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Buddhisten stoppen Börsengang eines Berges

Ein heiliger Berg in China wird schamlos kommerzialisiert. Jetzt gab es einen seltenen Sieg der Religion.

Tausende buddhistische Mönche beten während einer Zeremonie am Putuo.
Tausende buddhistische Mönche beten während einer Zeremonie am Putuo.
China Daily, Reuters

Unter Chinas vier heiligen Bergen ist der Putuo-Berg vor der Ostküste der Zwerg. Keine 300 Meter ist er hoch. Was ihm an Höhe fehlt, das macht der Putuoshan zum einen wett mit spektakulärer Landschaft, er liegt auf einer Insel im Meer. Und zum anderen mit religiöser und historischer Bedeutung: Hier pilgerten einst Kaiser her, um dem Bodhisattva Avalokiteshvara die Ehre zu erweisen, dem sie in China als «Guanyin» die Ehre erweisen. Der Berg ist Heimat einer fast 20 Meter hohen Guanyin-Statue und mehrerer Klöster und Tempel.

Heute fallen hier jedes Jahr Millionen Touristen ein, und die lokalen Behörden sorgen dafür, dass sie viel Geld hier lassen – für Eintrittskarten, Seilbahnen, Parkplätze. Geld, das zu einem grossen Teil die «Putuoshan Tourism Development» kassiert, an der verschiedene Behörden von Stadt und Provinz beteiligt sind. Die Firma fand allerdings, da sei noch Luft noch oben – und beantragte den Börsengang. 615 Millionen Yuan, rund 95 Millionen Franken, wollte sie so erlösen, für noch mehr Parkplätze und Seilbahnen, aber auch für die Erschliessung heisser Quellen und den Bau von Spas für die Touristen.

Korrupte Äbte und Kloster

Den heiligen Berg an die Börse bringen für Touri-Wellness? Die Pläne stiessen auf erbitterten Widerstand in buddhistischen Kreisen, und am Ende sorgte ein Bescheid der Börsenaufsicht dafür, dass die Firma ihren Antrag vor ein paar Tagen wieder zurückzog. Es ist ein kleiner Sieg für die Religion über den Kommerz – ein seltener Sieg in China.

Die schamlose Kommerzialisierung der Religion, vor allem des Buddhismus, ist seit Jahren ein heisses Thema im Land. Schwindlermönche, korrupte Äbte und Kloster, denen es mehr um Merchandising geht als um Versenkung und Erleuchtung, sind Dauerbrenner in Zeitungen und im Netz. Besonders oft sorgt das Shaolin-Kloster in Zentralchina für Schlagzeilen, einst Geburtsort von Zen-Buddhismus und Kung-Fu. Es machte in den vergangenen Jahren mehr durch Videospiele oder TV-Soaps von sich reden, die in seinem Namen gedreht wurden, und an denen einige wohl nicht schlecht verdienten.

Auch nach der Börse schielten schon andere. Die staatliche Entwicklungsfirma, die den Emei-Berg in Sichuan – ebenfalls einer der heiligen Vier – zu Geld machen darf, war Vorreiter: Sie ist schon seit 1997 an der Börse, der Jiuhua-Berg in Anhui folgte vor drei Jahren.

«Es ist moralisch inakzeptabel, wenn sich die religiösen Pilger auf die Knie werfen müssen vor börsennotierten Unternehmen.»

«Global Times»

Erste Versuche der Zentralregierung, dem Kommerzstreben ihrer Provinzkader Einhalt zu gebieten, gab es schon 2012. Damals schon wurden auch die Pläne um den Putuo-Berg das erste Mal publik. «Moralisch inakzeptabel» sei das, wetterte daraufhin die Pekinger «Global Times», wenn sich die religiösen Pilger «auf die Knie werfen müssen vor börsennotierten Unternehmen».

Anfang dieses Monats dann schaltete sich auch die staatliche Buddhistische Vereinigung ein und geisselte das Projekt: «Im Namen des Glaubens an die Börse zu gehen ist ein Trauerspiel für die ganze Gesellschaft», hiess es in einer Erklärung. Die «Vulgarisierung» und «Kommerzialisierung» des Buddhismus müsse ein Ende nehmen.

Zumindest macht sie jetzt mal kurz Pause.

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