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Das lukrative Geschäft mit gestohlenen Kindern

In China blüht der Menschenhandel mit entführten Babys. Besonders für ein männliches Kind bezahlen kinderlose Eltern einen hohen Preis.

Schätzungen gehen davon aus, dass in China jährlich 70'000 Kinder entführt werden: Eine Demonstration von betroffenen Eltern.
Schätzungen gehen davon aus, dass in China jährlich 70'000 Kinder entführt werden: Eine Demonstration von betroffenen Eltern.
Reuters

Das Geschäft mit verschleppten Kindern sei in China sehr einträglich geworden, schreibt der britische «Independent». Für ein männliches Baby könnten Menschenhändler bis zu 6000 Franken verlangen. Viel Geld für chinesische Verhältnisse. Mädchen seien mit 450 Franken billiger zu haben.

Buben seien vor allem bei kinderlosen Paaren beliebt, die sich so den männlichen Erben in der Familie sichern wollen. Mädchen, die verschleppt werden, landen laut der britischen Zeitung häufig in ländlichen Gebieten, wo sie als Bräute oder Prostituierte eingesetzt werden.

Drastisches Ungleichgewicht im Geschlechterverhältnis

Gemäss Chinas offizieller Politik dürfen Familien nur eines oder allenfalls zwei Kinder haben. Da sich in China das Sozialhilfenetz noch im Aufbau befindet, ist ein Kind für viele Familien die sicherste Altersvorsorge. Zahlreiche Eltern bevorzugen dabei einen männlichen Erben, weil Töchter nach der Hochzeit meist zur Familie des Ehemannes ziehen. Der «Independent» zitiert ein chinesisches Sprichwort: «Eine Tochter aufzuziehen ist dasselbe, wie das Feld eines andern zu bewässern.» Gerade in ländlichen Gebieten werden darum Mädchen oft abgetrieben.

Die Bevorzugung des männlichen Geschlechts hat mittlerweile im bevölkerungsreichsten Land der Welt zu einem drastischen Ungleichgewicht im Geschlechterverhältnis geführt. In einigen Regionen kommen auf 130 Männer gerade mal 100 Frauen. In Industriestaaten beträgt deren Verhältnis 107 zu 100. Weil den Männern inzwischen vermehrt die Frauen zum Heiraten fehlen, sind die organisierten Banden laut «Independent» nun zunehmend im Brauthandel tätig.

Proteste in Peking

Verzweifelte Familien, deren Kinder entführt wurden, haben nun in Peking ihrer Wut Luft gemacht. Sie forderten, dass sich die Behörden mehr um die Zehntausenden von Kindern kümmern sollten, die jedes Jahr gefangen genommen und verkauft würden. Die Eltern, die in Peking demonstrierten, sollen sich durch die Website «Baby Come Home» getroffen haben, welche mehr als 2000 vermisste Kinder auflistet. «Meine Frau und ich können nicht einfach zu Hause herumsitzen und auf die Polizei warten. Je länger man wartet, umso hoffnungsloser wird man», erzählte der Vater eines Jungen namens Liu Jingjun dem «Independent». Der Junge sei dieses Jahr verschwunden.

Die Behörden hätten im April letzten Jahres mit einer gross angelegten Razzia bei Menschenhändlern reagiert. Regierungsbeamte sagen, dies habe zum Untergang von beinahe 2400 kriminellen Banden geführt und man habe nahezu 16'000 Personen verhaften können.

Ein Bericht über Menschenhandel des US-Departements aus dem Jahr 2010 stellte fest, dass die chinesische Regierung die Minimal-Standards nicht befolgt habe, um Menschenhandel zu stoppen. Man müsse davon ausgehen, dass jedes Jahr bis zu 70'000 Kinder verschleppt würden.

«Hoffnung nie aufgeben»

Eltern von entführten Kindern kämpfen ein Leben lang mit der Verzweiflung, ein Kind verloren zu haben. Eine Mutter aus Datong in der Shanxi Provinz verlor ihre Tochter Wang Min bereits 1997 und sucht sie heute noch. «Meine Tochter war erst acht Jahre alt, als sie verschwand. Sie würde jetzt 21 sein.» sagte die Mutter. «Ich ging sofort zu der Polizei nach ihrem Verschwinden, aber da ich der Polizei keine Beweise liefern kann, können sie mir nicht wirklich helfen. Ich kann nur an Orte zu reisen, von denen ich einen Hinweis erhalte.» Sie habe jetzt ein anderes Kind, aber sie vermisse ihre Tochter immer noch sehr. «Vielleicht würde ich sie nicht einmal mehr erkennen, wenn sie mir auf der Strasse entgegen käme. Aber ich werde nie die Hoffnung aufgeben, sie zu finden.»

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