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«Bald könnte der Hafen voller radioaktiver Autos sein»

Russische Zöllner haben 49 japanische Autos beschlagnahmt, die radioaktiv verstrahlt sind. Jetzt stellt sich für die Behörden folgendes Problem: Wohin mit den Gebrauchtwagen? Denn es werden immer mehr.

Ausserordentlicher Einsatz mit Geigerzähler: Russischer Zöllner überprüft ein japanisches Auto auf radioaktive Strahlung.
Ausserordentlicher Einsatz mit Geigerzähler: Russischer Zöllner überprüft ein japanisches Auto auf radioaktive Strahlung.
Keystone

Der russische Zoll hat im Hafen von Wladiwostok 49 Gebrauchtwagen aus Japan wegen überhöhter radioaktiver Strahlung beschlagnahmt. Die Strahlung der Fahrzeuge war sechs Mal so hoch wie normal.

Einige Fahrzeuge hätten Spuren von Caesium-127 und Uran-238 aufgewiesen, sagte heute der Leiter der zuständigen Abteilung der regionalen Zollbehörde, Roman Famin. Die Autos trafen demnach vor zehn Tagen in dem Hafen im Fernen Osten Russlands ein.

Die Abstellplätze werden knapp

Die Hafenbehörde fürchtet nun, das ihr bald die Abstellplätze für weiter eintreffende radioaktiv verstrahlte Autos ausgehen könnte. Die zentrale Regierungsbehörde für Verbraucherschutz habe noch keine Entscheidung darüber getroffen, was mit den Fahrzeugen passieren solle, sagte Famin. «Wenn die Entscheidung nicht fällt, wird der Hafen voller radioaktiver Autos sein.»

Im Hafen von Wladiwostok treffen täglich etwa 300 Fahrzeuge aus dem Ausland ein. Der Handel mit Gebrauchtwagen, insbesondere aus Japan, ist für die Region um Wladiwostok ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Sinkende Strahlenwerte erlauben Weitersuche

In Japan geht derweil die Suche nach Toten und Vermissten weiter: Sinkende Strahlenwerte hätten die Suche im näheren Umkreis der Anlage nun zugelassen, teilte die Polizei mit.

Sie schickte Hunderte von Beamte samt Schutzkleidung in das Katastrophengebiet. «Es ist schwer zu sagen, wie viele Menschen in dem Gebiet noch vermisst werden», sagte ein Polizeisprecher. «Wir müssen die Leichen so schnell wie möglich finden.»

Die Polizei vermutet, dass sich in dem Gebiet 1000 Leichen von Vermissten befinden, die bei dem Tsunami am 11. März ums Leben gekommen sind. Bisher wurden mehr als 13'300 Todesopfer des Bebens und Tsunamis identifiziert. Mehr als 15'000 Menschen werden noch vermisst.

Neben dem Suchtrupp für Vermisste sind auch Teams zur Messung radioaktiver Strahlung und zur Bergung der Leichen eingesetzt. Bevor die verstrahlten Leichen abtransportiert werden können, müssen sie abgewaschen werden, hiess es.

«Wir müssen vorsichtig arbeiten, um unsere Schutzanzüge nicht an den Metall- und Betontrümmern zu beschädigen, die überall in dem Gebiet verstreut sind», sagte der Sprecher angesichts der besonderen Bedingungen vor Ort mit.

Wieder Rückschläge

Am Unglücks-AKW in Fukushima deutete auch am Donnerstag nichts auf eine Entspannung der Lage hin. Techniker bemühten sich weiterhin um die Kühlung der Reaktoren. Die Atomsicherheitsbehörde erklärte, angesichts der grossen Mengen angestauten verbrauchten Kühlwassers müsse über neue Kühlmethoden nachgedacht werden.

Im Keller und in einem Schacht unter Reaktor 2 befänden sich 20'000 Tonnen verstrahlten Wassers. Dies solle in eine zentrale Sonderdeponie gebracht werden, Pläne darüber hinaus gebe es jedoch nicht.

Arbeiter pumpten weiter radioaktives Wasser aus den zerstörten Reaktoren. «Wir haben bislang 700 Tonnen Wasser aus dem Tunnelschacht von Reaktor 2 abgeleitet», sagte ein Sprecher der Betreiberfirma Tepco. Es würden allerdings «mehrere Wochen» vergehen, bis alles radioaktive Wasser abgepumpt sei.

Techniker schätzen, dass sich während der Notkühlung der Reaktoren 60'000 Tonnen leicht kontaminiertes Wasser in den Kellern, der Kanalisation und den Turbinensälen angesammelt haben. Erst wenn die Reaktoren trockengelegt sind, können sich die Arbeiter an die Reparatur der beschädigten Kühlsysteme machen.

Besuch des Kaisers

Das japanische Kaiserpaar hat sich erstmals in die Katastrophenregion begeben. Kaiser Akihito und seine Gemahlin Michiko besuchten am Donnerstag zunächst zwei Notunterkünfte in der Stadt Asahi in der Tokioter Nachbarprovinz Chiba.

Der Tenno und seine Frau knieten auf Matten und sprachen mit den Evakuierten. Die Überlebenden der Naturkatastrophe verbeugten sich vor dem kaiserlichen Paar, manche wischten sich Tränen aus den Augen.

Auf politischer Ebene wächst der Druck auf den japanischen Regierungschef Naoto Kan. Opposition und Parteifreunde werfen dem Premier Unfähigkeit im Umgang mit der Krise vor.

Er habe Zweifel an der Art und Weise wie der Regierungschef das Land führe, sagte der Chef der Liberaldemokratischen Partei, Sadakazu Tanigaki. Es sei jetzt an Kan, eine Entscheidung über einen Verbleib im Amt zu treffen. Eine von Kan vorgeschlagene grosse Koalition lehnte der Oppositionsführer erneut ab.

SDA/mrs

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