Umarmen und umgarnen

China will das Gewicht des asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraums erhöhen. Staatschef Xi sendet deshalb Signale der Entspannung an die Nachbarländer.

Das Ende der Eiszeit? Japans Premier Shinzo Abe (links) und Chinas Präsident Xi Jinping. Foto: Kim Kyung-hoon (Reuters)

Das Ende der Eiszeit? Japans Premier Shinzo Abe (links) und Chinas Präsident Xi Jinping. Foto: Kim Kyung-hoon (Reuters)

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Träumen ist schön, gemeinsam träumen noch schöner. Und so hüllte Chinas Präsident Xi Jinping seine Gäste denn auch mit wolkiger Rhetorik ein. Am Montag empfing er in Peking die Staats- und Regierungschefs der Nachbarländer zum zweitägigen Apec-Gipfel. Und dafür hat Xi den quasi zum Staatsprogramm erhobenen «chinesischen Traum» noch etwas ausgeweitet. Er hat ihn verwandelt in eine noch grössere Wohlstandsvision für den gesamten Raum. Er nennt das nun den «asiatischen-pazifischen Traum», den alle mitträumen dürfen, die eingeladen sind.

China will dafür der Motor sein, es will mit seiner Kraft die Nachbarn mitziehen auf seinem Weg in eine Zukunft, in der es mehr Kooperation und mehr Chancen für alle geben soll, wie Xi zum Auftakt des Gipfels verkündete. Auch nüchtern und mit etwas weniger Pathos sieht alles danach aus, dass der asiatisch-pazifische Wirtschaftsraum sein Gewicht weiter erhöht. Schon jetzt leben in der Apec-Zone mit ihren 21 Mitgliedern 40 Prozent der Weltbevölkerung, knapp die Hälfte des globalen Wirtschaftsaufkommens entfällt auf die Region.

Eine neue Seidenstrasse

China möchte nun, dass möglichst viele neue Initiativen in Peking zusammenlaufen, es will den Freihandel ausweiten, es hat sich für den Aufbau der neuen Asian Infrastructure Investment Bank stark gemacht, die manche als Konkurrenzunternehmen zur Weltbank sehen. Und China forciert den Plan einer neuen Seidenstrasse, die auf unterschiedlichen Routen zu Land und zur See westwärts verlaufen und durch einen 40-Milliarden-Dollar-Fonds unterfüttert werden soll. Das Reich der Mitte reklamiert seinen Platz. In diesen Tagen tut es dies vor allem mit dem Lockruf wirtschaftlichen Wachstums.

Umarmen und umgarnen – so versucht China, seine Nachbarn an sich zu binden. Und auch wieder ein wenig zu beruhigen. Denn auch in Peking weiss man, dass Chinas Auftritte in der Region zuletzt zu vielen Irritationen unter den Nachbarn führten, dass es nützlich sein wird, jetzt wieder ein paar Wogen zu glätten, nach all den Konfrontationen auf dem Meer. Da war es günstig für Xi, dass er schon gleich zu Anfang ein viel beachtetes Signal der Entspannung setzen konnte: Er empfing den japanischen Premier Shinzo Abe zu einem halbstündigen Gespräch in der grossen Halle des Volkes in Peking. Beide Länder erheben Anspruch auf einige Inseln, die in Japan Senkaku heissen und die China Diaoyu nennt. Der Streit hat die Beziehungen abgekühlt und Analysten glauben, dass weit mehr erforderlich sei als dieses viel beachtete, aber kurze Gipfelgespräch, um das Eis wieder zu brechen. Ein Anfang aber ist gemacht, und das dürfte auch den Nachbarn im Süden signalisieren, dass Peking nicht nur auf Muskelkraft setzt, sondern auch der Diplomatie eine Chance gibt.

In Südostasien ist die Verunsicherung zuletzt stark gewachsen, nicht nur wegen der Konfrontation mit Japan, sondern wegen mehrerer rabiater Vorstösse auf See. Auch im Streit mit den Philippinen zeigte China immer wieder militärische Stärke.

Die südlichen Nachbarn erkennen, dass China beim Einsatz seiner aussenpolitischen Mittel oftmals hin- und herpendelt. Und sie erkennen darin Methode. Mal lockt Peking mit Geschäften und Investitionen und gibt den sanften fürsorglichen Nachbarn. Dann wieder packen sie die Keule aus, damit die Kleineren schnell kuschen, zum Beispiel, wenn sie maritimen Ansprüchen ent­gegentreten, die Peking als historisch begründet bezeichnet.

Differenzen heruntergespielt

Mit dieser Doppelstrategie schaukelt sich China förmlich in seine neue Rolle hinein, es nimmt begrenzte Konfron­tationen in der Region durchaus in Kauf, um Exempel zu setzen und so seine Vormachtstellung zu festigen. «Aber China achtet bislang auch sehr darauf, diesen Schaden in Grenzen zu halten», wie das ein asiatischer Diplomat aus der Nachbarschaft unlängst beurteilte.

Unter dem Banner des Freihandels will Peking die Nachbarn enger zusammenführen. Win-win heisst die Devise, China propagiert mehr Gewinn für alle. Und die favorisierte Zauberformel dafür heisst: FTAAP (Free Trade Area for Asia-Pacific). Allerdings hat es China mit diesem Vorstoss nicht so leicht, weil die USA, das andere Schwergewicht in der Apec, bereits ein anderes Freihandelsprogramm namens TPP (Trans-Pacific-Partnership) zum baldigen Abschluss führen will. TTP schliesst Peking nicht mit ein. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua versuchte, diese handelsstrategischen Differenzen herunterzuspielen, Berichte über Rivalitäten entbehrten jeder Grundlage, hiess es in einem Kommentar am Wochenende.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2014, 20:41 Uhr

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