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Angst, Trommelfeuer und Brot zu Wucherpreisen

Die Menschen in Aleppo hetzen zwischen dem Knallen der Schüsse durch die Strassen, sie werfen sich ins Auto, klettern auf den Lkw, das Motorrad, jedes verfügbare Fluchtfahrzeug - sie wollen nur eines: Raus.

Rebellen in Aleppo bringen sich mit frisch gekauften Nahrungsmitteln vor einem Angriff in Sicherheit. (29. Juli 2012)
Rebellen in Aleppo bringen sich mit frisch gekauften Nahrungsmitteln vor einem Angriff in Sicherheit. (29. Juli 2012)
AFP

Zu Hunderttausenden fliehen sie vor der Schlacht um Aleppo. Auf Lastwagen und überladenen Motorrädern, mit jedem erdenklichen Transportmittel haben sich nach UN-Angaben bereits 200'000 Menschen aus der syrischen Wirtschaftsmetropole abgesetzt, der mit drei Millionen Einwohnern grössten Stadt des Landes. Den Flüchtlingen fehlt es nun am Notwendigsten. Vieles ist knapp geworden in Syrien, wie Einwohner berichten. Brot und Benzin kosten auf dem Schwarzmarkt Unsummen.

«Ich bin äusserst besorgt über die Auswirkungen des Granatenbeschusses und des Einsatzes von Panzern und anderen schweren Waffen auf die Menschen in Aleppo», sagte die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos. «Viele Menschen haben Zuflucht in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden in sichereren Gegenden gesucht», berichtete sie. «Sie brauchen dringend Essen, Matratzen und Decken, Hygieneartikel und Trinkwasser.»

In der Falle zwischen den Fronten

UN-Organisationen und der Syrische Rote Halbmond arbeiteten zusammen, um Betroffene überall im Land mit humanitärer Hilfe zu versorgen, sagte Amos. Viele könnten sie jedoch wegen der fortdauernden Kampfhandlungen nicht erreichen. «Es ist nicht bekannt, wie viele Menschen noch an Orten in der Falle sitzen, wo weiter gekämpft wird.»

Flüchtlinge berichteten der Nachrichtenagentur AP von unablässigem Trommelfeuer, von Lebensmittel- und Kraftstoffknappheit und saftigen Schwarzmarktpreisen für Waren des täglichen Bedarfs. Die Menschen wollen flüchten, wie auch immer. Im Internet kursierende Videos zeigen verlassene Strassen voller Schutt von zerschossenen Wohnblocks und Glasscherben der zersprungenen Fenster.

«Das Leben in Aleppo ist unerträglich geworden»

Die Furcht vor einem Massaker oder einer blutigen Entscheidungsschlacht treibt immer mehr Menschen in die Flucht. «Das Leben in Aleppo ist unerträglich geworden. Ich sitze in meinem Auto und fahre gleich los», sagt ein syrischer Schriftsteller am Telefon. Der Gewährsmann, der nicht mit Namen genannt werden möchte, schildert einen harten Alltag in der zwischen Regierungssoldaten und Aufständischen umkämpften Stadt. «Brot, Benzin und Diesel werden auf dem Schwarzmarkt sehr teuer verkauft», sagt er. «Vieles ist knapp.»

Von Schlangestehen nach Brot und Sprit, von verwüsteten Strassenzügen und stinkenden Müllhaufen können auch die Flüchtlinge aus der Hauptstadt Damaskus ein Lied singen, die vorige Woche im Libanon ankamen. «Nie hätte ich gedacht, dass ich auf den Strassen von Damaskus Bewaffnete gegen Soldaten kämpfen und Menschen aus ihrem Heim flüchten sehen würde», sagte die Friedensaktivistin Nahed. An der libanesischen Grenze stauten sich mit Familien und ihren wichtigsten Habseligkeiten beladene Wagen. Viele, die zurückblieben, packten vorsichtshalber schon ihr Fluchtgepäck mit Ausweisen, Zeugnissen, Geld und Wertsachen für den Fall, dass auch sie um ihr Leben rennen müssen.

dapd/kle

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