Kruder japanischer Nationalstolz

Der Internationale Gerichtshof verbietet Japan den Walfang in der Antarktis. Es ist aber zu bezweifeln, dass Tokio klein beigibt.

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Japan beruft sich, wenn es um seine Territorialkonflikte mit Südkorea und China geht, gerne auf internationales Recht. Jetzt hat der Internationale Gerichtshof im Streit um den Walfang im Südpazifik gegen Nippon entschieden. Koji Tsuruoka, der Vertreter Japans im Verfahren in Den Haag, sagte anschliessend, Japan bedauere den Entscheid, akzeptiere ihn aber.

Bisher hat Nippon stets einen Sonderfall für sich reklamiert – und sich dann zu erklären versucht. Der Walfang sei eine japanische Tradition, hiess es, wie die brutale Schlächterei von Delfinen in Taiji übrigens auch. In Wirklichkeit sind beide sogenannten Traditionen in ihrer heutigen Form erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfunden worden.

«Wissenschaftlichkeit» als Deckmantel

Zur Legitimierung seines Walfangs hat Japan sich stets an die Fiktion geklammert, sein Fernwalfang in antarktischen Gewässern diene der wissenschaftlichen Forschung. Er sei damit von der Internationalen Walfangkommission (IWC) sanktioniert. Mit dem anschliessenden Verkauf des Walfleisches decke man bloss die Kosten dieser Forschung. Er sei nicht kommerziell. Wer dem widerspricht wie die Umweltorganisationen, den bezichtigt das japanische Aussenministerium, er streue Fehlinformationen und provoziere Emotionen.

Nun hat sich nicht eine Umweltorganisation Japan in den Weg gestellt, sondern Australien, sekundiert von Neuseeland. Die beiden Staaten haben auch keine angeblich falschen Informationen gestreut, sondern beim Internationalen Gerichtshof geklagt. Dieser hat die «Wissenschaftlichkeit» von Nippons Walfang zum Deckmantel erklärt. Und verlangt, Japan müsse den Walfang sofort einstellen. Das Urteil ist bindend und kann nicht angefochten werden.

Austritt aus Internationaler Walfangkommission?

Obwohl Tsuruoka das Urteil im Namen von Japan akzeptiert hat, ist zu bezweifeln, dass Tokio klein beigibt. Der Walfang war für Japan schon bisher weder ein Wirtschaftsfaktor noch ein Bedürfnis – das Fleisch ist nur mit grossen Schwierigkeiten abzusetzen, die meisten Japaner mögen es nicht. Es geht eher um einen kruden Nationalstolz der konservativen Elite: Man gibt dem Ausland doch nicht nach.

Das wäre ein neues Japan, das sich internationalem Druck fügt. Oder beginnt nun die Suche nach einer neuen Hintertür? Es gab auch schon Andeutungen von Beamten, Japan könnte schon aus der Internationalen Walfangkommission austreten. Dann würde das internationale Recht für Japans Walfang nicht mehr gelten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.03.2014, 14:48 Uhr

Christoph Neidhart ist Japan-Korrespondent von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

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