte der mit der Operation vertraute Offizielle der Nachrichtenagentur AP. Demzufolge seien die Frauen sowie die Kinder den pakistanischen Behörden übergeben worden.

Bei dem Einsatz der Marine-Eliteeinheit Seal waren in der Stadt Abbottabad neben Bin Laden auch einer seiner Söhne sowie zwei weitere Personen getötet worden.

Pakistan weist Anschuldigungen zurück

Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari bestreitet, dass die Sicherheitskräfte im Land dem getöteten Al-Qaida-Chef Osama bin Laden Unterschlupf gewährt haben. Dieser war in der Nacht auf Montag in einem grossen Haus in der Stadt Abbottabad unweit einer Militärakademie von einem US-Kommando getötet worden. Der Umstand hatte erneut die Frage aufgeworfen, ob den pakistanischen Streitkräften nicht doch seine Anwesenheit im Land bekannt gewesen war.

In einem Beitrag für die Tageszeitung «Washington Post» schrieb Zardari am Montag, dass eine «solch unbegründete Spekulation spannende Botschaftsdepeschen zu erstellen hilft, aber nicht die Tatsachen wiedergibt». Es war Pakistans erste offizielle Stellungnahme zu den Mutmassungen.

(mrs/sda/dapd)

Erstellt: 03.05.2011, 06:31 Uhr

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Kurz nach der Stürmung: Innenaufnahmen aus Bin Ladens Residenz (Quelle: ABC News).

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