Amnesty International entzieht Suu Kyi Ehrentitel

Die Menschenrechtsorganisation hat auf die Passivität von Myanmars Regierungschefin in der Rohingya-Krise reagiert.

Vor sechs Jahren noch ausgezeichnet: Aung San Suu Kyi erhält die Auszeichnung in Dublin. (18. Juni 2012)

Vor sechs Jahren noch ausgezeichnet: Aung San Suu Kyi erhält die Auszeichnung in Dublin. (18. Juni 2012) Bild: Kim Haughton/Keystone

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Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International entzog Aung San Suu Kyi wegen der Rohingya-Krise den Ehrentitel «Botschafterin des Gewissens». In einem am Montag veröffentlichten Brief an Suu Kyi zeigte sich Amnesty-Generalsekretär Kumi Naidoo enttäuscht über die augenscheinliche «Gleichgültigkeit» der Friedensnobelpreisträgerin gegenüber den Gräueltaten des Militärs gegen die muslimische Minderheit in ihrem Land.

Video: Lage für Flüchtlingskinder aus Myanmar ist kritisch

Die Lage für die Flüchtlingskinder ist nach Einschätzung des UNO-Kinderhilfswerks Unicef sehr besorgniserregend. (Video: Reuters)

«Heute sind wir zutiefst bestürzt, dass Sie nicht länger ein Symbol der Hoffnung, des Mutes und der unermüdlichen Verteidigung der Menschenrechte sind», schrieb Naidoo. «Amnesty International kann Ihren weiteren Status als Botschafterin des Gewissens nicht rechtfertigen, und deshalb entziehen wir Ihnen hiermit mit grossem Bedauern diesen Titel.»

UNO spricht von «Völkermord»

Amnesty International hatte Suu Kyi im Jahr 2009 den Ehrentitel «Botschafterin des Gewissens» verliehen, die höchste Auszeichnung der Menschenrechtsorganisation. Damals stand die langjährige Oppositionsführern noch unter Hausarrest. Inzwischen steht sie wegen der brutalen Vertreibung von mehreren Hunderttausend Muslimen der Volksgruppe der Rohingya seit mehr als einem Jahr massiv in der Kritik.

Die Vereinten Nationen sprechen von «Völkermord». Immer wieder gibt es auch Forderungen, Suu Kyi den Friedensnobelpreis wieder abzuerkennen. Dies ist nach Angaben des Nobelpreis-Komitees aber unmöglich.

Suu Kyi führt Regierung in Myanmar

Inzwischen führt Suu Kyi in Myanmar mit dem Titel einer «Staatsrätin» die Regierung. Darin ist auch das Militär, das sie einst verfolgen liess, mit mehreren Ministern beteiligt. Amnesty räumte zwar ein, dass die zivile Regierung in dem Land nicht die Kontrolle über das Militär habe. Suu Kyi und ihr Büro hätten sich aber schützend vor die Sicherheitskräfte gestellt, Berichte über Menschenrechtsverletzungen heruntergespielt und internationale Ermittlungen behindert.

Amnesty habe eigentlich erwartet, dass Suu Kyi ihre «moralische Autorität» nutze, heisst es in dem Schreiben der Menschenrechtsorganisation. Und weiter: «Heute sind wir zutiefst bestürzt, dass Sie nicht länger ein Symbol der Hoffnung, des Mutes und der unermüdlichen Verteidigung der Menschenrechte sind.» (fal/sda)

Erstellt: 13.11.2018, 09:20 Uhr

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