Naturkautschuk gegen Rüstungsgüter

Russlands Premierminister Medwedew trifft sich erstmals mit seinem thailändischen Kollegen, seit dem Militärputsch 2014. Die beiden Länder wollen ihren bilateralen Handel auf 10 Milliarden Dollar pro Jahr verdoppeln.

Amüsierte Minister: Russlands Premierminister, Dmitri Medwedew, trifft sich mit seinem thailändischen Kollegen, Prayuth Chan-ocha. (8. April 2015)

Amüsierte Minister: Russlands Premierminister, Dmitri Medwedew, trifft sich mit seinem thailändischen Kollegen, Prayuth Chan-ocha. (8. April 2015) Bild: Sakchai Lalit/Keystone

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Der von westlichen Demokratien geschnittene Putschführer in Thailand hat seine Freundschaft mit Russland bekräftigt. Der Moskauer Regierungschef Dmitri Medwedew war der erste Regierungschef von ausserhalb Asiens, der Thailand seit dem Militärputsch im Mai 2014 einen Besuch abstattete.

«Freunde beweisen sich in harten Zeiten», sagte Putschführer Prayuth Chan-ocha. «Sie helfen und haben Verständnis.» Die beiden unterzeichneten unter anderem Abkommen über mehr Investitionen und russische Hilfe im Energiesektor.

Auch die Handelsbeziehungen sollen intensiviert werden. Ihren bilateralen Handel wollen Thailand und Russland nach Angaben von Prayuth Chan-ocha im kommenden Jahr auf zehn Milliarden Dollar verdoppeln.

Russland will Kampfflugzeuge liefern

Russland will 2016 mindestens 80'000 Tonnen Naturkautschuk kaufen. Das ist das Vierfache der für 2015 geplanten Menge. Thailand ist der weltgrösste Exporteur von Naturkautschuk und leidet unter den weltweite Überangebot und einer sinkenden Nachfrage nach dem Rohstoff.

Im Gegenzug könnte Thailand Rüstungsgüter aus Russland importieren. Der russische Handelsminister Denis Manturow bot Thailand die Lieferung von Kampfflugzeugen und anderen Rüstungsgütern an. Russland wolle aber auch Zivilflugzeuge nach Thailand verkaufen.

Man sei dabei, die Interessen Thailands an militärischen Gütern auszuloten, sagte der Minister, der ebenfalls nach Thailand gereist war.

«Unsere Freunde im westlichen Teil der Welt ignorieren Thailand.»Denis Manturow

Die USA haben ihre militärische Zusammenarbeit mit Thailand reduziert, weil das Militär vor knapp einem Jahr die gewählte Regierung stürzte. Auch andere westliche Staaten halten sich seitdem zurück.

Putsch «einmalige Gelegenheit» für Russland

Prayuth hatte sich nach dem Coup zum Regierungschef ernennen lassen. Wahlen soll es frühestens Anfang nächsten Jahres geben.

Seit dem Fall der demokratisch gewählten Regierung haben lediglich Staats- und Regierungschefs aus autoritär regierten Nachbarländern wie Kambodscha und Burma Bangkok besucht, sowie Minister aus China. China war eines der ersten Länder, das die Militärregierung nach dem Putsch anerkannte.

«Thailand ist mit seiner lebhaften Zivilgesellschaft zu liberal und offen, um mit Russland unter eine Decke zu kriechen», sagte Thitinan Pongsudhirak von der Chulalongkorn-Universität. «Sich autoritären Ländern anzubiedern, könnte Thailand teuer zu stehen kommen.»

«Der Putsch ist eine einmalige Gelegenheit für China und Russland», meinte Pavich Supapipat von der Consultingfirma Vriens & Partners. «Jahrelang war Thailand der einzige richtige Verbündete der USA auf dem südostasiatischen Festland, aber nach den Spannungen wegen des Putsches füllen Russland und China nun die Lücke.»

Während Medwedew in Bangkok war, lotete Thailands Vize-Regierungschef Prawit Wongsuwan in Peking tiefere Verteidigungszusammenarbeit aus. (pst/sda)

Erstellt: 08.04.2015, 22:53 Uhr

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