Wenn die USA gegen Pyongyang zuschlagen, dann jetzt

Die US-Marine fährt vor der Küste Nordkoreas eine Drohkulisse auf. Wie ernst ist es der Regierung Trump?

Die Invasion Nordkoreas wurde bereits geübt: Kampfjets auf dem Flugzeugträger USS Carl Vinson. Foto: Bullit Marquez (Keystone)

Die Invasion Nordkoreas wurde bereits geübt: Kampfjets auf dem Flugzeugträger USS Carl Vinson. Foto: Bullit Marquez (Keystone)

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Das Pentagon hat den US-Flugzeugträger Carl Vinson mit seiner Begleitflotte von Singapur nach Korea geschickt, statt wie geplant für einen Besuch nach Australien. Das ist eine Drohgebärde, ähnlich den Vorbeiflügen von B-52-Bombern, die Barack Obama nach dem Atomtest Nordkoreas voriges Jahr angeordnet hatte. Die Carl Vinson war bereits im März im Rahmen der jährlichen gemeinsamen Frühjahrsmanöver mit den USA in Südkorea. Mit weniger Publizität, dafür mit mehr militärischer Relevanz. Es wurde auch eine Invasion Nordkoreas geübt. Präsident Trumps Raketenschlag gegen Syrien war auch ein Signal an Kim Jong-un. Mit der Drohgebärde, die Carl Vinson in Marsch zu setzen, könnten die USA den jungen Diktator nervös machen.

Für Kim bedrohlicher ist, dass an den Manövern erstmals auch das Seal Team 6 teilnahm, jene Einheit der Marines, die im Mai 2011 Osama Bin Laden tötete. Sie übte, heimlich nach Nordkorea einzudringen, militärische Schlüsselanlagen zu zerstören, die Atomwaffen zu sichern und Kim zu eliminieren. Das dürfte Kim Jong-un noch nervöser machen.

Video – US-Flugzeugträger auf dem Weg zur koreanischen Halbinsel

US-Aussenminister Rex Tillerson sagte am Sonntag, Washington habe nicht die Absicht, das Regime in Pyongyang zu stürzen. Es gehe nur um die Denuklearisierung. Allerdings hat Washington seinen Drohungen bisher kein Verhandlungsangebot folgen lassen. Der ehemalige US-Verteidigungsminister William Perry, der mit Nordkorea verhandelte, glaubt, Kims Atomprogramm sei zu weit fortgeschritten, als dass man es wegverhandeln könnte. Doch Präsident Obama hatte dies zur Vorbedingung für Gespräche erklärt. Perry meint, mehr als ein Moratorium sei in einer ersten Phase nicht möglich. «Wir müssen mit Nordkorea umgehen, wie es ist, nicht, wie wir es uns wünschen», so Perry.

Bedeutsame Wahlen in Südkorea

Die neue, aggressivere Strategie der USA trägt nicht nur Trumps Handschrift. Sie stützt sich angeblich auf Thae Yong-ho, bis vorigen Sommer Nordkoreas Vizebotschafter in London. Thae behauptet, Kim wäre bereit, Atomwaffen gegen die USA einzusetzen, falls er sich wirklich bedroht fühle. Deshalb müsse man sie eliminieren.

Nordkoreas Propaganda hat bisher weitgehend auf Verbalattacken gegen Trump verzichtet. Das ist ungewöhnlich und wird als Zeichen gedeutet, dass das Regime offen für Verhandlungen sei. Allerdings ohne die Vorbedingung einer nuklearen Abrüstung. Den Raketenschlag gegen Syrien bezeichnete Pyongyang als «absolut unverzeihlich». Für seine Propaganda sind das sehr sanfte Worte. Gewisse Kreise sähen den Schlag als «Warnung für uns», so Pyongyang weiter, «aber wir haben keine Angst».

Südkoreas Wiedervereinigungsminister Hong Yong-pyo wandte sich am Montag explizit gegen einen amerikanischen Militärschlag gegen Nordkorea, da Pyongyang zur Vergeltung Seoul mit seiner Artillerie schwer beschädigen würde. Am 9. Mai wählt Südkorea einen neuen Präsidenten. Wer auch immer gewinnt: Die nächste Regierung wird sich noch deutlicher gegen Gewalt äussern und das Gespräch mit Kim Jong-un suchen. Das weiss man auch in Washington. Sollte Trump zuschlagen wollen, dürfte er das vor den Wahlen in Südkorea tun.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.04.2017, 21:05 Uhr

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