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Chinesischer Aktivist richtet schwere Vorwürfe an die USA

Er habe die US-Botschaft in Peking nicht freiwillig verlassen – die Diplomaten hätten ihn dazu gedrängt, sagt Bürgerrechtsaktivist Chen Guangcheng. Und er bittet die USA um Hilfe bei der Ausreise.

Sieht sich als Opfer einer Täuschung: Der chinesische Bürgerrechtsaktivist Chen Guangcheng beim Verlassen des Spitals. (2. Mai 2012)
Sieht sich als Opfer einer Täuschung: Der chinesische Bürgerrechtsaktivist Chen Guangcheng beim Verlassen des Spitals. (2. Mai 2012)

Nach dem Verlassen der amerikanischen Botschaft in Peking hat der chinesische Bürgerrechtsaktivist Chen Guangcheng schwere Vorwürfe gegen die USA erhoben. Die Diplomaten hätten ihn getäuscht, sagte er gestern Abend gegenüber dem Nachrichtensender CNN.

Chen, der sich derzeit in einem Spital in Peking befindet, widersprach der Darstellung der Regierungen in Washington und Peking, er habe die Botschaft «aus freien Stücken» verlassen. Die Diplomaten hätten ihn zum Verlassen des Gebäudes gedrängt, erklärte er.

Forderung an Obama

Sie hätten ihm versprochen, ihm im Spital zur Seite zu stehen. Als er dort angekommen sei, seien sie jedoch weg gewesen. Er sei darüber «sehr enttäuscht» und fühle sich belogen.

Der blinde Dissident sagte weiter, er fürchte um sein Leben und wolle die Volksrepublik so schnell wie möglich verlassen. Er habe die USA um Hilfe gebeten, damit er und seine Familie ausreisen könnten. Ausdrücklich forderte er US-Präsident Barack Obama dazu auf, mehr für die Menschenrechte in China zu tun.

US-Botschafter Gary Locke indes widerspricht dem Aktivisten: Dieser sei nicht gezwungen worden, die diplomatische Vertretung der USA in Peking zu verlassen. Er könne eindeutig sagen, dass auf Chen kein Druck ausgeübt worden sei, erklärte Locke heute bei einer Pressekonferenz. Chen habe zweimal mit seiner Frau telefoniert, bevor er die Botschaft verlassen habe. Chens Frau wartete im Krankenhaus.

China fordert eine Entschuldigung

Chinas Regierung hatte dem 40-Jährigen nach US-amerikanischen Angaben versprochen, dass er mit seiner Familie an einen «sicheren Ort» umsiedeln und ein Studium aufnehmen könne. Zugleich erhob China schwere Vorwürfe gegen die USA und forderte eine Entschuldigung, die Washington aber verwehrt.

Vielmehr hat US-Aussenministerin Hillary Clinton heute in Peking die Bedeutung des Menschenrechtsschutzes betont. Alle Regierungen müssten «dem Streben ihrer Bürger nach Würde und Rechtsstaatlichkeit nachkommen», sagte Clinton zum Auftakt der bilateralen Gespräche mit China.

Clinton erwähnte Chen nicht direkt

Kein Land dürfe diese Rechte seinem Volk verweigern, erklärte sie. Chen Guangcheng erwähnte sie nicht namentlich. Chinas Präsident Hu Jintao sprach sich für gegenseitigen Respekt und Kooperation mit den USA aus. Es sei unmöglich, bei jedem Thema einer Meinung zu sein, sagte er. Es sei jedoch wichtig, mit den Differenzen so umzugehen, dass sie nicht die übergeordneten Interessen der chinesisch-amerikanischen Beziehungen untergrüben.

Die Flucht Chens vor einer Woche aus einem 20-monatigen Hausarrest in die US-Botschaft hatte für diplomatische Verwicklungen gesorgt. Nach 19 Monaten Hausarrest in seinem Dorf Dongshigu in der Provinz Shandong war Chen am Sonntag vor einer Woche seinen Bewachern entkommen. Mithilfe von Freunden gelangte er nach Peking, wo er sich in die Obhut der US-Botschaft begab.

SDA/rbi

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