«Aber ihr könnt die Nummer zwei sein, okay, Shinzo?»

US-Präsident Trump wird in Japan mit Lob überhäuft. Trocken erwidert er, dass das Land wirtschaftlich die Nummer zwei bleiben dürfe.

Die Staatsmänner hatten keine Geduld mit den Koi-Karpfen im Teich. (Video: Tamedia/AFP/Reuters)

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Weisse Baseball-Kappen, auf denen in goldenen Lettern «Donald & Shinzo» steht; eine Runde Golf mit dem japanischen Premier Shinzo Abe und Hideki Matsuyama, der Nummer vier der Weltrangliste, und am Abend Steak auf der Ginza, Tokios teuerster Meile.

US-Präsident Donald Trump durfte sich auf der ersten Station seiner zwölftägigen Asienreise verwöhnt fühlen. Er wurde mit Lob und endlosen Schmeicheleien überhäuft. Japan stimme Trump in allem komplett zu, so Premier Abe, auch darin, «dass in der Nordkorea-Frage alle Optionen auf dem Tisch sind». Trump droht dem Regime in Pyongyang mit Krieg, die Geduld sei aufgebraucht.

In fast allem einer Meinung: Trump und Abe. (Foto: Jonathan Ernst/Reuters)

Trump fand in Japan alles «unglaublich», «wundervoll» oder «grossartig». Noch nie in der Geschichte hätten sich zwei Staatsoberhäupter so gut verstanden wie Abe und er, sagt er. Und schränkte dann ein: «Nie in der Geschichte unserer beiden Länder.» Japan sei ein Land mit «unglaublicher Geschichte», die Japaner hätten eine der stärksten Volkswirtschaften. «Nicht so gut wie unsere, glaube ich, und wir wollen, dass das so bleibt, okay, Shinzo? Aber ihr könnt die Nummer zwei sein.»

Obwohl Umfragen zufolge weniger als ein Viertel der Japaner Trump trauen, wurden bei seiner Ankunft auf dem US-Militärstützpunkt Yokota Plakate hochgehalten: «Japan Loves Trump». Seinem Vorgänger Barack Obama vertrauten fast 80 Prozent der Japaner.

Bilder: Trump auf Asienreise

Für Abe begann das Verwöhnen der Trump-Familie schon am Donnerstag. Der Premier hatte Trumps Tochter Ivanka zur «Weltversammlung der Frauen» nach Tokio eingeladen und empfangen wie einen Staatsgast. Dafür pries Ivanka die Abenomics, Abes stotterndes Wirtschaftsprogramm. Und besonders Womenomics, womit Abe eine bessere Einbindung der Frauen in die Wirtschaft meint.

Allerdings ist Japan trotz Abe im jährlich erhobenen Gleichstellungs-Index des World Economic Forums 2017 von Platz 102 auf Platz 114 abgerutscht - hinter Indien, Liberia und zahlreiche islamische Länder. Dennoch feierte Ivanka Abe. Und Abe Ivanka. Der Saal war allerdings halb leer.

Japan hätte zwei nordkoreanische Raketen abschiessen sollen, findet Trump

Auf dem Flug nach Tokio hatte Trump Japan kritisiert, es hätte die zwei Raketen abschiessen sollen, die Nordkorea im September über Hokkaido in den Pazifik feuerte. Pyongyang verstiess damit gegen UN-Resolutionen, andererseits wäre der Abschuss einer Rakete in 700 Kilometer Höhe völkerrechtswidrig. Und die Peinlichkeit, wenn der Abschuss misslungen wäre, wäre gross.

«Die nächste Rakete wird Abe locker abschiessen», beantwortete Trump eine eigentlich an den Japaner gerichtete Frage. «Er kauft dafür grosse Mengen Militärmaterial bei uns. Das soll er auch, wir bauen die beste Rüstung. Für uns sind das Jobs und für Japan ist es Sicherheit.» Die Rüstungskäufe sollen die ungleiche Handelsbilanz verbessern, über die Trump sich aufregte. Abe hat das Thema freilich geschickt an Vize-Präsident Mike Pence und seinen Stellvertreter, Finanzminister Taro Aso, delegiert. Die beiden hätten schon zweimal getagt, so der Premier.

«Der Beginn von etwas Neuem»

Wie schon die Präsidenten George W. Bush und Barack Obama traf auch Trump mit den Eltern der 1977 nach Nordkorea verschleppten Megumi Yokota zusammen. Trump zeigte sich bewegt und forderte Kim Jong-un auf, alle Entführten zurückzuschicken. «Das wäre der Beginn von etwas Neuem.» Nordkorea behauptet, Megumi sei nicht mehr am Leben. Ihre greisen Eltern konnten 2014 in der Mongolei ihre Enkelin treffen, Megumis Tochter. Sie scheinen Pyongyang seither zu glauben. Abe dagegen hat das emotionale Thema innenpolitisch immer wieder genutzt. Er will «nicht ruhen, bevor er alle Entführten zurückgeholt hat».

Von «Asien» war auf der ersten Asien-Reise Trumps bisher wenig die Rede. Die Formel, mit der die Trump-Administration sich gegen Obamas «Schwenk nach Asien» abgrenzt, heisst nun: «für einen freien und offenen Indo-Pazifik». Das Ziel ist freilich das gleiche geblieben. Mit Hilfe von Japan, Indien und Australien soll Chinas Aufstieg zur Seemacht gebremst werden. Der weitgehend vergessene Begriff vom «Indo-Pazifik» wurde 1890 vom amerikanischen Seekriegs-Theoretiker Alfred Thayer Mahan geprägt. Japans Aussenministerium hat ihn reaktiviert, um es Trump zu ermöglichen, den «Schwenk nach Asien» fortzuführen, ohne den Begriff seines ungeliebten Vorgängers zu verwenden.

Den «Schwenk nach Asien» wagen, ohne Obama nachzumachen

An diesem Dienstag fliegt Donald Trump nach Seoul weiter, wo er Präsident Moon Jae-in trifft, um über Nordkorea und den Handel zu reden. Am Mittwochnachmittag wird er in Peking erwartet. Über Chinas Präsident Xi Jinping sagte er in Tokio, er habe eine «ausgezeichnete Beziehung» zu ihm. «Ich betrachte ihn als Freund. Er betrachtet mich als Freund. Aber er vertritt China und ich die USA.»

Erstellt: 07.11.2017, 09:56 Uhr

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