Iranischer Präsident gratuliert den Juden zum Neujahrsfest

Neue Töne aus Teheran: «Während die Sonne hier in Teheran untergeht, wünsche ich allen Juden ein gesegnetes Rosh Hashana», twitterte Hassan Rohani.

Rohani während einer Pressekonferenz in Teheran. (17. Juni 2013)

Rohani während einer Pressekonferenz in Teheran. (17. Juni 2013)

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Der iranische Präsident Hassan Rohani hat in einer ungewöhnlichen Botschaft allen Juden zum Neujahrsfest seine besten Wünsche ausgesprochen.

«Während die Sonne hier in Teheran untergeht, wünsche ich allen Juden, besonders den iranischen Juden, ein gesegnetes Rosh Hashana», stand gestern in Rohanis englischsprachigem Twitter-Account. Der Iran und Israel stehen sich ansonsten nicht nur im Streit um Teherans Atomprogramm bislang unversöhnlich gegenüber.

Dass Rohani ausdrücklich «alle Juden» erwähnte, stellt einen deutlichen Wandel im Vergleich zu seinem Vorgänger Mahmoud Ahmadinejad dar.

Kritik an der Politik von Mahmoud Ahmadinejad

Das jüdische Neujahrsfest Rosh Hashana (Kopf des Jahres) wird an den ersten zwei Tagen des Monats Tishri im jüdischen Kalender gefeiert, 2013 am 5. und 6. September. Für Juden beginnt damit das Jahr 5774. Rosh Hashana erinnert an den Bund zwischen Gott und Israel.

Bei seiner Antrittsrede wies Rohani auch den einflussreichen Expertenrat der Kleriker in die Schranken. Sein deutlicher Sieg bei der Präsidentenwahl sei eine klare Botschaft des Volkes, sagte Rohani.

«Die absolute Mehrheit der Menschen hat mich gewählt, weil ich mich entschieden gegen Extremismus, Gewalt, Instrumentalisierung der Religion und Slogans ausgesprochen habe, deren Kosten dann das Volk bezahlen musste», sagte Rohani bei einem ersten Treffen mit dem Verfassungsorgan. Er bezog sich auf die Politik seines Vorgängers Mahmoud Ahmadinejad, der vom Expertenrat lange Zeit unterstützt worden war. Die Mehrheit des Expertenrats zählt zu Rohanis Kritikern.

Expertenrat kritisiert Rohani

Man solle den Menschen die Wahrheit sagen, so Rohani. Es sei nicht gut, die internationalen Sanktionen im Zusammenhang mit dem Atomstreit zu verharmlosen. Das Haupteinkommen des Landes sei nun mal der Ölexport. Aber wegen der Sanktionen werde pro Tag eine Million Barrel (je 159 Liter) weniger verkauft. Dies belaste sowohl die Wirtschaft als auch das Leben der Menschen, sagte Rohani.

Der neue Präsident reagierte auch auf die Kritik des Klerus an seiner liberalen Einstellung zu Meinungs- und Pressefreiheit. «Die Menschen haben nun mal Fragen und Zweifel, und man sollte ihnen die Möglichkeit geben, sie auch frei äussern zu dürfen», sagte Rohani. Den konservativen Klerikern riet er, nicht länger «engstirnig» mit der Gesellschaft umzugehen, da die ganze Welt jetzt über Internet oder Satellitenfernsehen miteinander verbunden sei. (kle/ajk/sda)

Erstellt: 04.09.2013, 22:40 Uhr

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