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Bangladesh hängt Islamisten-Führer

In Bangladesh ist ein umstrittenes Todesurteil vollstreckt worden. Auf der Strasse feiern die einen und protestieren die anderen. Befürchtet wird eine neue Welle der Gewalt in dem bitterarmen Land.

Das Land ist gespalten: Demonstranten in Dhaka feiern das Todesurteil. (12. Dezember 2013)
Das Land ist gespalten: Demonstranten in Dhaka feiern das Todesurteil. (12. Dezember 2013)
AFP

In Bangladesh ist ein umstrittenes Todesurteil gegen einen führenden Oppositionspolitiker vollstreckt worden. Der wegen Kriegsverbrechen verurteilte Abdul Quader Mollah sei im Gefängnis in der Hauptstadt Dhaka erhängt worden, sagte ein Regierungssprecher. Seine islamistische Partei Jamaat-e-Islami rief für Sonntag zu einem landesweiten Generalstreik auf. Andere feierten die Exekution auf den Strassen Dhakas und jubelten, dass vier Jahrzehnte nach dem Ende des blutigen Unabhängigkeitskriegs gegen Pakmoistan die Gerechtigkeit gesiegt habe.

Nur wenige Stunden zuvor hatte der Oberste Gerichtshof des Landes das Todesurteil bestätigt und damit einen Einspruch gegen die am Dienstag kurzfristig aufgeschobene Exekution abgelehnt. Nach der Entscheidung kam es laut Fernsehberichten in den Städten Chittagong, Sylhet und Rajshahi zu Ausschreitungen. Demonstranten griffen Polizisten an, zerstörten Fahrzeuge und warfen Brandbomben. Die Polizei eröffnete nach einem Bericht der grössten Zeitung des Landes im Osten des Landes das Feuer auf Oppositionelle und tötete drei von ihnen.

Die Hinrichtung Mollahs und die neuen Krawalle schürten die Sorge, dass Bangladesh kurz vor der Parlamentswahl am 5. Januar ins Chaos abgleiten könnte. Seit Wochen kommt es dort zu gewaltsamen Protesten des Oppositionsbündnisses von Ex-Regierungschefin Khaleda Zia. Die ebenfalls oppositionelle Jamaat-e-Islami hatte vor «schwerwiegenden Folgen» gewarnt, sollte die Todesstrafe vollstreckt werden.

Zias Bündnis fordert, dass eine parteiunabhängige Übergangsregierung eingesetzt wird, die die Parlamentswahl am 5. Januar überwacht, was die Regierung aber ablehnt. Die Opposition will die Abstimmung deshalb boykottieren. Seit Oktober sind bei den Protesten fast 100 Menschen ums Leben gekommen.

Der 65-jährige Mollah war im Februar von einem Sondertribunal schuldig befunden worden, während des Unabhängigkeitskrieges einen Studenten und eine elfköpfige Familie getötet und die pakistanischen Truppen bei der Tötung von 396 anderen Menschen unterstützt zu haben. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, der Oberste Gerichtshof wandelte das Urteil aber schliesslich in eine Todesstrafe um.

Als sich Bangladesh 1971 die Unabhängigkeit von Pakistan erkämpfte, sollen pakistanische Soldaten und ihre einheimischen Kollaborateure drei Millionen Menschen getötet und etwa 200'000 Frauen vergewaltigt haben. 2010 setzte Ministerpräsidentin Sheikh Hasina ein Sondertribunal ein, um Kriegsverbrechen zu ahnden. Die Opposition sieht die Verfahren als politisch motiviert. Mollahs Hinrichtung war die erste in diesem Zusammenhang.

SDA/kle

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