Urinierten US-Soldaten auf tote Afghanen?

Das US-Militär hat einen neuen Skandal: Ein Video zeigt US-Soldaten, die angeblich auf leblose Taliban-Kämpfer urinieren.

Drastische Aufnahmen: US-Marines wollen Vorwurf der Leichenschändung nachgehen.
Video: Reuters

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Ein Video mit offenbar die Leichen von getöteten Taliban-Kämpfern schändenden US-Soldaten hat weltweit für Empörung gesorgt. Der im Online-Portal Youtube eingestellte Film soll vier Marineinfanteristen zeigen, die auf die Leichen von Taliban urinieren. Der afghanische Präsident Hamid Karzai sprach von einem «völlig unmenschlichen» Akt. Er forderte das US-Militär auf, die beteiligten Soldaten zu bestrafen. Auch die internationalen Truppen in Afghanistan und die US-Streitkräfte distanzierten sich in deutlichen Worten.

«Dieser respektlose Akt ist unerklärlich und nicht vereinbar mit den hohen moralischen Standards, die wir von den Koalitionsstreitkräften erwarten», erklärte die Isaf. Verantwortlich für die Tat sei offenbar eine kleine Gruppe von Soldaten, die nicht länger in Afghanistan sei, hiess es weiter.

Verstörendes Video

Es war nicht klar, wer das Video drehte und ins Netz stellte. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums nannte das Video verstörend. Das Marineinfanteriekorps kündigte an, die Angelegenheit werde vollständig aufgeklärt. Ein Sprecher, Oberstleutnant Stewart Upton, erklärte, der Vorwurf sei sehr schwerwiegend. Wenn er bewiesen werden sollte, sei er ein Verstoss gegen die hohen Standards, die von US-Soldaten erwartet würden.

Das US-Marineinfanteriekorps verwies in einer Erklärung am Mittwoch zunächst noch darauf, dass die Echtheit des Videos noch nicht bewiesen sei. Die dort gezeigten Handlungen seien jedoch nicht vereinbar mit den Werten der Truppe, hiess es weiter. Aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete, der Fall werde der Strafverfolgungsbehörde der Marine (NCIS) übergeben, die auch für die Marineinfanterie zuständig ist.

Der Rat für Islamisch-Amerikanische Beziehungen, eine muslimische Bürgerrechtsorganisation, verurteilte die Aufnahmen und sprach von einem Verstoss gegen das internationale Kriegsrecht. Sollte sich das Video als echt herausstellen, zeige es ein Verhalten, das völlig unziemlich für US-Militärangehörige sei «und das letztlich andere Soldaten und Zivilpersonen gefährden könnte», heisst es in einem Schreiben des Rats an Verteidigungsminister Leon Panetta. (rub/sda/dapd)

Erstellt: 12.01.2012, 06:27 Uhr

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