USA setzen in Südkorea 29'000 Soldaten in Bereitschaft

Laut südkoreanischen Medienberichten sind beim Angriff Nordkoreas nicht nur Soldaten, sondern auch zwei Zivilisten getötet worden. In Seoul verbrannten wütende Demonstranten die nordkoreanische Flagge.

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Nach dem Artilleriegefecht im Gelben Meer zwischen Nord- und Südkorea wollen die USA den Konflikt offenbar nicht weiter anheizen und verlegen vorerst keine weiteren Truppen in die Region. Präsident Barack Obama zeigte sich empört über den nordkoreanischen Angriff auf eine südkoreanische Insel und verurteilte ihn als weitere Provokation. Washington sicherte Seoul vollen Rückhalt zu.

«Südkorea ist unser Bündnispartner seit dem Korea-Krieg», erklärte Obama am Dienstag in einem Interview des US-Fernsehsenders ABC und unterstrich, der Verteidigung des Bündnispartners verpflichtet zu sein. Die USA stünden mit Südkorea «Schulter an Schulter». Über einen möglichen militärischen Gegenschlag wollte er aber nicht spekulieren. Die USA haben mehr als 29'000 Soldaten in Südkorea stationiert.

Pyongyang beschoss am Dienstag die südkoreanische Insel Yeonpyeong mit Artillerie und drohte mit weiteren Angriffen. Die südkoreanischen Streitkräfte erwiderten das Feuer. Die Regierung in Seoul kündigte bei einem neuerlichen Angriff einen «enormen Gegenschlag» an. Nach südkoreanischen Militärangaben wurden zwei Soldaten und zwei Zivilisten getötet. 15 Militärangehörige und drei Zivilisten wurden zum Teil schwer verletzt.

Obama sagt Lee Unterstützung zu

Obama telefonierte mit seinem südkoreanischen Kollegen, Lee Myung Bak, und erklärte, die USA würden mit der internationalen Gemeinschaft in der Verurteilung des Angriffs zusammenarbeiten. Nordkorea müsse seine Provokationen beenden, die nur zu einer weiteren Isolation des Landes führe. Pyongyang müsse das Waffenstillstandsabkommen von 1953 einhalten und seinen Verpflichtungen gemäss dem internationalen Gesetz nachkommen. Eine geplante gemeinsame Militärübung südkoreanischer und amerikanischer Truppen in den Gewässern westlich der Halbinsel vom 28. November bis 1. Dezember soll ungeachtet der jüngsten Konfrontation stattfinden.

Das US-Aussenministerium hatte angekündigt, die Vereinigten Staaten würden sich wegen des Zwischenfalls mit China, Russland und Japan in Verbindung setzen, die an den Gesprächen über das nordkoreanische Atomprogramm beteiligt sind. Nordkorea hatte vor wenigen Tagen einem amerikanischen Atomexperten zufolge die Fertigstellung einer neuen Anlage zur Urananreicherung verkündet und neue bilaterale Gespräche mit den USA verlangt. Das Land steht vor einem dynastischen Führungswechsel. Der bevorstehende Winter dürfte Lebensmittel- und Stromknappheit bringen.

USA verfügen über wenig Druckmittel gegenüber Pyongyang

Nordkorea hat in der Vergangenheit wiederholt mit atomarer Abschreckung gedroht und verfügt über ein riesiges stehendes Heer. Die USA haben kaum Druckmittel gegenüber Pyongyang, da Nordkorea sowohl auf finanzieller als auch auf diplomatischer Ebene international weitgehend isoliert ist. Eine Hebelwirkung über Sanktionen wie beispielsweise gegenüber dem Iran gibt es daher nicht.

Die Regierung in Pyongyang liess sich auch von seinem engsten Verbündeten China nicht beeinflussen, der die internationale Besorgnis über die jüngste Eskalation zu teilen scheint und zu Besonnenheit aufrief. Beide Seiten müssten mehr zum Frieden und zur Stabilität auf der Halbinsel beitragen, forderte ein Sprecher des Aussenministeriums in Peking.

Das Gefecht am Dienstag begann südkoreanischen Angaben zufolge, nachdem die Truppen trotz einer Warnung des Nordens ein Manöver in der Region fortgesetzt hatten. Pyongyang habe daraufhin die Insel Yeonpyeong beschossen, Südkorea reagierte mit der Entsendung von Kampfflugzeugen.

Bewohner von Seoul zünden nordkoreanische Flagge an

Aus Protest gegen Nordkoreas Artillerie-Angriff auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong haben Dutzende Demonstranten in Seoul nordkoreanische Flaggen verbrannt. Vor dem südkoreanischen Verteidigungsministerium riefen am Mittwoch etwa 110 Demonstranten mit «Rache»-Rufen zur Vergeltung gegen den kommunistischen Norden auf. Sie steckten nordkoreanische Flaggen sowie Porträts von Nordkoreas Staatschef Kim Jong-il und dessen Sohn und designiertem Nachfolger Kim Jong Un in Brand.

Etwa 40 weitere Demonstranten versammelten sich in der Nähe der US-Botschaft in Seoul, um nordkoreanische Flaggen zu verbrennen. Die Polizei versuchte, die Aktion zu verhindern. «Warum stoppt ihr uns? Es ist die Flagge unseres Feindes, die wir verbrennen», rief einer der Demonstranten. Die Gruppe hielt ausserdem Spruchbänder mit Aufschriften wie «Rache für die nordkoreanische Provokation» oder «Rache für die Yeonpyeong-Insel» sowie verunstaltete Porträts von Kim Jong-il und Kim Jong Un in die Höhe.

Die Demonstranten riefen China auf, wie die anderen grossen Mächte in der Welt Nordkoreas Angriff vom Dienstag eindeutig zu verurteilen. «China sollte aufhören, Nordkorea zu beschützen und sich der internationalen Gemeinschaft anschliessen», sagte Anführer Park Chan Sung. Die südkoreanische Regierung müsse «starke Rache an Nordkorea für ihre Provokation gegen uns nehmen». (miw/AFP)

Erstellt: 24.11.2010, 06:29 Uhr

Rückhalt aus den USA: Obama verspricht Südkorea militärische Hilfe. (Video: Reuters )

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