AKW-Comeback in Japan

Alle rund 50 Atommeiler standen nach Fukushima still. Jetzt drückt Tokio erstmals wieder auf den EIN-Schalter.

War mehr als vier Jahre stillgelegt: Das Atomkraftwerk Sendai in Japan.

War mehr als vier Jahre stillgelegt: Das Atomkraftwerk Sendai in Japan. Bild: Hiroko Harima/Kyodo News/Keystone

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Erstmals seit fast viereinhalb Jahren geht in Japan wieder ein Atomreaktor in Betrieb. Der Reaktor 1 des Atomkraftwerks Sendai solle am Dienstag hochgefahren werden und ab Freitag Strom erzeugen, kündigte die Betreiberfirma Kyushu Electric Power am Montag an.

Mehrere hundert Menschen demonstrierten vor dem knapp 1000 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Tokio gelegenen Kraftwerk. Der 31 Jahre alte Reaktor soll am Dienstag ab 10.30 Uhr Ortszeit (03.30 Uhr MESZ) hochgefahren werden. Bis Anfang September soll er die volle Produktionskapazität erreichen, wie die Betreiber mitteilten.

Bis zuletzt hatten Bürger vor Gericht versucht, die erneute Inbetriebnahme zu stoppen. Als Konsequenz der Atomkatastrophe in Fukushima vom 11. März 2011 stehen seit rund zwei Jahren alle 48 Reaktoren in Japan still. Das Wiederanfahren des Sendai-Reaktors ist ein Erfolg für Ministerpräsident Shinzo Abe, der Atomstrom aus wirtschaftlichen Gründen befürwortet.

Sendai 1 war im Mai 2011 abgeschaltet worden. Weil die Sicherheitsstandards nach der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 jedoch strenger geworden sind, wurde der Reaktor bislang nicht wieder hochgefahren. Seit September 2013 wurde in Japan gar keine Atomenergie mehr produziert.

Bevölkerung gegen AKW

Die japanische Gesellschaft ist weitgehend gegen die Wiedereinführung der Atomenergie. Rund 1000 Menschen versammelten sich am Montag aus Protest vor dem Reaktor. «Ich kann das niemals tolerieren», sagte ein Demonstrant einem örtlichen Fernsehsender. Er könne nicht verstehen, wie ein Reaktor im Land wieder hochgefahren werde, wo doch der Fukushima-Unfall bei weitem noch nicht aufgeklärt sei. Laut einer Umfrage der Tageszeitung «Mainchi Shimbun» sind 57 Prozent der Befragten gegen das Wiederanfahren und nur 30 Prozent dafür.

Ai Kashiwagi von Greenpeace Japan beklagte, dass die Regierung in Tokio weiter auf eine auf Atom- und fossile Energien basierte Wirtschaft setze. Dabei sei Japan in der Lage, bis 2030 insgesamt 56 Prozent des benötigten Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen.

Noch vier Jahrzehnte aufräumen in Fukushima

Im Atomkraftwerk Fukushima war infolge eines schweren Erdbebens und eines Tsunamis am 11. März 2011 das Kühlsystem ausgefallen, woraufhin es in mehreren Reaktoren zur Kernschmelze kam. Drei der sechs Reaktoren wurden bei der Katastrophe zerstört, und das Gebiet im Umfeld wurde radioaktiv verseucht.

Die Aufräumarbeiten sollen noch vier Jahrzehnte dauern. Rund 7000 Arbeiter sind täglich mit den Aufräumarbeiten in der Anlage an der Ostküste der Insel Honshu beschäftigt. Durch das Erdbeben und den Tsunami kamen rund 18'000 Menschen ums Leben.

Trotz der radioaktiven Verseuchung sollen bald die ersten Menschen in die Region um Fukushima zurückkehren. Im vergangenen Monat kündigte die Regierung die Aufhebung der Evakuierung für die Stadt Naraha an.

7400 Menschen sollen in ihre Häuser zurückkehren können. Greenpeace hatte die Entscheidung scharf kritisiert. Bei Messungen seien dort auch auf «angeblich bereits gesäuberten Flächen» weiterhin gefährlich hohe Strahlenwerte gemessen worden. (mlr/sda)

Erstellt: 10.08.2015, 07:43 Uhr

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