«Nur Allah weiss, was uns jetzt erwartet»

Die Opposition in Bangladesh boykottierte den Urnengang und setzte über 100 Wahllokale in Brand. Die Sicherheitskräfte reagieren rigoros: 24 Menschen sind bis jetzt ums Leben gekommen.

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Die Wahl in Bangladesh ist von Gewalt überschattet. Und auch nach dem Urnengang halten die Ausschreitungen an. Die Regierungspartei sichert sich wegen des Boykotts der Opposition eine Zweidrittelmehrheit. Die Kritik im Land ist gross.

Bangladeschs Regierungspartei hat bei der von der Opposition boykottierten Parlamentswahl einen erwartet deutlichen Sieg errungen. Die Awami-Liga sicherte sich 232 der zur Disposition stehenden 300 Sitze, wie die Wahlkommission heute mitteilte. Die Gewalt, die den Urnengang am Wochenende begleitet hatte, hielt an.

«Vorhersehbarer» Sieg

Notwendig für die Regierungsbildung wären 151 Stimmen gewesen. Dennoch stellen nationale Beobachter Ministerpräsidentin Sheikh Hasinas Legitimität infrage. Die einheimische Zeitung «Daily Star» bezeichnete ihren Sieg als «vorhersehbar und hohl». Er gebe ihrer Partei weder ein Mandat noch eine ethische Grundlage für eine effektive Regierung, hiess es in einem Kommentar.

Die Wahlbeteiligung lag bei lediglich 22 Prozent. 2008 hatten noch 87 Prozent der Berechtigten ihre Stimme abgegeben. Insgesamt hat das Parlament 350 Sitze. Davon werden 50 an Frauen vergeben, die von den 300 allgemein gewählten Abgeordneten ausgewählt werden.

Keine Beobachter im Land

Die Wahlleitung teilte mit, in mindestens 390 der gut 18'000 Wahllokale sei die Stimmabgabe wegen der Gewalt ausgesetzt worden. Internationale Beobachter bezeichneten den Urnengang als manipuliert. Die Europäische Union, die USA und britische Commonwealth schickten deshalb erst gar keine Beobachter ins Land.

Die Wahl gilt als eine der blutigsten in der Geschichte Bangladeshs. Wütende Demonstranten steckten mehr als 100 Wahllokale in Brand. Auch heute kam es zu Ausschreitungen. In Dohar, einem Vorort der Hauptstadt Dhaka, wurden dabei nach Polizeiangaben mindestens drei Menschen gerötet. Bereits am Sonntag waren mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen.

«Nur Allah weiss, was uns jetzt erwartet»

«Wir verbringen die Tage in Angst und Beklemmung», sagte Abdur Rahman, ein Bewohner von Dhaka. Soldaten patrouillierten in den Strassen der Hauptstadt. «Die beiden grössten Parteien scheren sich um nichts. Nur Allah weiss, was uns jetzt erwartet», sagte er.

Die Regierungsgegner um Oppositionsführerin Khaleda Zia hatten vor der Wahl monatelang mit Protesten und Strassenblockaden den Rücktritt von Hasina und die Einsetzung einer neutralen Übergangsregierung gefordert, die die Wahl beaufsichtigen sollte. Hasina lehnte dies ab, was zum Wahlboykott der Opposition führte.

Anstachelung zur Gewalt?

Der «Daily Star» ging auch mit der Opposition hart ins Gericht. Zwar habe jede Partei das Recht, eine Wahl zu boykottieren, doch eine Anstachelung zur Gewalt sei nicht hinnehmbar, kommentierte das Blatt.

Die Familien von Regierungschefin Hasina und ihrer Rivalin Zia dominieren die Politik Bangladeschs seit der Unabhängigkeit des Landes. Zia war Ehefrau des 1981 ermordeten Präsidenten Ziaur Rahman, Hasina die Tochter des 1975 ebenfalls ermordeten Unabhängigkeitsführers Sheikh Mujibur Rahman.

Aus Sicht von Beobachtern könnte das politische Chaos die wirtschaftliche Situation in dem verarmten Land mit 160 Millionen Menschen noch verschärfen und zu einer Radikalisierung führen. Seit der Unabhängigkeit Bangladeschs von Pakistan ist die Geschichte des Landes voll von politischer Gewalt: Zwei Präsidenten wurden ermordet, es gab 19 Putschversuche. (mrs/sda)

Erstellt: 06.01.2014, 10:55 Uhr

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