Al-Qaida schwört Rache für den Tod Bin Ladens

Nach dem Tod von Osama Bin Laden hat das Terrornetzwerk al-Qaida in einer Stellungnahme im Internet erstmals den Tod seines Führers bestätigt. Bin Ladens Blut sei nicht umsonst vergossen worden, hiess es.

Die al-Qaida will den Kampf gegen die Ungläubigen fortführen. (Video: Reuters)

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In Pakistan protestierten Hunderte Anhänger islamistischer Parteien gegen den Einsatz von US-Kommandoeinheiten, bei dem Bin Laden in der Nacht auf Montag getötet worden war. Die Demonstranten warfen den USA die Verletzung der Souveränität Pakistans vor und riefen: «Osama lebt!»

An der grössten Kundgebung in der Stadt Khuchlak in der südwestlichen Provinz Baluchistan beteiligten sich rund 500 Menschen. «Amerika feiert die Tötung von Osama Bin Laden, aber es wird nur eine vorübergehende Feier sein», sagte Abdullah Sittar Chishti, ein Parteigänger der Jamiat Ulema Islam, die zu der Demonstration aufgerufen hatte. «Nach dem Martyrium von Osama werden Milliarden, Billionen Osamas geboren.»

Beim ersten US-Drohnenangriff in Pakistan seit bin Ladens Tod wurden am Freitag nach Angaben aus Geheimdienstkreisen 15 Menschen getötet. Der Angriff ereignete sich in Nord-Waziristan, einer Hochburg von al-Qaida und den Taliban, nahe der Grenze zu Afghanistan. Ob der Angriff mit der Kommandoaktion gegen Bin Laden in Zusammenhang stand, war den Geheimdienstinformationen zufolge zunächst unklar.

Al-Kaida wollte offenbar Anschläge auf Züge in USA verüben

Unterdessen wurde bekannt, dass al-Qaida anlässlich des zehnten Jahrestages der Anschläge vom 11. September 2001 offenbar erneut Anschläge in den USA verüben wollte. Das geht aus Computerdateien und Dokumenten hervor, die US-Soldaten nach dem Sturm auf Bin Ladens Versteck in der pakistanischen Stadt Abbottabad beschlagnahmt hatten.

Innerhalb der al-Qaida gab es demnach seit Februar 2010 Überlegungen, einen Zug in den USA entgleisen zu lassen, der dann in ein Tal oder von einer Brücke stürzen sollte, wie aus einer Warnung des US-Heimatschutzministeriums hervorgeht, die am Donnerstag den Behörden in den USA zugestellt wurde.

Das Heimatschutzministerium hob aber hervor, dass es sich nur um einen ersten Eindruck nach der Prüfung des Materials handele, der irreführend sein könne. Eine offizielle Terrorwarnung sei deshalb nicht geplant, sagte Ministeriumssprecher Matt Chandler.

Bei dem Angriff auf Bin Ladens Versteck in der Nacht auf Montag waren die US-Elitesoldaten dem Vernehmen nach auf wenig Widerstand gestossen. Nach der Razzia habe man in dem Anwesen des Terrorchefs ein Sturmgewehr vom Typ Kalaschnikow gefunden, aus dem lediglich eine Patrone abgefeuert worden sei, hiess es aus pakistanischen Sicherheitskreisen. «Das war der Grad des Widerstands», sagte ein Beamter, der seinen Namen nicht genannt wissen wollte.

Der UN-Ermittler für aussergerichtliche Tötungen rief die USA am Freitag auf, weitere Einzelheiten des Angriffs auf bin Laden zu veröffentlichen. Washington solle alle Fakten aufdecken, forderte der südafrikanische Jura-Professor Christof Heyns. Nur so könne untersucht werden, ob die Tötung Bin Ladens mit den Grundsätzen des Menschenrechts vereinbar gewesen sei. «Insbesondere ist es wichtig zu wissen, ob die Planung der Mission auch eine Festnahme Bin Ladens zugelassen hätte», sagte Heyns.

Eine der drei Ehefrauen Bin Ladens habe im Verhör angegeben, dass sie bereits sechs Jahre lang in dem Versteck des Terroristen in Abbottabad gelebt hatte, hiess es aus pakistanischen Geheimdienstkreisen. Während dieser Zeit habe sie die oberen Stockwerke des Gebäudes nicht verlassen, erklärte ein Geheimdienstmitarbeiter.

Angehörige von bin Laden werden verhört

Die im Jemen geborene Frau ist eine von drei Ehefrauen Bin Ladens, die derzeit in Pakistan verhört werden. Sie habe während des Angriffs auf das Anwesen eine Schussverletzung am Bein erlitten, hiess es aus pakistanischen Sicherheitskreisen.

Zudem würden noch acht bis neun Kinder von den Behörden festgehalten, die während des US-Kommandoeinsatzes in dem Haus vorgefunden wurden. Eine der ältesten Töchter bin Ladens habe gesehen, wie ihr Vater erschossen wurde. Dem US-Auslandsgeheimdienst CIA sei bislang kein Zugang zu den Gefangenen eingeräumt worden, verlautete aus Sicherheitskreisen in Islamabad.

Der pakistanische Geheimdienst verspricht sich von den Berichten der Angehörigen Einblicke in den Alltag bin Ladens sowie Hinweise auf die inneren Strukturen von al-Qaida. Bekannt wurde bereits, dass bin Laden kurz vor seinem Tod offenbar nicht mehr über grosse finanzielle Reserven mehr verfügte.

Zudem sei das Terrornetzwerk in zwei Gruppen gespalten, von denen die grössere von der mutmasslichen Nummer Zwei der Organisation, Ajman al Sawahri, kontrolliert werde, sagte ein ranghoher Mitarbeiter des pakistanischen Geheimdienstes am Donnerstag vor einer kleinen Gruppe pakistanischer Journalisten, von denen zwei sich später gegenüber der Nachrichtenagentur AP äusserten. (bru/dapd)

Erstellt: 06.05.2011, 20:32 Uhr

Tötung bin Ladens hebt Kampfgeist der Dschihadisten

Der Tod Osama Bin Ladens wird nach Ansicht der radikalislamischen Taliban den Kampfgeist extremistischer Kämpfer nur noch weiter befeuern. In einer Email an Nachrichtenagenturen erklärten die Taliban am Freitag, der Tod des Terrorchefs werde «dem aktuellen Dschihad gegen die Invasoren neuen Auftrieb geben.» Gemeint sind die USA und ihre Verbündeten.

Die Taliban lobten den getöteten Al-Kaida-Chef für dessen Opfer im Krieg gegen die Sowjetunion in den 1980ern. Wer glaube, dass bin Ladens Tod die derzeitigen Konflikte aushöhlen werde, zeige einen «Mangel an Erkenntnis», hiess es in ihrer Mitteilung. (dapd)

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