Zum Hauptinhalt springen

Brennende Kreuze in Lahore

In der Grossstadt im Osten Pakistans haben Muslime ein christliches Quartier geplündert und über 160 Häuser in Brand gesetzt – wegen angeblicher Beleidigung des Propheten Mohammed.

Ein Demonstrant verbrennt während einer Protestkundgebung in Lahore, Pakistan, ein Kreuz.
Ein Demonstrant verbrennt während einer Protestkundgebung in Lahore, Pakistan, ein Kreuz.
Adrees Hassain, Reuters
Demonstranten schauen zu, wie persönlicher Besitz von Christen verbrannt wird.
Demonstranten schauen zu, wie persönlicher Besitz von Christen verbrannt wird.
Adrees Hassain, Reuters
Ein Polizist läuft los, um pakistanisch-christliche Demonstranten festzunehmen.
Ein Polizist läuft los, um pakistanisch-christliche Demonstranten festzunehmen.
Mohsin Raza, Reuters
1 / 6

Eine aufgebrachte Menschenmenge von rund 3000 Muslimen zog am Samstag in Lahore durch den Stadtteil Badami Bagh, plünderte und zündete die Häuser von Christen an. Die Randalierer setzten Möbel, Rikschas, Fahrräder und Motorräder in Brand.

Wenig genügte, um den Zorn von Tausenden von Pakistanern zu entfachen: Auslöser war eine angebliche Beleidigung des Propheten Mohammed durch einen Angehörigen der christlichen Minderheit. Der 28-jährige Sawan Masih wurde angeklagt, abfällige Bemerkungen über den Propheten gemacht zu haben. Masih sei am Freitag von der Polizei festgenommen worden, sagte Polizeisprecher Multan Kahn. Dennoch versammelten sich 3000 Menschen zum Brandzug.

160 Häuser brannten

Nach Angaben der Polizei wurden 25 Häuser in Brand gesetzt. Aber der örtliche Verantwortliche der Pakistanischen Menschenrechtskommission, Ahmad Raza, gab die Zahl mit «mindestens 160» an. Weil sie Racheakte befürchteten, seien viele Christen schon am Freitag vorsorglich geflüchtet.

Die Polizei vertrieb die Randalierer mit Schlagstöcken. Bei den Auseinandersetzungen wurden 20 Polizisten leicht verletzt. Am Sonntag nahm die Polizei 150 Personen fest. Einem Grossteil kam die Polizei mithilfe von Fernsehbildern auf die Schliche.

Christen verlangen mehr Schutz

Am Sonntag demonstrierten Hunderte von Christen gegen die Gewalttaten und forderten Notfallhilfe und einen besseren Schutz als religiöse Minderheit. Berichte über Beleidigungen des Propheten führen in Pakistan immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen – unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt. Blasphemie ist in Pakistan ein ungeheuerlicher Vorwurf und kann sogar mit dem Tod bestraft werden. Das Blasphemie-Gesetz verbietet die Beleidigung jeder Religion, wird in der Praxis aber nur bei angeblicher Herabsetzung des Islam angewandt.

Viel Aufsehen erregte letztes Jahr der Fall einer 14-jährigen Christin aus Islamabad, die wegen Gotteslästerung eingesperrt wurde. Ein Imam gab an, sie hätte Seiten aus einem Buch mit Koranversen angezündet (Redaktion Tamedia berichtete). Die junge Christin wurde schliesslich gegen Kaution wieder freigelassen.

AFP/mal

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch