Vier deutsche Soldaten bei Angriff in Afghanistan getötet

Zwei Wochen nach dem tödlichen Angriff auf die Bundeswehr in Kundus sind erneut deutsche Soldaten im Norden Afghanistans getötet worden.

Haben vier Kameraden verloren: Deutsche Soldaten in Afghanistan.

Haben vier Kameraden verloren: Deutsche Soldaten in Afghanistan. Bild: Keystone

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Beim zweiten schweren Angriff auf die Bundeswehr innerhalb weniger Tage sind in Afghanistan vier deutsche Soldaten getötet worden. Ihr gepanzertes Fahrzeug geriet am Donnerstag im Norden des Landes auf einer Patrouille unter Beschuss der Taliban.

Nach Angaben der Bundeswehr wurden fünf weitere Soldaten verletzt, als die deutschen Kräfte der Internationalen Schutztruppe ISAF im Raum Baghlan etwa hundert Kilometer südlich von Kundus mit einer Rakete beschossen wurden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach den Angehörigen ihr Beileid aus und sagte: «Die Soldaten sind in einem schwierigen Einsatz gefallen.» Es gebe aber keine Alternative zu der Mission. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg brach seine Rückreise von einem Truppenbesuch ab und kehrte nach Afghanistan zurück.

Erst am Karfreitag - vor nicht einmal zwei Wochen - waren drei deutsche Soldaten bei einem Gefecht mit Taliban in der Provinz Kundus getötet und acht verletzt worden. Seit Beginn des Einsatzes in dem Land am Hindukusch 2002 sind damit 43 deutsche Soldaten ums Leben gekommen, 26 von ihnen bei Anschlägen oder Gefechten.

Schwere Waffen für Bundeswehr

Guttenberg hatte am Mittwoch und Donnerstag die deutschen Soldaten in Masar-i-Scharif und Kundus besucht. Dort kündigte er angesichts der ansteigenden Gewalt die Verlegung schwerer Waffen nach Afghanistan an, darunter Panzerhaubitzen und Marder- Schützenpanzer.

In der ARD hob Guttenberg hervor, dass eine bessere Ausrüstung den Tod der drei Bundeswehrsoldaten am Karfreitag bei Gefechten mit den Taliban nicht hätte verhindern können.

Patrouille mit belgischen Soldaten

Nach Informationen von «Spiegel Online» patrouillierten die am Donnerstag getöteten Deutschen zusammen mit belgischen und afghanischen Soldaten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa war die Patrouille in einem gepanzerten Fahrzeug des Typs «Eagle IV» des Schweizer Rüstungsherstellers Mowag unterwegs.

Von diesen sogenannten geschützten Fahrzeugen will das Verteidigungsministerium weitere 60 Stück bestellen, wie Mowag am Donnerstag bestätigte. Diese sollen bis Anfang 2011 nach Afghanistan geliefert werden und weniger geeignete gepanzerte Fahrzeuge älteren Jahrgangs ersetzen.

(jak/sda)

Erstellt: 15.04.2010, 15:22 Uhr

Offizier bemängelt Bundeswehr-Ausrüstung

Der ehemalige Chef des Planungsstabes im Verteidigungsministerium, Ulrich Weisser, hat die Ausrüstung der deutschen Soldaten in Afghanistan bemängelt. Die Politik habe «es ängstlich vermieden, die Truppe mit den notwendigen Aufklärungsfähigkeiten sowie mit Feuer- und Luftunterstützung auszustatten», kritisierte der Admiral a.D. in der CSU-Wochenzeitung «Bayernkurier». «Soldaten im Krieg müssen so ausgebildet und ausgerüstet sein, dass sie erfolgreich kämpfen können. Dieser Imperativ muss die Politik bestimmen, die Soldaten in den Einsatz schickt», forderte Weisser. Die Politik behaupte, die Bundeswehr bekomme, was sie brauche. «Aber eine Kürzung des Verteidigungshaushaltes um mehr als 500 Millionen Euro passt nicht dazu.»

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