Alles bleibt in der Familie

Kim Jong-un hat seine Schwester, bisher vor allem seine Stabschefin, in eine Führungsposition befördert.

Kim Yo-jong, die Schwester von Kim Jong-un. Foto: Bloomberg, Getty

Kim Yo-jong, die Schwester von Kim Jong-un. Foto: Bloomberg, Getty

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Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un scheint seine jüngere Schwester Kim Yo-jong in eine leitende Position gehoben zu haben. Bisher trat die 31-Jährige meist als seine Stabschefin in Erscheinung. Bei öffentlichen Auftritten Kims, auch bei den Gipfeln, war sie stets in seiner Nähe, hielt sich aber im Hintergrund und sprang herbei, um seinen Stuhl zurechtzu­rücken oder ihm den Füller für eine Unterschrift zu geben. Offiziell war sie bisher Vizechefin der Propagandaabteilung der Arbeiterpartei.

Vorigen Donnerstag sass sie beim Massenspektakel, das für den chinesischen Präsidenten Xi Jinping gegeben wurde, neben Kim Yong-chol, dem früheren Spionagechef, der bis zum gescheiterten Gipfel mit US-Präsident Donald Trump in Hanoi Kims Chefunterhändler war. Die Sitzordnung belege, so der südkoreanische Geheimdienst, dass die kleine Schwester in den gleichen Rang gerückt sei, wie ihn Choe Ryong-hae innehabe.

Der einstige Vizemarschall amtet in der «Kommission für Staatsgeschäfte», früher die «Militärkommission», dem eigentlichen Machtzentrum Nordkoreas, als Kims Stellvertreter. Damit ist er die Nummer zwei in der nordkoreanischen Hierarchie. Seit April präsidiert er ausserdem die Oberste Volksversammlung, was ihn protokollarisch zum Staatsoberhaupt macht. Der 69-Jährige soll ausserdem Kim Yo-jongs Schwiegervater sein.

Auch sie war in Bern

Kim Jong-uns Schwester reiste im Vorfeld der Olympischen Spiele 2018 als erstes Mitglied der Familie nach Südkorea, wo sie mit ihrem stillen Charme viele Sympathien gewann. Wie Kim Jong-un war sie viereinhalb Jahre in Bern, dort besuchte sie inkognito eine Primarschule. Ihr Vater Kim Jong-il, der frühere Diktator, soll sie schon als Teenager Gästen als künftige Politikerin vor­gestellt haben.

Die Promotion der Schwester zeigt, Kim Jong-un konzentriert immer mehr Macht auf die Familie. Zugleich wechselt er ständig Generäle und führende Geheimdienstleute aus. Solche Wechsel habe es früher nie gegeben, sagte Thae Yong-ho jüngst in Tokio. Thae war bis vor drei Jahren die Nummer zwei an der nordkoreanischen Botschaft in London. Dann lief er nach Südkorea über. Er hält Kims Regime mittelfristig für stabil. Zehn Jahre gebe er ihm noch, «zwanzig nicht». Die Möglichkeit eines Militärputsches schliesst er aus, die 200'000 Soldaten in Pyong­yang unterstehen nicht der Generalität, sondern Kim Jong-uns Leibwache. Deshalb wäre kein General in der Lage, alle Einheiten zusammen zu mobilisieren.

Trotz der vermuteten Stabilität deutet Thae Kims ständige Umbesetzungen als Zeichen der Unsicherheit. Die Konzentration der Macht auf die Familie muss ähnlich interpretiert werden. Jüngste Gerüchte aus Südkorea, Kim Jong-un habe nach dem gescheiterten Gipfel in Hanoi hohe Funktionäre hinrichten lassen, glaubt er allerdings nicht. Kim hat die Führung der Gespräche mit den USA Kim Yong-chol entzogen und das Aussenministerium damit betraut. «Dazu mussten wohl einige Leute Selbst­kritik üben, oder sie wurden für einige Monate zur Umerziehung geschickt.» Selbst Schwester Kim Yo-jong wurde einige Monate ­öffentlich nicht gesehen. Jetzt dafür in einer umso mächtigeren Position.

Erstellt: 25.06.2019, 19:25 Uhr

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