Was machen chinesische Einheiten in Afghanistan?

Trotz Dementi aus Peking gibt es klare Hinweise auf militärische Einsätze der Chinesen in Afghanistan. Dafür hat China mehrere Gründe.

Anhaltend prekäre Sicherheitslage: Die internationalen Truppen haben sich fast vollständig aus Afghanistan zurückgezogen. Bild: AFP

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Afghanistan ist ein Land, das nicht zur Ruhe kommt. Die Regierung kämpft seit Jahren gegen Aufständische. Die Taliban sind vor allem im Süden und Osten des Landes sehr aktiv. Auch der IS und andere radikalislamische Terrorgruppen verbreiten Schrecken und Tod. In grossen Teilen Afghanistans ist die Sicherheitslage sehr schlecht. Dazu beigetragen hat auch der fast vollständige Abzug der amerikanischen Truppen.

Mit dem Rückzug der Amerikaner müssen sich die Chinesen im Krisenland am Hindukusch stärker engagieren. Die Sorge in Peking ist gross, dass Instabilität und Radikalisierung in Afghanistan auf den ohnehin unruhigen Westen Chinas ausstrahlen könnten. China und Afghanistan verbindet eine gemeinsame Grenze von 76 Kilometern. Schwerpunkte der bilateralen Beziehungen sind Wirtschaft und Sicherheit.

Anti-Terror-Operationen im Grenzgebiet

Die Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik hat inzwischen dazu geführt, dass sich die Chinesen im afghanischen Anti-Terror-Kampf engagieren. Gemäss einem aktuellen Report des Thinktanks «Central Asia-Caucasus Analyst» gibt es eine klare Evidenz, dass chinesische Truppen im nordöstlichen Zipfel Afghanistans patrouillieren. Und eine indische Nachrichtenwebsite veröffentlichte Fotos von chinesischen Militärfahrzeugen – Dongfeng EQ 2050 und Norinco VP 11 – in der Little-Pamir-Region.

Peking lässt verlauten, dass keine chinesischen Militärs in Afghanistan im Einsatz seien. Denn das würde der offiziell zurückhaltenden Aussenpolitik widersprechen. Man unterstützte aber lokale Sicherheitskräfte, erklärt Chinas Regierung. Die Rede ist von gemeinsamen polizeilichen Anti-Terror-Operationen im Grenzgebiet. Gemäss Experten ist es gerade in einem Land wie Afghanistan praktisch nicht möglich, einen Unterschied zwischen militärischen und polizeilichen Operationen zu machen.

Chinesen im Einsatz in Afghanistan: Chinesisches Militärfahrzeug in der Little-Pamir-Region.

Für China gibt es mehrere Gründe, sich stärker in Afghanistan zu engagieren. Es geht um die Geschäftsinteressen und die Sicherheit von chinesischen Unternehmen, aber vor allem auch darum, das Übergreifen des Islamismus auf China zu verhindern, wie der Asien-Experte Andrew Small der «Financial Times» sagte. So soll die Islamische Partei Turkistan ihr Hauptquartier auf afghanischem Territorium in der Nähe der chinesischen Grenze haben. Die radikalislamische, separatistische Organisation ist nach Einschätzung der Chinesen für Terroranschläge verantwortlich.

Den Chinesen wurde lange Zeit vorgehalten, dass sie vom sicherheitspolitischen Engagement der Amerikaner in Afghanistan profitieren würden. Mit dem Rückzug der Amerikaner, die noch 8400 Soldaten vor Ort haben, müssen die Chinesen mehr Verantwortung übernehmen für die Sicherheit in eigenen Grenzgebiet zu Afghanistan. (vin)

Erstellt: 28.02.2017, 18:12 Uhr

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