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«Alles was reingekommen ist, muss wieder raus»

Im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Abzug schliesst die Bundeswehr ihren ersten Aussenposten am Hindukusch. Vom Fitnessgerät bis zu kilometerweise Kabeln, alles muss in 190 Container verpackt werden.

Bereits im Juni 2011 flog die Bundeswehr schweres Gerät aus: In Mazar-e-Sharif wird eine Panzerhaubitze in eine Antonov-Transportmaschine verladen.
Bereits im Juni 2011 flog die Bundeswehr schweres Gerät aus: In Mazar-e-Sharif wird eine Panzerhaubitze in eine Antonov-Transportmaschine verladen.
Reuters
Logistische Herausforderung: Afghanische Hilfsarbeiter verladen Armeematerial im deutschen Camp in Feyzabad in Container. (September 2012)
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Reuters
Auch diese beiden Kanadier warten auf ihren ersehnten Rückflug in Richtung Alltag. (30. Juni 2011)
Auch diese beiden Kanadier warten auf ihren ersehnten Rückflug in Richtung Alltag. (30. Juni 2011)
Reuters
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«Das letzte, was wir hier einpacken, wird die Truppenfahne sein. Dann schliessen wir Ende des Monats das Lager», sagt Major Robert Kellermann. Er ist verantwortlich für den Rückbau des ersten und letzten Aussenpostens der Bundeswehr in Afghanistan. Knapp eineinhalb Jahre hat dieses Mini-Feldlager in Hazrat-e Sultan an der wichtigen Verbindungsstrasse nach Kundus existiert. Nun wird es in 190 Container verpackt und im Zuge des beschlossenen Afghanistan-Abzuges dicht gemacht.

Wochenlang dauerte die logistische Vorbereitung, Planungskarten wurden erarbeitet und Zeitabläufe festgelegt. «Das Prinzip ist simpel: Alles, was reingekommen ist, muss wieder raus», erzählt Major Kellermann und weist auf eine leere Betonplatte. Hier hatten noch vor wenigen Tagen Unterkunftszelte für die mehr als 100 Soldaten gestanden.

Streng nach Plan wird jetzt alles in Kisten gepackt. Die meisten Materialcontainer sind schon abtransportiert, alle Fernmeldecontainer und auch zwei der drei Sanitätscontainer. Kellermann zeigt auf seine Soldaten vom Panzergrenadierbataillons 371 aus Marienberg in Sachsen, die Fitnessgeräte verstauen, mehr als zehn Kilometer verbaute Kabel wieder aufrollen und selbst den letzten Feuerlöscher samt Hinweis- und Warnschilder wieder einpacken: «Der Abbau erfolgt phasenweise und wir sind im Plan.»

Dynamo-Dresden-Flagge am Wachturm

Den besten Überblick über die bereits weitgehend leere Liegenschaft bietet der grosse Wachturm: Sechs Seecontainer sind hier übereinander gestapelt, oben schützen Hunderte von Sandsäcken die Soldaten vor möglichen Angriffen. Auf dem Dach weht unübersehbar eine Fahne des sächsischen Zweitligisten Dynamo Dresden. «Ich will meinen Soldaten den Lokalkolorit nicht nehmen», verteidigt der Major aus Thierfeld bei Zwickau die ungewöhnliche schwarz-rot-goldene Flagge. Das gelbe Schild des Heimatstandortes Marienberg ist schon verpackt und mit den ersten Soldaten zum Bundeswehr-Feldlager nach Masar-i-Scharif gegangen.

Eine Woche bleibt noch, bis der letzte Container gepackt sein muss. Dann erinnern neben dem neuen Camp der afghanischen Armee nur noch Schutzwälle, Schotter und leere Kabelschächte an den Einsatz der deutschen Soldaten. «Wir geben den Aussenposten auf, weil das Kandak unsere Ausbildungshilfe nicht mehr braucht», weiss Oberstleutnant Ralf Linne zu berichten, der in den vergangenen Wochen Berater des afghanischen Bataillons war.

Zuletzt hatten die Deutschen noch versucht, die militärische Stabsarbeit zu optimieren - in einem Land, in dem selten über Morgen hinaus geplant wird. Aber zumindest die Ausbildung verläuft schon nach einem festen Regelwerk, wie ein Blick über die Mauer auf das Training der afghanischen Soldaten zeigt. Deutsche Offiziere hatten ihnen in den vergangenen Monaten eng mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Spezialisten rücken an

Jetzt sind in Hazrat-e Sultan andere Fähigkeiten gefragt: die Soldaten vom Spezialpionierbataillion 464 aus Speyer in Rheinland-Pfalz. Sie sind für den Aufbau und Betrieb von Feldlagern genauso verantwortlich wie für den Abbau von solchen Camps. «Zwei Drittel des Materials sind schon weg», erzählt Hauptfeldwebel Markus D., der den Rückbau des 100 mal 400 Meter grossen Lagers in der Provinz Samangan koordiniert. Am Dienstag und Mittwoch geht noch mal ein grosser Schwung raus, dann sind nur noch «Kleinigkeiten» zu erledigen. «Am letzten Tag dann werden die restlichen Zelte verpackt, die Feldküche angehängt und die Fahne eingeholt.»

Bis dahin wird noch gesägt, gehämmert und geschraubt - Spezialkräne packen die vollgepackten Container auf Lastwagen nach Masar-i-Scharif. Nichts soll im Feldlager zurück bleiben, sogar das wieder in Einzelteile zerlegte Bauholz zur Abdeckung der früheren Shelter oder Laufstege hat eine «Nachnutzung» durch die afghanischen Soldaten gefunden. Nur das selbstgebastelte Holzkreuz für den Feldgottesdienst bleibt von der Zerlegung verschont. Und jener Fahnenmast, von dem Kellermann in wenigen Tagen die deutsche Fahne einholen wird. «Wenn ich alle Soldaten gesund wieder nach Haus bringe, dann kann ich sagen: Wir haben unseren Job gemacht.»

dapd/kpn

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