Polizisten stürzen Präsidenten der Malediven

Auf den Malediven ist es zu einem Machtwechsel gekommen. Meuternde Polizisten lieferten sich mit Soldaten heftige Strassenschlachten. Präsident Mohammed Nasheed ist daraufhin zurückgetreten.

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Nach wochenlangen Protesten hat sich der maledivische Präsident Mohamed Nasheed dem Druck der Strasse gebeugt. Er trat zurück, nachdem die Gewalt bei einer Demonstration auf der Hauptinsel Male eskaliert war. Nasheed verkündete seinen Rücktritt im Staatsfernsehen. «Ich trete zurück, weil ich nicht der Mensch bin, der mit dem Einsatz von Gewalt regieren will», sagte er im Staatsfernsehen.

Nasheed war der erste demokratisch gewählte Staats- und Regierungschef des Inselstaats im Indischen Ozean. International bekannt wurde er vor allem durch sein Engagement im Kampf gegen den Klimawandel.

Sein bisheriger Stellvertreter, Mohammed Waheed Hassan, übernahm die Amtsgeschäfte. Er gilt als westlich geprägt und war jahrelang für das UNO-Kinderhilfswerk Unicef tätig. Zudem war er der erste Fernsehmoderator in der Geschichte der Malediven.

Armee schiesst auf Polizei

Auslöser der politischen Krise war die Verhaftung eines Richters, den Nasheed als Marionette seines Vorgängers Maumoon Abdul Gayoom bezeichnet hatte. In der Nacht waren die wochenlangen Auseinandersetzungen nach Angriffen auf einen der Opposition nahestehenden Fernsehsender eskaliert.

Währenddessen attackierten meuternde Polizisten das Hauptquartier von Nasheeds Partei und besetzten das Staatsfernsehen. Soldaten gingen mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Polizisten und Demonstranten vor, die das Hauptquartier der Streitkräfte belagerten, vor den Präsidentenpalast zogen und den Namen Gayooms riefen. Dabei wurden mindestens drei Menschen verletzt.

Kein Militärputsch

Sowohl der zurückgetretene Nasheed, als auch sein Nachfolger Hassan dementierten Medienmitteilungen, wonach es sich um einen Militärputsch gehandelt haben soll. «Es war überhaupt kein Putsch, es war der Wunsch des Volks», sagte Hassans Sprecher Ahmed Thoufeeg.

Ein Berater Nasheeds wies ebenfalls Berichte zurück, wonach der Präsident unter Zwang des Militärs zurückgetreten sei. Nasheed habe die Option gehabt, ein blutiges Vorgehen des Militärs gegen Polizisten anzuordnen oder sein Amt aufzugeben, sagte der Berater. Nach der Rücktrittsankündigung des Präsidenten strömten jubelnde Bewohner des Inselstaates im Indischen Ozean auf die Strassen und schwenkten Flaggen.

Auch die Opposition zeigte sich zufrieden: «Die Demonstrationen der Opposition sind beendet und wir erwarten eine Normalisierung der Lage», sagte ein Sprecher von Gayooms Fortschritts-Partei PPM. Der neue Präsident Hassan habe die Unterstützung der Opposition.

Sorge um Touristen

Touristen waren vom Umbruch auf den Malediven offenbar nicht betroffen. Die Demonstrationen beschränkten sich auf die Insel mit der Hauptstadt Male.

Dort halten sich Touristen nur für Tagesausflüge auf. Der internationale Flughafen liegt auf einer Nachbarinsel. Von dort aus werden Touristen direkt zu ihren Ressorts gebracht, die abgeschieden auf jeweils eigenen Inseln liegen.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) passte dementsprechend seine Reisehinweise an. Es weist darauf hin, dass sich Reisende vor Ausflügen nach Male in den Medien und bei Ihrem Reiseveranstalter über die Lage in der Stadt informieren sollten. Zudem sollten sie Demonstrationen und grössere Menschenansammlungen jeder Art vermeiden. (kpn/bru/dapd/sda)

Erstellt: 07.02.2012, 12:04 Uhr

Nasheed wurde 2008 der erste demokratisch gewählte Präsident des Archipels. (Video: Reuters)

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