Besser nicht mit Trump

Die Lage in Afghanistan ist zu kompliziert für den US-Präsidenten.

US-Präsident Donald Trump hat die Verhandlungen zwischen den USA und den Taliban gestoppt. Foto: Keystone

US-Präsident Donald Trump hat die Verhandlungen zwischen den USA und den Taliban gestoppt. Foto: Keystone

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Bärtige Talibanführer trinken kurz vor dem Jahrestag des 11. September Tee auf der Terrasse von Camp David – diese Vorstellung finden viele US-­Bürger bizarr.

Vertrauend auf sein Verhandlungs­geschick – der US-Präsident sieht sich als bester Dealmaker aller Zeiten –, liess er sowohl die Taliban als auch Afghanistans Präsident Ashraf Ghani nach Camp David einladen. Im Sommerhaus der US-Präsidenten in Maryland, wo einst Jimmy Carter 1978 den historischen Frieden zwischen Israel und Ägypten aushandelte, wollte Trump das Ende des längsten Krieges besiegeln, den die USA je gekämpft haben.

Dass Trump bei einem Treffen auf US-Boden einen tragfähigen Frieden hätte erreichen können, bezweifeln viele.

Dass das von Trump erst mit seiner Absage publik gemachte Geheimtreffen nicht stattfindet, ist jedoch nicht nur aus Pietät gegenüber den Opfern der Terroranschläge von New York und Washington eine gute Nachricht. In Afghanistan wird ein Frieden nur durch Verhandlungen zu erreichen sein. Das bestreiten nicht einmal Falken wie Sicherheitsberater John Bolton, die bei der Lösung von Konflikten eher auf Waffen denn auf Worte setzen.

Dass Trump bei einem spektakulären Treffen auf US-Boden einen tragfähigen Frieden hätte erreichen können, bezweifeln hingegen viele – die Gefahr wäre gross gewesen, dass sich der schon halb im Wahlkampf befindende US-Präsident auf einen Deal eingelassen hätte, dessen Folgen kaum absehbar wären.

Trump will seiner Basis beweisen, dass er die Truppen nach 18 Jahren vom Hindukusch heimholen kann. Ein zweifellos sinnvolles Ziel, für das jedoch bisher die Grundlagen fehlen. Denn dass sie wieder nach der ganzen Macht in Afghanistan greifen wollen, daraus machen die Taliban kein Geheimnis. Ihnen das durch eine vorschnelle Einigung zu erlauben, wäre ein zu hoher Preis für ein Wahlkampfmanöver.


Podcast «Entscheidung 2020»

Hören Sie sich die neuste Folge vom Podcast «Entscheidung 2020» an mit USA-Korrespondent Martin Kilian und Auslandchef Christof Münger.

Erstellt: 09.09.2019, 21:56 Uhr

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