Afghanische Soldaten erobern Bezirk in Kundus zurück

Die Armee hat einen Teil des von den Taliban eingenommenen Gebiets in der Kundus-Provinz wieder unter Kontrolle gebracht.

Den Feind zurückgedrängt: Nachdem ein afghanischer Soldat seine Munition abgefeuert hat, richtet er eine Kampfansage an die Taliban. (Archiv)

Den Feind zurückgedrängt: Nachdem ein afghanischer Soldat seine Munition abgefeuert hat, richtet er eine Kampfansage an die Taliban. (Archiv) Bild: Najim Rahim/Keystone

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Afghanische Truppen haben einen Teil des von den Taliban am Samstag eingenommenen Gebietes in der Provinz Kundus wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Die Sicherheitskräfte eroberten den Bezirk Chanabad, nachdem die radikal-islamischen Taliban am Samstagmorgen dort im Zentrum ihre Flagge gehisst hatten.

Das erklärte heute das Provinzratsmitglied Maulaui Abdullah. In tagelangen schweren Gefechten gegen die Regierungstruppen hatten die Kämpfer der islamistischen Widerstandsgruppe weites Territorium in der nordafghanischen Provinz unter ihre Kontrolle gebracht.

Vorwürfe an die Regierung

Bezirksgouverneur Haiatullah Hamidi beschuldigte die Regierung laut Medienberichten, tagelang keine Verstärkung geschickt zu haben, um die vorrückenden Taliban zurückzudrängen.

Aber auch mit der Rückeroberung von Chanabad sind in Kundus, wo die deutsche Bundeswehr bis 2013 stationiert war, noch vier der fünf Bezirke umkämpft oder gänzlich in den Händen der Islamisten. Auch um zu verhindern, dass die Provinz erneut an die Taliban fällt, ist nun zeitweise wieder eine kleine Gruppe deutscher Militärberater vor Ort.

In einer jüngst veröffentlichten Analyse des Rechercheinstituts «Afghanistan Analysts Network» heisst es, Kundus habe im vergangenen Jahr mehr Angriffe auf Bezirkszentren gesehen als jede andere Provinz.

Zehntausenden droht Hungersnot

Das Leben in der Hauptstadt sei zum Stillstand gekommen. Die Stadt ist seit drei Tagen ohne Strom, weil bei Kämpfen Leitungen gekappt wurden. Die Regierung habe weitgehend aufgehört, zu arbeiten. Helfer warnen, dass im nahenden Winter Zehntausende Menschen Hunger leiden werden, weil die Gefechte Saat und Ernte weitgehend verhindert hätten.

In der an Kundus angrenzenden Nordprovinz Baghlan haben die Taliban in der vergangenen Woche den Bezirk Dahan-e Ghori erobert. Auch hier war bis 2013 die Bundeswehr stationiert. Gegen Baghlan, Kundus und die Südprovinz Helmand richten sich die meisten Taliban-Offensiven.

Viele der Landgewinne der Taliban sind von kurzer Dauer, weil Sicherheitskräfte anrücken und sie vertreiben. Dennoch haben die Aufständischen ihre Kontrolle über die Provinzen ausgeweitet. In einem Bericht des Aufsichtsgremiums des US-Senats für die Hilfe in Afghanistan ging jüngst hervor, dass die Regierung Ende Mai nur noch 65,6 Prozent der 407 Bezirke des Landes kontrollierte. Ende Januar seien es noch 70,5 Prozent gewesen. (nag/sda)

Erstellt: 21.08.2016, 20:53 Uhr

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