USA und China probten den Satellitenkrieg

Sowohl China als auch die USA schossen 2008 von der Erde aus eigene Satelliten ab. Diplomaten zeigten sich besorgt – und warnten vor einem Krieg der Sterne.

USA fürchteten laut dem Medienbericht um ihre Satelliten im Weltall: Eine Rakete mit einem GPS-Satelliten hebt im Mai 2010 in Cape Canaveral ab.

USA fürchteten laut dem Medienbericht um ihre Satelliten im Weltall: Eine Rakete mit einem GPS-Satelliten hebt im Mai 2010 in Cape Canaveral ab.

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In einer gegenseitigen Drohgebärde haben erst China und später die USA eigene Satelliten abgeschossen, wie der britische «Telegraph» mit Verweis auf von Wikileaks publizierte Depeschen von US-Diplomaten in Washington und Peking schreibt. Die USA hätten China ausserdem damit gedroht, auf weitere derartige Aktivitäten mit «diplomatischen oder militärischen Optionen» zu reagieren.

Der Streit entflammte demnach, als China im Januar 2008 einen eigenen Satelliten abschoss, um seine Waffenabwehr zu testen. US-Aussenministerin Condoleezza Rice habe daraufhin scharfe Worte nach Peking gesandt: «Ein Angriff Chinas auf einen Satelliten gefährdet die Anlagen, welche die USA und andere Staaten aus wirtschaftlichen Gründen und aus Gründen der Staatssicherheit im Weltraum einsetzen», schrieben laut dem Medienbericht Rice direkt unterstellte Diplomaten an die chinesische Regierung.

Jegliche Beeinträchtigung der Weltraum-Anlagen betrachte man als «Eskalation eines Konflikts». «Die USA werden sich das Recht vorenthalten, sich mit einer Reihe von Möglichkeiten zu verteidigen, von diplomatischen bis zu militärischen Optionen.» Intern zeigten sich die Diplomaten offenbar besorgt, dass die Aktion die Idee eines «Krieges der Sterne» wiederbeleben könnte, die nach Ronald Reagan auf Eis gelegt worden war.

Peking wirft USA Präsenz in Japan vor

Einen Monat später schossen auch die USA einen eigenen Satelliten ab. Offiziell, weil dieser funktionsuntüchtig gewesen sei – eine Darstellung, an der das Aussenministerium auch heute gegenüber dem «Telegraph» festhält. Inoffiziell handelte es sich allerdings ebenfalls um einen Satellitenabwehr-Test, wie die Depeschen laut dem «Telegraph» zeigten – direkt nach der Aktion sandte die Armeeführung im Pazifik eine entsprechende Bestätigung an die US-Botschaft in China.

Die US-Diplomaten nannten der Heimat auch die angeblichen Gründe, warum China mit einem Satellitenabwehrtest provoziert habe. Peking sei verärgert über den Plan der USA, in Japan Raketenabwehrsysteme zu installieren und werfe den USA ausserdem vor, Langstrecken-Laserwaffen zu entwickeln.

«Weder Verbündete noch Gegner»

Im Juni 2008 trafen sich Diplomaten beider Staaten offenbar zur Aussprache. Die US-Delegation habe ihren Kollegen gesagt, sie würde China «nicht als Feind» betrachten, rapportierten die Diplomaten aus Peking nach Hause. China habe erwidert, es betrachte die beiden Supermächte «weder als Verbündete noch als Gegner».

Doch der Konflikt schwelte offenbar weiter: Im Januar 2010 schickte das Büro von Aussenministerin Hillary Clinton erneut einen Bericht an die Botschaft in Peking: China habe einen weiteren Satellitenabwehrtest durchgeführt. Auch die Regierung Obama sei besorgt über Chinas mögliche Pläne, Weltraum-Waffen zu entwickeln. Sie wolle sich für eine friedliche Nutzung des Weltraums einsetzen.

Erstellt: 03.02.2011, 11:15 Uhr

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