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China weist erstmals seit 14 Jahren ausländische Journalistin aus

Die chinesischen Behörden haben die einzige englischsprachige Korrespondentin von al-Jazeera des Landes verwiesen. Letztmals wurde 1998 ein akkreditierter ausländischer Journalist abgeschoben.

Visum verweigert: Melissa Chan, Korrespondentin bei Al-Jazeera.
Visum verweigert: Melissa Chan, Korrespondentin bei Al-Jazeera.
Al-Jazeera

Erstmals seit 14 Jahren hat China eine ausländische Journalistin ausgewiesen - eine Reporterin des arabischen Nachrichtensenders al-Jazeera. Hintergrund der Ausweisung der Amerikanerin ist Chinas Verärgerung über eine Dokumentation des Senders über Arbeitslager, an der Chan allerdings nicht einmal beteiligt war.

Die langjährige al-Jazeera-Korrespondentin Melissa Chan traf am Dienstag in Los Angeles ein. «Meine Akkreditierung wurde entzogen, und ich kann nicht mehr aus China berichten», teilte sie nach der Ankunft in den USA mit.

Die letzten bekannten Fälle eines ausgewiesener Journalisten waren 1998 der China-Korrespondent des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel», Jürgen Kremb, der innerhalb von 48 Stunden das Land verlassen musste, und ein japanischer Journalist.

Kritik von Auslandskorrespondenten

Die Ausweisung der Journalistin Chan stiess auf Kritik und Empörung. Entsetzt zeigte sich der Club der Auslandskorrespondenten in China (FCCC) und sprach vom bisher «schlimmsten Fall» in der Reihe von Versuchen, ausländische Journalisten zu zensieren und einzuschüchtern.

Das in New York ansässige Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) protestierte gegen die «echte Verschlechterung» des Arbeitsklimas in China. «Das Land sendet eine Botschaft aus, dass internationale Berichterstattung nicht erwünscht ist», sagte der CPJ- Koordinator für Asien, Bob Dietz.

Seit den Rufen nach «Jasmin»-Protesten nach arabischem Vorbild in China vor gut einem Jahr haben die chinesischen Behörden ihren Druck auf ausländische Journalisten spürbar erhöht. Zuletzt waren bei der Berichterstattung über den blinden chinesischen Bürgerrechtler Chen Guangcheng, der in die USA ausreisen will, mehrere Journalisten und ein ZDF-Kameramann verwarnt und mit Ausweisung bedroht worden.

Peking ärgert sich über Dokumentation

Der Korrespondentenclub berichtete, die chinesische Seite habe sich verärgert über eine ausserhalb Chinas produzierte Dokumentation von al-Jazeera über Zwangsarbeit in chinesischen Gefangenenlagern im November geäussert. Darin kamen auch ehemalige Insassen zu Wort, die der in China verbotenen und verfolgten Kultbewegung Falun Gong angehören.

Die Behörden sind nach FCCC-Angaben auch insgesamt unzufrieden über die englische Berichterstattung des Senders aus China gewesen. Chan seien ferner Verstösse gegen Vorschriften vorgeworfen worden, die nicht näher benannt wurden.

Chinas Aussenministerium verteidigte die Ausweisung. Ausländische Journalisten sollten «objektiv» berichten, müssten sich an Chinas Gesetze und an «professionelle Grundsätze» halten. Chinas Umgang mit ihnen orientiere sich auch an ihrer Arbeit, sagte der Sprecher Hong Lei.

Der arabische Sender äusserte seine Enttäuschung über die Ausweisung. al-Jazeera bleibe nichts anderes übrig, als sein englisches Büro in Peking zu schliessen. Die arabische Berichterstattung aus China werde weiter aufrechterhalten.

Erfahrene Journalistin

Chan arbeitete seit 2007 in China und gilt unter Kollegen als erfahrene, umsichtige Korrespondentin. Der Sender habe «erstklassige Arbeit» in China geleistet, sagte der Al-Jazeera-Chef für englische Nachrichten, Salah Negm.

Die Visabehörde hatte der Journalistin schon Ende des Jahres die normale Verlängerung der Akkreditierung verweigert und nur noch temporäre Visa erteilt. Der Hongkonger Korrespondentenclub protestierte gegen die «ernste Eskalation einer bereits beunruhigenden Verfolgung von Journalisten in China».

dapd/jak

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