«Moderne Sklavenhaltung» auf der arabischen Halbinsel

Gemäss Menschenrechtsorganisationen ist es um die Arbeitsbedingungen in Qatar schlecht bestellt. Vor allem Gastarbeiter aus dem Ausland werden ausgenutzt.

Ausgebeutet und unterdrückt: Wie gut sind wohl die Arbeitsbedingungen dieser Bauarbeiter in Doha?

Ausgebeutet und unterdrückt: Wie gut sind wohl die Arbeitsbedingungen dieser Bauarbeiter in Doha? Bild: Keystone

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Die WM schafft gleichzeitig Arbeitsplätze – und Leid. Denn die Arbeitsbedingungen auf der arabischen Halbinsel lassen zu wünschen übrig. Vor allem Gastarbeiter aus dem Ausland werden unterdrückt: Löhne werden nicht ausbezahlt, Angestellte können nur mit der Zustimmung ihres Arbeitgebers den Job wechseln oder das Land verlassen. Die Arbeitszeiten sind unverhältnismässig lang, die Arbeitsbedingungen schlecht.

Auch in Qatar, wo gemäss Amnesty International ausländische Arbeitsmigranten sogar 80 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Oft haben diese Knebelverträge, sind «ohne ausreichenden Schutz Missbrauch und Ausbeutung durch ihre Arbeitgeber ausgesetzt», wie es im diesjährigen Report von Amnesty International heisst.

Neues Gesetz in Qatar

Selbst Schläge, Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz sind keine Seltenheit. Im Jahr 2007 sollen darum rund 20’000 Arbeitsmigranten vor ihren Arbeitgebern geflohen sein.

Seit Februar dieses Jahres ist zwar ein neues Gesetz in Kraft, das die Arbeitsbedingungen regelt. Ein- und Ausreise, Aufenthalt und Arbeitsbedingungen sind darin festgelegt. Es untersagt dem Arbeitgeber zum Beispiel, die Pässe der Angestellten zu behalten. Eine Verbesserung, wie Amnesty International festhält.

«Moderne Sklavenhaltung»

Aber auch im Nachbarstaat, den Vereinigten Arabischen Emiraten arbeiten rund eine halbe Million Gastarbeiter für einen Hungerlohn. Menschenrechtsorganisationen sprechen von moderner Sklavenhaltung.

Gemäss Human Rights Watch sei besonders die hohe Zahl der Todesfälle und Verletzungen unter Gastarbeitern beunruhigend. Doch offizielle Zahlen diesbezüglich gab es bisher nur aus Dubai: Im Jahre 2004 starben da 34 Arbeiter, 2005 waren es 39.

Unterdurchschnittlicher Lohn

In den Emiraten wird der Durchschnittslohn der ausländischen Bauarbeiter von Menschenrechtlern auf 175 Dollar pro Monat beziffert. Dabei betrage das Durchschnittseinkommen pro Kopf und Monat rund 2106 Dollar.

Für Human Rights Watch ist das ein klarer Fall von Ausbeutung. «Die Vereinigten Arabischen Emirate erleben einen der grössten Baubooms der Welt», schreibt die Organisation zu ihrer Untersuchung. Die Arbeiter selbst würden aber nicht davon profitieren. (reh)

Erstellt: 04.12.2010, 06:14 Uhr

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