Zum Hauptinhalt springen

China lässt weiteren Regimekritiker frei

Vier Tage nach dem Künstler Ai Weiwei ist auch der bekannte chinesische Menschenrechtsaktivist Hu Jia freigelassen worden. Der Zeitpunkt der Entlassungen hat wohl politische Gründe.

Wieder frei: Hu Jia auf einer Archivaufnahme aus dem Jahr 2007.
Wieder frei: Hu Jia auf einer Archivaufnahme aus dem Jahr 2007.
Keystone

Der 37-Jährige sei nach Verbüssung seiner Haftstrafe entlassen worden und nach Hause zurückgekehrt, schrieb seine Frau Zeng Jinyan auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Der Träger des Sacharow-Preises war im April 2008 wegen Untergrabung der Staatsgewalt verurteilt worden.

Hu sei nach einer schlaflosen Nacht am frühen Morgen nach Hause zurückgekehrt, schrieb Zeng, die sich ebenfalls für Menschenrechte einsetzt. Sie sei sehr glücklich und müsse sich nun ausruhen. Hus Freilassung erfolgte vier Tage, nachdem der Künstler und Regierungskritiker Ai Weiwei aus der Polizeihaft entlassen worden war. Ähnlich wie Ai und andere Aktivisten wird Hu wahrscheinlich aber unter Hausarrest gestellt. Zeng hatte vergangene Woche geschrieben, ihr Mann werde sich wohl ein Jahr nicht öffentlich äussern dürfen.

Im Vorfeld der Olympischen Spiele verhaftet

Hu war im Dezember 2007 festgenommen worden und wenige Monate vor den Olympischen Spielen in Peking wegen Untergrabung der Staatsgewalt zu mehr als drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er hatte zuvor auf seinem Blog sowie in E-Mails und Interviews mit ausländischen Journalisten Menschenrechtsverstösse in China angeprangert. Im Dezember 2008 erhielt Hu für seinen Einsatz für Aids-Patienten, Umweltschutz und Bürgerrechte vom Europaparlament den Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit.

Hu, der mit Zeng eine dreijährige Tochter hat, leidet unter einer Leberzirrhose, die sich während seiner Haft weiter verschlechterte. Zeng hatte wiederholt auf ihrem Blog geklagt, dass er im Gefängnis unzulängliche Behandlung erhalte. Sie selbst stand wegen ihres Einsatzes für die Bürgerrechte lange unter Hausarrest. Zeng war heute per Telefon nicht erreichbar und der Zugang zu ihrem Wohnhaus in Peking war abgesperrt. Journalisten wurden von der Polizei daran gehindert, sich dem Haus zu nähern.

Wen auf Europareise

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte am Freitag die chinesischen Behörden gedrängt, Hu und seine Familie nicht unter Hausarrest zu stellen oder anderen «unrechtmässigen Formen der Freiheitsberaubung» auszusetzen. Hus Entlassung erfolgte zum Zeitpunkt einer mehrtägigen Europareise des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao. Wen traf nach einem Besuch in Ungarn am Samstag in Grossbritannien ein, von wo er am Montag weiter nach Berlin zu den ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen reisen will.

AFP/jak

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch