«Bevor die Lage nicht mehr zu retten ist»

Chinas Aussenminister Wang Yi warnt vor einer Eskalation in Nordkorea und ruft alle Beteiligten zur Zurückhaltung auf. Auch Russland zeigt sich besorgt.

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In Erwartung eines neuen nordkoreanischen Atomwaffentests prüfen die USA eine mögliche «militärische Optionen», sagte ein aussenpolitischer Berater des Weissen Hauses heute in Washington. Es stelle sich nicht die Frage, «ob» Nordkorea erneut eine Rakete testen werden, sondern «wann». Experten zufolge steht ein Atomwaffentest kurz bevor.

Im Konflikt um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm hat China vor einer Eskalation gewarnt und alle Beteiligten zur Zurückhaltung aufgerufen. «Wir fordern ein Ende der Provokationen und Drohungen, bevor die Lage nicht mehr zu retten ist.»

Situation erfordere höchste Aufmerksamkeit

Das sagte Chinas Aussenminister Wang Yi heute in Peking nach Gesprächen mit seinem französischen Amtskollegen Jean-Marc Ayrault. Wer Probleme auf der koreanischen Halbinsel mache, werde die Verantwortung übernehmen müssen. Der Konflikt zwischen den USA und Südkorea auf der einen und Nordkorea auf der anderen Seite habe «eine potenziell gefährliche Atmosphäre» geschaffen, die höchste Aufmerksamkeit erfordere

Am Mittwoch hatte der US-Auslandssender Voice of America unter Berufung auf US-Regierungsvertreter und andere Quellen berichtet, zum 105. Geburtstag des verstorbenen Staatsgründers Kim Il-sung am Samstag könne ein nuklearer Sprengsatz gezündet werden. Nach Angaben der Gruppe «38 North» von Baltimores Johns-Hopkins-Universität zeigen Satellitenbilder verdächtige «Aktivitäten» auf dem Testgelände Punggye Ri. Laut Voice of America wurde bereits ein atomarer Sprengsatz in einen Tunnel geschoben.

Kreml warnt vor «provokativen Schritten»

Russland hat angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen den USA und Nordkorea zur Zurückhaltung aufgerufen. «Moskau beobachtet die Eskalation der Spannungen auf der Koreanischen Halbinsel mit grosser Sorge», sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow heute vor Journalisten. Russland rufe alle Länder zur Zurückhaltung auf und warne vor «provokativen Schritten».

Trump bezeichnet Nordkorea als «Problem»

US-Präsident Donald Trump erklärte am Donnerstag, Nordkorea sei ein «Problem», das «behandelt» werde. Er habe grosses Vertrauen, dass sich China «sehr gut um Nordkorea kümmern» werde, fügte er auf Twitter hinzu. «Wenn sie das nicht können, werden sich die USA und ihre Verbündeten darum kümmern.» Trump hat die chinesische Führung wiederholt aufgefordert, ihren Einfluss auf ihre Verbündeten in Pyongyang geltend zu machen.

In den vergangenen Tagen drohte Trump mehrfach damit, das Atomprogramm Nordkoreas notfalls im Alleingang zu stoppen. Am vergangenen Wochenende entsandte Washington als Demonstration der Stärke eine Flugzeugträgergruppe in Richtung der Koreanischen Halbinsel.

Kim verschärft Provokationen

Machthaber Kim Jong-un verschärft seit einiger Zeit die Provokationen gegen den Westen. Allein im vergangenen Jahr liess er zwei Atomwaffentests vornehmen, gleichzeitig arbeitet die kommunistische Führung an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden könnten. Das stalinistisch geführte Land verstösst damit gegen mehrere Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats.

Trump demonstriert derzeit militärische Stärke: Am Freitag vergangener Woche liess er einen syrischen Luftwaffenstützpunkt mit Marschflugkörpern angreifen. Am Donnerstag warfen die US-Streitkräfte ihre stärkste nicht-atomare Bombe in Afghanistan ab.

Nordkoreas Vize-Aussenminister meldet sich

Die derzeitige Situation auf der koreanischen Halbinsel ist nach Angaben des nordkoreanischen Vize-Aussenministers ein «Teufelskreis». Die «aggressiven» Tweets von US-Präsident Donald Trump sorgten zudem für Unmut, sagte Han Song-ryol in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP am Freitag. Trump hatte am Dienstag auf Twitter geschrieben, Nordkorea «suche nach Ärger».

«Wir werden in den Krieg ziehen», sollten die USA das provozieren, sagte Han. Pyongyang werde im Falle eines US-Präventivschlags nicht die Arme verschränken. Das Land werde den nächsten Test von Atomwaffen durchführen, wenn das oberste Hauptquartier es passend finde.

Die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea verstärken sich zunehmend, nachdem die USA eine Flugzeugträgergruppe in die Gewässer vor der koreanischen Halbinsel verlegt hatte. Zudem sieht Nordkorea die Militärmanöver Südkoreas und den USA als angebliche Übung für eine Invasion. Nordkorea hatte jüngst mehrere ballistische Raketen abgefeuert. (chk/AFP/AP)

Erstellt: 14.04.2017, 07:58 Uhr

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