Kapitalist in der Safranrobe

Der indische Guru Baba Ramdev macht Geschäfte mit der Spiritualität.

So populär, dass auch Premier Modi sich gerne mit ihm fotografieren lässt: Der Yogi Baba Ramdev Ende 2014 in Mumbai. Foto: Satish Bate (Getty Images)

So populär, dass auch Premier Modi sich gerne mit ihm fotografieren lässt: Der Yogi Baba Ramdev Ende 2014 in Mumbai. Foto: Satish Bate (Getty Images)

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Baba Ramdev, populärer indischer Guru und neureicher Nudelfabrikant, hatte lange eine Fernsehshow, in der er seinen drahtigen Körper verknotete und Zuschauern das Atmen lehrte. Doch nun blieb vielen plötzlich die Luft weg, als sie hörten, was Ramdev kürzlich an Ungeheurem von sich gab: Würden ihn nicht die Gesetze hindern, würde er Tausenden Menschen den Kopf abschlagen, wenn sie sich weigern, «Lang lebe Mutter Indien» zu rufen.

Ramdevs rhetorischer Amoklauf fällt in eine Zeit, da Indien hitzig debattiert, wer sich als Patriot bezeichnen darf und wer nicht. Ob ihm die Kopf-ab-Hetze ökonomisch schaden wird, ist nicht sicher. Der Yogi ist so populär, dass auch Premier Modi sich gerne mit ihm fotografieren lässt. Yoga, wie es Ramdev für die Massen vorturnt, wird von Politikern als wertvolle Softpower betrachtet, um Indiens Einfluss in der Welt zu mehren. Diesem Ziel hat Ramdevs Hassattacke kaum gedient.

Alle Inder sollen einheimische Produkte kaufen

Ramdevs Geschäfte waren zuletzt prächtig gewachsen. Wie ein irritierter Anhänger anmerkte, hat der Guru alle Hände voll zu tun, «Spiritualität in materiellen Profit zu verwandeln». Sein Business baut unter anderem auf der Idee auf, dass Inder einheimische Produkte kaufen sollten. Misstrauen gegenüber internationalen Konzernen ist Teil einer Strategie, mit der spirituelle Führer in Safranroben ihre Wirtschaftsimperien erweitern. Anfangs waren es ayurvedische Produkte, später entdeckte Ramdev aber auch den Wert der sehr weltlichen Instantnudel.

Die Zeiten schienen günstig. Lange hatte vor allem der Konzern Nestlé die Maggi-2-Minuten-Nudel unters Volk gebracht. Als der Staat mit Nestlé über angeblich schadstoffbelastete Ware stritt, geriet das Produkt in Verruf, 27'000 Tonnen wurden vernichtet. Inzwischen ist Maggi zurück, doch Ramdev stiess in die Lücke. Der 50-jährige Guru gilt als Pionier des «spirituellen Kapitalismus». Marketingexperte Harish Bijoor beobachtet auf dem Konsumentenmarkt schon «tektonische Verschiebungen», was nicht nur, aber auch am Aufstieg der Guru-Produkte liegt.

Von Amlasaft bis Zahnpaste

Ramdev hat mit einem Partner Patanjali Ayurved Limited aufgebaut, ihren Sitz hat die Firma standesgemäss in Hardiwar, einem spirituellen Zentrum am heiligen Ganges. Voriges Jahr verzeichnete sie Einnahmen von 263 Millionen Euro, für dieses Jahr erwartet sie mehr als das Doppelte. Bis 2020 rechnet die Investitionsgesellschaft IIFL mit einem Umsatzpotenzial von 2,6 Milliarden. Der Guru vertreibt mehr als 800 Produkte, von Zahncreme über Shampoo bis zum Amlasaft, der die Immunabwehr stärken soll. Natürlich kommt die Amlafrucht aus Indien. Und Baba Ramdev trinkt den Saft jeden Morgen selbst, bevor er sich drei Stunden lang beim Yoga verbiegt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.04.2016, 18:29 Uhr

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