Wie die Japaner Strom sparen

Seit der Katastrophe in Fukushima haben viele Japaner den heimischen Stromverbrauch gedrosselt. 40 Prozent der Tepco-Kunden leben mit nur 30-Ampere-Sicherungskästen. Einige verzichten gar auf die Waschmaschine.

Seit dem 11. März 2011 ist Stromsparen in Japan Pflicht: Eine Rolltreppe in einer U-Bahn-Station in Tokio wurde abgestellt, um Energie zu sparen.

Seit dem 11. März 2011 ist Stromsparen in Japan Pflicht: Eine Rolltreppe in einer U-Bahn-Station in Tokio wurde abgestellt, um Energie zu sparen. Bild: Reuters

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Die AKW-Katastrophe in Fukushima hat viele Japaner dazu gebracht, ihren Stromverbrauch zu überdenken. Im Jahr 2011 haben 50 Prozent mehr Haushalte die Kapazität ihrer Verteilerkästen heruntergeschraubt als im Jahr zuvor. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, besitzen über 40 Prozent der typischen Kunden des grössten Energieversorgers des Landes Tokyo Electric Power Co. (Tepco) mittlerweile 30-Ampere-Sicherungskästen.

Vergleicht man diese Zahlen mit anderen Ländern, wird klar, wie ambitioniert dies ist. In den USA sind Sicherungen mit 100 Ampere in neuen Häusern Standard und Haushalte mit bis zu 200 Ampere keine Seltenheit. In Deutschland wird beim Bau eines Dreifamilienhauses auf 63 Ampere gesetzt.

Stromsparen wurde Pflicht

Die Japaner pflegten bereits vor der Umweltkatastrophe einen kostenbewussten Umgang mit Energie. In den letzten 40 Jahren steigerten sie ihre Energieeffizienz um 37 Prozent. Doch nach dem 11. März 2011 war Stromsparen Pflicht. Viele Atomreaktoren wurden abgeschaltet. Elektrizität wurde knapp, Stromausfälle gehörten zum Alltag.

Seither solidarisieren sich immer mehr Japaner mit der Bewegung Ampere Down, deren Mitglieder sich zum Ziel gemacht haben, mit einem Minimum oder sogar ganz ohne Strom auszukommen. Gegründet wurde die Organisation im Jahr 2007 von einem kanadischen Englischlehrer und Aktivisten für erneuerbare Energien namens Peter Howlett.

Gasherd und Heizung durch Holzofen ersetzt

Mit seiner fünfköpfigen Familie lebt Howlett auf der japanischen Insel Hokkaido. Sein Sicherungskasten im Keller ist für 20 Ampere ausgestattet. Als er die Stromstärke das erste Mal heruntergeschraubt habe, seien ihnen jeden Tag die Sicherungen rausgeflogen, erzählt er gegenüber dem «Wall Street Journal». Doch nach einigen Monaten hätten sich die Familienmitglieder jeweils vorgewarnt, wenn sie stromhungrige Geräte wie einen Staubsauger oder einen Föhn benutzt hätten.

Die Familie Arakidas, die etwa 150 Kilometer westlich von Tokio lebt, hat die Kapazität ihres Sicherungskastens mittlerweile sogar auf 10 Ampere heruntergeschraubt. Um trotzdem zurechtzukommen, schrubbt die Frau im Haus die schmutzige Wäsche auf dem Waschbrett und bereitet die Mahlzeiten auf einem Kohlegrill zu. Ihr Mann hat die elektrische Heizung und den Gasherd durch einen alten Holzofen ersetzt. Und nachts verzichtet die Familie ganz auf Strom.

Leben wie vor 40 Jahren

Die Umstellung auf einen geringeren Stromverbrauch ist anfangs schwierig. Deshalb verbreiten Angehörige von Ampere Down im Internet Tipps, wie sich dies am besten bewerkstelligen lässt. Die Devise ist klar: Besen (0 Ampere) anstatt Staubsauger (10 Ampere) und Ventilator (1 Ampere) anstatt Klimaanlage (10 Ampere).

Die Beispiele zeigen: Das Hauptproblem des grossen Energieverbrauchs liegt bei den modernen Geräten. «Wenn man zum Lebensstil von vor 40 Jahren zurückkehrt, kommt man auch mit 15 Ampere aus», sagt Hiroshi Kato, der in der Präfektur Fukui die Ampere-Down-Gruppe leitet. (wid)

Erstellt: 22.10.2012, 21:04 Uhr

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