Nordkorea stoppt Atom- und Raketentests

Kim Jong-un hat angekündigt, vorerst keine weiteren Atom- und Raketentests durchzuführen. Doch nicht alle reagieren euphorisch auf den Entscheid.

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Ab dem 21. April werde Nordkorea seine Atomtests und den Abschuss von Interkontinentalraketen einstellen, zitierte die Nachrichtenagentur Yonhap die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Samstag. Zudem soll der Betrieb einer nuklearen Testanlage eingestellt werden.

«Der Norden wird eine Atomtestanlage im Norden des Landes schliessen, um seinen Willen zu demonstrieren, die Atomtests auszusetzen», schrieb KCNA dem Bericht zufolge. Demnach sagte Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un bei einer Sitzung der Staatspartei, weitere Tests seien nicht nötig. Die Atomtestanlage habe «ihre Aufgabe erfüllt».

Diplomatisches Tauwetter

Die Ankündigung erfolgte knapp eine Woche vor dem geplanten Gipfeltreffen zwischen Südkoreas Präsident Moon Jae In und Nordkoreas Machthaber Kim in der entmilitarisierten Zone zwischen beiden Ländern. Ende Mai oder Anfang Juni ist zudem ein Treffen Kims mit US-Präsident Donald Trump geplant. Dieser begrüsst den Entscheid denn auch. Auf Twitter schreibt er: «Das sind sehr gute Neuigkeiten für Nordkorea und die Welt. Ein grosser Fortschritt. Freue mich auf unseren Gipfel.»

Auch die Europäische Union begrüsste die Ankündigung. Die Entscheidung sei ein «seit langem erwarteter, positiver Schritt», erklärte die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini:

Auch Südkoreas Staatsführung begrüsste die von Nordkorea verkündete Aussetzung aller Atom- und Raketentests als wichtigen Schritt zum Abbau der Spannungen in der Region. «Nordkoreas Entscheid ist ein bedeutsamer Fortschritt für die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel, die sich die Welt wünscht», teilte das Präsidialamt in Seoul am Samstag mit. Sie diene zudem als «sehr positive Grundlage» für das bevorstehende Gipfeltreffen zwischen Südkoreas Präsident Moon Jae In und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, um Denuklearisierung und dauerhaften Frieden auf der koreanischen Halbinsel zu erreichen.

Japaner lesen Kleingedrucktes

Japans Regierung reagierte dagegen mit Skepsis auf die Ankündigung Nordkoreas, seine Atom- und Raketentests auszusetzen. Zwar sei der von Pyongyang proklamierte Kurswechsel ein Schritt nach vorne, sagte Regierungschef Shinzo Abe am Samstag vor Journalisten. Es müsse aber genau beobachtet werden, ob dieser Schritt auch wirklich «zur verifizierbaren und unwiderruflichen Zerstörung der Bestände von Atom- und Massenvernichtungswaffen führt».

Japans Verteidigungsminister Itsunori Onodera wies zudem daraufhin, dass in der Erklärung Nordkoreas nur auf den Teststopp für ballistische Langstreckenraketen Bezug genommen werde - nicht aber auf Tests mit Kurz- und Mittelstreckenraketen, in deren Reichweite sich Japan und Südkorea als Nachbarstaaten befinden. Deshalb sei die Erklärung «unbefriedigend» und «unzureichend».

Nordkorea hatte in den vergangenen Jahren sein Atom- und Raketenprogramm massiv vorangetrieben und damit gegen UN-Resolutionen verstossen. Im vergangenen Jahr nahm Nordkorea seinen sechsten und bislang stärksten Atomtest vor, zudem testete Pyongyang Raketen, die US-Staatsgebiet treffen könnten. Seit Jahresbeginn herrscht jedoch diplomatisches Tauwetter zwischen Nord- und Südkorea. Am Freitag schalteten die Nachbarstaaten eine direkte Telefonverbindung zwischen ihren Staatschefs frei. (roy/AFP/SDA)

Erstellt: 21.04.2018, 00:11 Uhr

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