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Demonstranten töten Nato-Soldaten mit Handgranate

Nach der Koranverbrennung durch US-Soldaten ist in Afghanistan kein Ende der Gewalt in Sicht. Heute kam erneut ein Nato-Soldat ums Leben. Gleichzeitig gibt es Hinweise auf den Schützen im Innenministerium.

Bedrohliche Sicherheitslage: Demonstranten verbrennen US-Flaggen in Karachi. (26. Februar 2012)
Bedrohliche Sicherheitslage: Demonstranten verbrennen US-Flaggen in Karachi. (26. Februar 2012)
Reuters

Bei einem Anschlag auf einen Nato-Stützpunkt im Norden Afghanistans ist ein US-amerikanischer Soldat getötet worden. Nach Polizeiangaben warfen Teilnehmer einer Demonstration gegen Koran-Verbrennungen Handgranaten auf den Stützpunkt in Imam Sahib in der Provinz Kundus. Bei dem Protest mit rund 20'000 kam zudem ein Demonstrant ums Leben. Sieben US-Soldaten, 15 afghanische Polizisten und sieben Protestteilnehmer erlitten Verletzungen.

Die Nato-geführte internationale Schutztruppe ISAF bestätigte zunächst lediglich eine Explosion ausserhalb einer ihrer Einrichtungen im Norden Afghanistans, ohne Angaben zu Opfern zu machen. In der benachbarten Provinz Samangan wurden nach Spitalangaben zwei Demonstranten verletzt.

In Afghanistan gibt es seit Tagen gewaltsame Proteste, nachdem bekannt geworden war, dass US-Soldaten auf dem Stützpunkt Bagram Koran-Exemplare verbrannt hatten.

Täter aus dem Geheimdienst

Nach der Ermordung von zwei US-Militärberatern in Kabul ist nach einem Bericht des Senders «BBC» ein Offizier des afghanischen Geheimdienstes als mutmasslicher Täter identifiziert worden. Der 25-Jährige gelte als Hauptverdächtiger und sei auf der Flucht, berichtete der britische Sender unter Berufung auf afghanische Sicherheitskreise. Die Militärberater waren am Samstag im schwer gesicherten Gebäude des Innenministeriums erschossen worden.

Nach dem Vorfall hatte die Internationale Schutztruppe ISAF alle ihre Mitarbeiter aus den Ministerien in und um Kabul abgezogen.

Nach Informationen des afghanischen Senders Tolo TV war der Verdächtige für die Sicherheitsvorkehrungen im Ministerium zuständig und hatte Zugang zu wichtigen Bereichen. Sicherheitskräfte hätten das Wohnhaus des Mannes nordwestlich von Kabul durchsucht und mehrere Verwandte festgenommen.

Deutschland zieht Mitarbeiter ab

Die Bundesregierung hat deutsche Mitarbeiter in afghanischen Ministerien und Behörden abgezogen. Davon betroffen sind auch internationale Mitarbeiter, die im Auftrag Deutschlands tätig sind. Mit dieser Massnahme reagiere die Bundesregierung auf den Vorfall im Kabuler Innenministerium, bei dem am Samstag zwei ranghohe US-Militärberater erschossen worden waren, hiess es vom Entwicklungsministerium.

Insgesamt betroffen seien rund 50 Mitarbeiter. Die Regelung gelte, bis hinreichend Klarheit über die Hintergründe des Vorfalls im Innenministerium bestehe. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) erklärte, es handele sich um «eine reine Vorsichtsmassnahme mit Augenmass». Die Sicherheit der Experten vor Ort habe oberste Priorität. Sobald sich die Lage wieder beruhigt habe, würden die betroffenen Mitarbeiter ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Derzeit sind in Afghanistan rund 2000 Experten für die staatlichen Organisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Einsatz, davon sind 339 internationale Fachkräfte.

Karzai fordert Strafen

Die Protestwelle im Gefolge von Koranverbrennungen hielt Afghanistan eine Woche lang in Atem. «Im Namen des afghanischen Volkes und der gesamten islamischen Welt rufen wir die US-Regierung dazu auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen», sagte Karzai in einer Fernsehansprache.

Gleichzeitig rief er seine Landsleute erneut zu Zurückhaltung auf. Die Gefühle der Afghanen im Zusammenhang mit der Verbrennung von Koran-Exemplaren auf der US-Militärbasis Bagram am vergangenen Montag seien «legitim und ehrenwert». Doch obwohl wir «den Schmerz teilen, sollten wir alle versuchen, Ruhe zu bewahren».

Tötung von Amerikanern «bedauerlich»

Seit Dienstag waren bei gewaltsamen Protesten und Kundgebungen im ganzen Land mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen, darunter zwei US-Soldaten.

Zudem waren am Samstag zwei US-Militärberater im Innenministerium von Kabul erschossen worden. Ob auch diese Tat in Zusammenhang mit den Protesten steht, ist noch nicht geklärt. Karzai nannte die Tötung der Amerikaner in seiner Rede «bedauerlich».

SDA/rub

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