Aufstand der Topmodels gegen Netanyahu

Der israelische Premierminister attackiert im Wahlkampf die arabische Minderheit.

Diskutieren mit: Gal Gadot (l.) und Rotem Sela. Foto: PD

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In Israel gibt es ein neues Thema im Wahlkampf: «Die Araber» – gemeint sind jene Palästinenser, die in Israel leben und 17,5 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Israels Premierminister Benjamin Netanyahu hatte die Debatte losgetreten, indem er auf Instagram auf eine Frage des israelischen Topmodels Rotem Sela geantwortet hatte. Sela hatte die Frage aufgeworfen: «Was ist das Problem mit Arabern? Wann zum Teufel wird jemand in dieser Regierung der Öffentlichkeit mitteilen, dass Israel ein Staat aller seiner Bürger ist? Und dass alle gleich geboren werden? Sogar Araber, Gott bewahre uns, sind Menschen!»

Überraschend antwortete der Regierungschef persönlich: «Liebe Rotem, eine wichtige Korrektur: Israel ist nicht der Staat aller seiner Bürger.» Er verwies auf das im Juli verabschiedete Nationalstaatsgesetz, das den jüdischen Charakter des Staates betont und durch das Arabisch nicht mehr als Amtssprache eingestuft wird. «Laut dem Nationalstaatsgesetz, das wir ver­abschiedet haben, ist Israel der Nationalstaat des jüdischen Volkes, und zwar ausschliesslich», schrieb Netanyahu.

Damit löste Netanyahu eine breite Diskussion aus. In den Kreis der Kritiker reihte sich Präsident Reuven Rivlin ein, der auf Twitter klarstellte: «Es gibt keine Bürger erster und zweiter Klasse.» Aber Netanyahu legte nach und erteilte gleich auch noch einem eigenen Palästinenserstaat eine Absage: «Die arabischen Bürger haben 22 Nationalstaaten rundherum und brauchen nicht noch einen weiteren Staat. Wir definieren Israel als jüdischen und demokratischen Staat, den Nationalstaat des jüdischen Volkes mit gleichen Rechten für alle.»

«Bibi oder Tibi»

Netanyahu dürfte bewusst auf dieses Thema setzen, um vor der Wahl am 9. April möglichst viele Unterstützer im rechten Lager zu mobilisieren. In Umfragen liegt das blau-weisse Bündnis mit dem ehemaligen Generalstabschef Benny Gantz vor Netanyahus rechtsnationalem Likud, wenngleich der Vorsprung in den vergangenen Tagen geschmolzen ist. Dass Netanyahu dieses Thema im Wahlkampf aufgreift, ist nicht neu: Bei den letzten Wahlen 2015 veröffentlichte er ein Video, in dem er davor warnte, dass die Araber «in Horden» zu den Urnen strömten, um ihn zu stürzen. Er beschuldigte europäische Staaten, ihnen dafür die Busse zu finanzieren. Später entschuldigte sich der Premier für seine Aussagen – was ihn aber nicht davon abhielt, eine ähnliche Aussage vor zwei Wochen erneut zu machen: Er unterstellte den arabischen Israelis «Herdenverhalten» beim Urnengang.

Bezug nehmend auf seinen Spitznamen Bibi und den Namen des bekannten arabischen Knesset-Abgeordneten Ahmed Tibi warnt er immer wieder davor, diesmal gehe es um «Bibi oder Tibi» – also darum, ob er das Land weiter regiere oder arabische Politiker in die Regierung einziehen würden. Auch wenn das blau-weisse Bündnis solche Absichten in Abrede stellt, setzt der Likud weiter auf diesen Wahlkampfslogan.

«Wonder Woman» greift ein

Tibi, der mit seiner Partei für Erneuerung wieder zur Wahl antritt, nimmt es mit Humor: «Bisher wusste ich gar nicht, dass ich mich als Premierminister bewerbe.» Von den 120 Abgeordneten in der Knesset sind 13 arabische Israelis.

In die politische Debatte hat sich auch die Schauspielerin Gal Gadot – bekannt durch ihre Rolle als «Wonder Woman» – eingeschaltet, die ihrer Modelkollegin Sela beisprang: «Es geht nicht um Rechte oder Linke, Juden oder Araber, um Säkulare oder Religiöse. Es ist eine Frage des Dialogs, der Diskussion von Frieden und Gleichheit und unserer Toleranz füreinander. Die Verantwortung, Hoffnung für eine bessere Zukunft für unsere Kinder zu säen, liegt bei uns. Rotem, Schwester, du bist eine Inspiration für uns alle», schrieb Gadot, die auf Instagram mehr als 28 Millionen Follower hat. Auf Kritik ging Israels Premier bisher nicht ein.

Erstellt: 12.03.2019, 22:54 Uhr

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