Todesurteil für Kriegsverbrecher – 40 Tote bei Protesten

Ein Islamistenführer wurde in Bangladesh wegen Mord, Brandstiftung und Vergewaltigungen im Krieg 1971 zum Tode verurteilt. In der Folge kam es zu schweren Strassenkämpfen. Es herrscht höchste Alarmstufe.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach dem Todesurteil gegen einen islamischen Führer ist es in Bangladesh zu schweren Ausschreitungen mit mehr als 40 Toten gekommen. Für Gräueltaten im Unabhängigkeitskrieg 1971 hat ein Sondertribunal in Bangladesh einen Islamistenführer zum Tode verurteilt. Nach dem Richterspruch lieferten sich Islamisten in mehreren Städten schwere Strassenkämpfe mit der Polizei.

Nach Medienberichten starben mindestens 40 Menschen, es gab viele Verletzte. Die Gesamtzahl der Toten ergibt sich aus Opferzählungen der Polizei aus 15 Bezirken, in denen es tödliche Ausschreitungen gab. Von ihnen starben mindestens 23 Menschen durch Schüsse bei Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Polizisten.

Nach Darstellung der Islamisten eröffnete die Polizei das Feuer auf die Demonstranten, wobei zahlreiche Menschen starben. Nach Polizeiangaben töteten Protestierer im Norden des Landes zwei Polizisten. Auch hätten die Demonstranten eine Brücke zwischen Dhaka und der Hafenstadt Chittagong in Brand gesetzt.

Die Regierung rief die höchste Alarmstufe für die Sicherheitskräfte aus, da weitere Proteste erwartet wurden. 10'000 paramilitärische Grenzschützer wurden mobilisiert, um die Einsatzkräfte zu verstärken.

Parteichef zum Tode verurteilt

Das Gericht in der Hauptstadt Dhaka sprach Delawar Hossain Sayedee schuldig, in dem neunmonatigen Unabhängigkeitskrieg gegen Pakistan im Jahr 1971 an Morden, Plünderungen, Brandstiftung, Vergewaltigungen und der Zwangskonvertierung zum Islam beteiligt gewesen zu sein.

Nach Überzeugung des Gerichtes gehörte Sayedee damals einer brutalen pro-pakistanischen Miliz an. Sayedees Anwalt kündigte an, gegen das Urteil vorzugehen. Sein Mandant ist Vizepräsident von Jamaat-e-Islami, der grössten islamistischen Partei Bangladeschs.

Das Kriegsverbrechertribunal hatte bereits im Januar den früheren Jamaat-e-Islami-Chef Abul Kalam Azad wegen Kriegsverbrechen in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Er ist untergetaucht. Anfang Februar erhielt der stellvertretende Generalsekretär der Partei, Abdul Quader Mollah, eine lebenslange Haftstrafe.

Blutiger Unabhängigkeitskrieg

Seit mehr als drei Wochen demonstrieren Zehntausende friedlich in Dhaka und anderen Städten. Sie fordern für die Kriegsverbrecher die Todesstrafe und ein Verbot von Jamaat-e-Islami.

Ihnen stehen die islamistischen Protestierer gegenüber. Sie kritisieren die Verfahren gegen 13 mutmassliche Kriegsverbrecher als «Schauprozesse». Immer wieder kommt es zu tödlichen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Das heutige Bangladesh war nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft 1947 zunächst ein Teil Pakistans. 1971 erkämpfte es sich in einem blutigen Krieg mit indischer Unterstützung die Unabhängigkeit. Nach Schätzungen von Historikern starben zwischen 300'000 und 3 Millionen Menschen. (kle/sda)

Erstellt: 01.03.2013, 07:44 Uhr

Artikel zum Thema

Unter den Textilunternehmern in Bangladesh geht die Angst um

In Dhaka haben erneut Tausende Angestellte der Textilindustrie gegen schlechte Arbeitsbedingungen protestiert. Viele Kleiderfabriken blieben geschlossen, weil sich die Inhaber vor Angriffen fürchten. Mehr...

Die islamistische Wut richtet sich nun gegen Buddhisten

In Bangladesh starteten Tausende Muslime einen zerstörerischen Feldzug: Fünf buddhistische Tempel und zahlreiche Häuser wurden niedergebrannt. Auslöser soll ein Foto auf Facebook sein. Mehr...

Mindestens 20 Tote nach Ausschreitungen in Bangladesh

Ein Brand in einem Industriegebiet in Bangladesh hat Dutzende Menschenleben gefordert. Bis zu 100 Personen wurden verletzt. Ursache war möglicherweise ein Strassenkampf zwischen Arbeitern und der Polizei. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Power und Passion in Ihrer Tasse

Von Venedig bis Palermo ist Kaffee mehr als nur ein Getränk. Er ist eine Kunst. Mit der Kollektion «Ispirazione Italiana» bringt Nespresso ein Stück Italien in Ihr Ritual.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Menschen in «Txatxus»-Kostümen nehmen am traditionellen ländlichen Karneval in Lantz, Nordspanien, teil. (24. Februar 2020)
(Bild: Villar Lopez) Mehr...