Schauprozess im Plexiglaskasten

In einem kritisierten Verfahren verteidigte heute die Punkband Pussy Riot ihre Protestaktion. Die Band hatte in einer Moskauer Kathedrale unter anderem den Satz «Maria, Mutter Gottes - verjage Putin!» gesungen.

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Die russische Frauen-Punkband Pussy Riot hat zu Beginn des Gerichtsprozesses in Moskau ihre Protestaktion gegen Präsident Wladimir Putin verteidigt.

Das Punk-Gebet in der Moskauer Erlöserkathedrale sei ein politischer Protest mit künstlerischen Mitteln gegen Putins autoritäre Politik gewesen.

Beim ersten öffentlichen Prozesstag beteuerten die drei angeklagten jungen Frauen in einem Kasten aus Plexiglas ihre Unschuld. Pussy Riot sei eine politische Band, die ihr Recht auf freie Meinungsäusserung nutze, sagte etwa die 24-jährige ausgebildete Journalistin Maria Aljochina.

Zugleich räumten die Frauen ein, dass der Auftritt in der Moskauer Erlöserkathedrale vom Februar ein «ethischer Fehler» gewesen sei. Sie äusserten Bedauern, falls ihr «Punk-Gebet» gegen Putin die Gefühle von russisch-orthodoxen Gläubigen verletzt habe. Im juristischen Sinne schuldig seien sie und ihre Mitangeklagten aber nicht, erklärte die 22-jährige Nadeschda Tolokonnikowa.

Der Protest habe sich nicht gegen Gläubige gerichtet, sondern gegen den unzulässigen Wahlaufruf des russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill, sagte die 29-jährige Jekaterina Samuzewitsch. Dass dieser vor der Präsidentenwahl am 4. März offen für Putin geworben habe, sei «eine klare Verletzung» des Prinzips der Trennung von Kirche und Staat gewesen.

Rowdytum und «religliöser Hass» vorgeworfen

Die Staatsanwaltschaft hatte den drei Frauen «Rowdytum aus Motiven des religiösen Hasses» vorgeworfen. Die «kriminelle Aktion» sei von langer Hand geplant gewesen. Dass die Frauen mit Strickmasken vermummt gewesen waren, sei ein Beweis ihrer Gefährlichkeit.

Die Aktion mit ihrem wilden Tanz im Altarraum der Kathedrale sei vulgär und erniedrigend für die Christen gewesen, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft vor dem Chamowniki-Gericht weiter. Richterin Marina Syrowa lehnte zudem die Forderung ab, auch Kirill als Zeugen vorzuladen.

Und sie wies die Bitte der Angeklagten und ihrer Verteidigung um mehr Zeit für das Aktenstudium zurück. Zu der etwa einminütigen Protestaktion hatten die Ermittler rund 3000 Seiten Ermittlungsakten zusammengetragen.

Die Musikerinnen sind seit März in Untersuchungshaft, die bis Januar 2013 angesetzt ist. Den jungen Frauen - zwei von ihnen sind Mütter kleiner Kinder - drohen im schlimmsten Fall bis zu sieben Jahre Haft oder Straflager.

Kritiker sprechen von «Schauprozess»

Menschenrechtler und Putin-Gegner kritisierten das Verfahren, das live im Intenet übertragen wurde, als politischen «Schauprozess» zur Einschüchterung der Opposition. Sie wiesen zudem darauf hin, dass das Chamowniki-Gericht berüchtigt sei für seine politischen Prozesse. Am gleichen Ort wurde auch der Putin-Gegner und frühere Öl- Milliardär Michail Chodorkowski zu langjähriger Haft verurteilt.

Vor dem Gerichtsgebäude riefen Unterstützer «Freiheit für Pussy Riot». «Das ist politische Vergeltung und Rache», schimpfte der frühere Vizeregierungschef und Regierungskritiker Boris Nemzow.

Auch die Verteidigung hatte die Anklage als absurd bezeichnet. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte die umgehende Freilassung der drei Frauen.

Regierung weist Kritik zurück

Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew wies die Kritik jedoch zurück. Der Prozess sei zwar für die Angeklagten und ihre Familien eine Qual, sagte er in einem Interview der Londoner Zeitung «Times», das von der russischen Regierung am Montag veröffentlicht wurde. Man müsse aber mit Ruhe den Ausgang des Verfahrens abwarten.

Sein Mentor Putin gewann in diesem Jahr die Präsidentenwahl, nachdem er das Amt bereits zwischen den Jahren 2000 und 2008 innehatte. Platzhalter Medwedew hatte während seiner Amtszeit als Präsident eingeräumt, dass russische Gerichte von Politikern beeinflusst würden und korrupt seien. Der Prozess gegen Pussy Riot gilt als Testfall, wie Putin in seiner neuen Amtszeit mit Kritikern umgeht.

(kle/sda)

Erstellt: 30.07.2012, 19:53 Uhr

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