Christchurch-Attentäter wegen 50-fachen Mordes vor Gericht

In Neuseeland ordnet ein Richter eine psychiatrische Untersuchung an. Und Australien verschärft seine Online-Gesetze.

Am Freitag beginnt der Prozess in Christchurch. (5. April 2019) Bild: Mark Baker/AP/Keystone

Am Freitag beginnt der Prozess in Christchurch. (5. April 2019) Bild: Mark Baker/AP/Keystone

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Dem mutmasslichen Attentäter von Christchurch soll wegen 50-fachen Mordes der Prozess gemacht werden. Ein Richter hat eine psychiatrische Untersuchung angeordnet. Dabei sollen zwei Gutachter prüfen, ob der 28-Jährige verhandlungsfähig ist.

Knapp drei Wochen nach dem Anschlag auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Grossstadt gab Neuseelands Polizei am Donnerstag die Anklagepunkte bekannt. Demnach lautet der Vorwurf bezüglich aller 50 getöteten Kinder, Frauen und Männer auf Mord. Zudem wurde gegen den 28-jährigen Rechtsextremisten aus Australien Anklage wegen versuchten Mordes in 39 Fällen erhoben. Wann genau der Prozess beginnt, ist noch offen.

Heute Freitag soll der ehemalige Fitness-Lehrer Brenton T. vor einem Richter in Christchurch zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Allerdings wird der 28-Jährige dazu nicht persönlich erscheinen, sondern über eine Video-Leitung zugeschaltet.

Der Australier war kurz nach seiner Festnahme in ein Hochsicherheitsgefängnis nach Auckland gebracht worden. Dort sitzt er nun in Untersuchungshaft. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft.

Terroristischer Hintergrund vermutet

Der Täter hatte grosse Teile der Tat mit einer Helmkamera über Facebook live ins Internet übertragen. Auszüge aus dem etwa 17-minütigen Video kursieren immer noch. Zuvor hatte er ein Pamphlet mit rechtsradikalen und rassistischen Parolen ins Internet gestellt und auch per Mail verschickt.

Die Polizei prüft noch, ob weitere Anklagen erhoben werden. Sie sprach in ihrer kurzen Mitteilung zudem von «Terror-Angriffen». Dies bedeutet, dass die Ermittler davon ausgehen, dass die Anschläge einen terroristischen Hintergrund hatten.

Bildstrecke: Terroranschlag in Neuseeland

Inzwischen hat Neuseeland seine Waffengesetze verschärft. Der Besitz von halbautomatischen Waffen – also Waffen, die automatisch nachladen, wie sie der Schütze verwendet hatte – ist dort nun verboten.

Gesetz gegen Terror-Video-Verbreitung

Im Nachbarland Australien beschloss das Parlament am Donnerstag, dass Internet-Unternehmen, die Videos von Terrorangriffen verbreiten, mit hohen Geldstrafen und deren Manager sogar mit Haft bestraft werden können. Nach Regierungsangaben ist Australien weltweit das erste Land mit solch strengen Gesetzen.

Wegen des Videos stehen US-Unternehmen wie Facebook und Google massiv in der Kritik. Theoretisch sind in Australien nun Geldbussen in Höhe von zehn Prozent des Konzern-Umsatzes möglich. Zudem drohen den verantwortlichen Managern bis zu drei Jahre Haft.

Australiens Justizminister Christian Porter sagte im Parlament, die Internet-Plattformen dürften nicht zulassen, dass «Hass und Terror verbreitet» würden.

(red/sda/afp)

Erstellt: 05.04.2019, 08:42 Uhr

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