Attentäter von Christchurch plädiert auf nicht schuldig

Ein rechtsextremer Australier hatte am 15. März in zwei Moscheen in Christchurch 51 Menschen getötet. Er weist die Vorwürfe zurück.

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Nach dem Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland mit 51 Toten hat der Täter am Freitag in allen 92 Punkten der Anklage auf «nicht schuldig» plädiert. Mehrere Hinterbliebene reagierten empört.

Zu dem Gerichtstermin in Christchurch wurde Brenton Tarrant am Freitag per Video aus einem Hochsicherheitsgefängnis zugeschaltet. Der Australier war während der Anhörung auf einem grossen Bildschirm zu sehen. Er selbst sagte nichts. Als die Verteidigung auf unschuldig plädierte, hatte er jedoch ein Lächeln auf dem Gesicht. Durch den Gerichtssaal ging daraufhin ein Raunen. Ansonsten zeigte Tarrant während des Termins keine Regung.

Der eigentliche Prozess gegen den 29-Jährigen soll im Mai 2020 beginnen. Die Staatsanwaltschaft legt dem Rechtsextremisten 51-fachen Mord und 40-fachen Mordversuch sowie Terrorismus zur Last. Bei einer Verurteilung erwartet ihn eine lebenslange Haft.Tarrant wird dann im Gerichtssaal auf der Anklagebank sitzen. Der Prozess soll etwa sechs Wochen dauern.

Ärztliches Gutachten

Das Gericht sitzt in Christchurch, wo sich der Angriff Mitte März ereignete hatte. Tarrant ist seither in Neuseelands einzigem Hochsicherheitsgefängnis in Auckland untergebracht - rund 1000 Kilometer entfernt.

In den vergangenen Wochen war er von Ärzten untersucht worden. Richter Cameron Mander erklärte ihn für prozessfähig. Zudem erlaubt er, dass Aufnahmen des Angeklagten gezeigt werden dürfen.

Tarrant trug während des Termins Anstaltskleidung, eine Art übergrosses Hemd. An seiner Seite waren Polizeibeamte zu sehen. Der Ton war während der Übertragung ausgeschaltet. Der Australier machte aber auch keine Anstalten, etwas sagen zu wollen. Die neuseeländische Justiz will verhindern, dass er das Verfahren als Bühne nutzt, um rechtsextremistische und rassistische Ansichten zu vertreten.

Reaktion im Internet

Der Täter hatte grosse Teile seines Attentats mit einer Helmkamera über Facebook live ins Internet übertragen. Zuvor hatte er ein Pamphlet mit rechtsradikalen und rassistischen Parolen ins Internet gestellt und auch per Mail verschickt.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Anschläge einen terroristischen Hintergrund hatten. Neuseeland hatte nach dem Anschlag Sturmgewehre und halbautomatische Waffen verboten. Facebook führte strengere Regeln für Live-Übertragungen ein. Mit Überraschung reagierten einige Hinterbliebene darauf, dass es bis zum Beginn des Prozesses noch fast ein Jahr dauern soll. Zugleich äusserten sie aber auch Verständnis für die Justiz.

Omar Abdel-Ghany, dessen Vater erschossen wurde, sagte zum Beispiel: «Wir hatten gehofft, kein Jahr warten zu müssen, um darüber hinwegzukommen. Aber das ist ein Prozess, den es geben muss. Also müssen wir Geduld haben.»

Schachzug des Massenmörders

Richter Cameron Mander setzte eine nächste Anhörung auf den 15. August und den eigentlichen Prozessbeginn auf den 4. Mai kommenden Jahres fest. Mit dem Bekenntnis auf «unschuldig» kommt es nunmehr zum Prozess - andernfalls wäre das öffentlichkeitswirksame sogenannte Trial bereits beendet gewesen. (roy/sda/afp)

Erstellt: 14.06.2019, 10:38 Uhr

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