Wie Ginseng Nordkorea auf die Beine hilft

Pyongyang hat internationale Schulden in Milliardenhöhe, die Staatskasse ist leer. Nun hat sich das totalitäre Regime etwas Ungewöhnliches einfallen lassen.

Der Ausweg aus der Misere? Die Ginseng-Wurzel.

Der Ausweg aus der Misere? Die Ginseng-Wurzel. Bild: Keystone

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Nordkorea ist seit Jahren knapp bei Kasse. Um seine Schuldenbei der Tschechischen Republik begleichen zu können, hat Nordkorea angeboten, sie mit einer Grossladung Ginseng zu begleichen. Tschechische Behörden haben laut der «Financial Times» Pyongyangs ungewöhnliche Offerte bestätigt.

Die Regierung von Nordkorea habe der Prager Regierung angeboten, fünf Prozent der insgesamt zehn Millionen Dollar Schulden in Form von Ginseng-Wurzeln zu begleichen. Das koreanische Wurzelgewächs gilt als medizinisches Allheilmittel und erfreut sich nicht nur in Ostasien grosser Beliebtheit. Es soll gut für das Gedächtnis und die Libido sein.

Laut der koreanischen Zeitung «Korea Times» soll eine nordkoreanische Delegation bereits eine Ginseng-Probe nach Tschechien gebracht haben. Ob die Prager Regierung auf das Angebot eingehen wird, lässt die Pressesprecherin des Finanzministeriums noch offen. Abgeneigt scheint man dem Tauschhandel nicht zu sein.

Lieber Zink als Ginseng

«Wir haben selbst schon versucht, Pyongyang davon zu überzeugen, uns Zink zu liefern, das in Nordkorea abgebaut wird», sagt Tomas Zidek, stellvertretender Finanzminister, gegenüber der tschechischen Tageszeitung «Mlada fronta Dnes». Die Zeitung schätzt, dass fünf Prozent der nordkoreanischen Schulden rund 12 bis 20 Tonnen Ginseng entspräche, abhängig vom aktuellen Marktpreis der Wurzel. Dies würde den tschechischen Jahreskonsum von 1,4 Tonnen Ginseng bei weitem übertreffen.

Die Schulden bei der Tschechischen Republik datieren noch aus der Zeit des Kalten Kriegs. Noch heute ist Nordkorea der zehntgrösste Schuldner des Landes. Bis 1989 war Pyongyang ein wichtiger Abnehmer von Maschinen, Lastwagen und Trams aus der damaligen Tschechoslowakei.

Schulden in Milliardenhöhe

Durch die internationalen Sanktionen, die im Zug des Atomprogramms und des Untergangs des südkoreanischen Kriegsschiffes Cheonan noch verstärkt wurden, geht Nordkorea zunehmend das Geld aus. Bereits heute belaufen sich die internationalen Schulden des abgeschotteten Landes auf rund 12 Milliarden Dollar. Zwei Drittel der Gläubiger sind ehemalige sozialistische Bruderstaaten.

Mit dem Export von Lebensmitteln wie Ginseng, Pilzen oder Schalentieren versucht das nordkoreanische Militär, an harte Währung zu kommen. Laut «Financial Times» ist der Schmuggel von Waffen allerdings weiterhin der grösste Devisenbringer für Nordkorea. Nach israelischen Angaben beliefert das kommunistische Land dem Iran, Libanon, Syrien regelmässig Langstreckenwaffen.

Erstellt: 10.08.2010, 16:03 Uhr

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