Kim Jong-un hält Staatsoberhäupter auf Trab

Dass Kim Jong-un den USA mit einem «Weihnachtsgeschenk» droht, bereitet China, Südkorea und Japan Sorgen.

Kim Jong-un fordert von den USA, dass diese ihren Kurs im Atomstreit bis zum Jahreswechsel grundlegend ändern. Foto: EPA, Keystone

Kim Jong-un fordert von den USA, dass diese ihren Kurs im Atomstreit bis zum Jahreswechsel grundlegend ändern. Foto: EPA, Keystone

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Ein wenig verzweifelt klang der Appell von Stephen Biegun schon. Kim Jong-un möge berücksichtigen, dass die bevorstehenden Feiertage «einige der heiligsten in unserem Kalender sind», ­sagte der US-Sondergesandte für Nordkorea. Die Staatschefs von ­China, Südkorea und Japan indes vertrauen ganz offenkundig nicht darauf, dass der Diktator in ­Pyongyang sich dies zu Herzen nimmt, nachdem er ­US-Präsident Donald Trump mit einem «Weihnachtsgeschenk» gedroht hatte, sollten die USA nicht bis zum Jahreswechsel ihren Kurs im Atomstreit grundlegend ändern.

Und so kamen Südkoreas Präsident Moon Jae-in und Japans Premier Shinzo Abe am Montag zu jeweils separaten Gesprächen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Peking zusammen. Das ist schon angesichts der wechselseitig schwierigen Beziehungen zwischen den drei wichtigsten Staaten Ostasiens bemerkenswert. Am Dienstag ist zudem im Zuge der regelmässigen Konsultationen ein reguläres Dreiertreffen von Moon und Abe mit Chinas Premier Li Ke­qiang in Chengdu im Südwesten Chinas geplant.

Wachsende Spannungen

Xi zeigte sich laut Moons Sprecherin Ko Min-jung besorgt angesichts der wachsenden Spannungen zwischen den USA und Nordkorea. China und Südkorea sollten ihre Kräfte bündeln, um Nordkorea und den USA zu helfen, einen Dialog aufrechtzuerhalten, zitierte die südkoreanische Sprecherin Xi. «Es gibt viele Menschen, die beunruhigt sind über die angespannte Lage auf der koreanischen Halbinsel», wurde er weiter zitiert.

China und Russland hatten jüngst in einem gemeinsamen Resolutionsentwurf im UNO-­Sicherheitsrat dazu aufgerufen, wichtige Sanktionen gegen Nordkorea zu lockern, um die «ernste humanitäre Situation» in dem Land zu verbessern und den politischen Prozess ­wiederzubeleben. Sie forderten unter anderem, die Verbote für den Export von Kohle, Eisen und Textilien aufzuheben. Die USA lehnten dies ab; angesichts der Drohungen sei dies «nicht die Zeit dafür». Japans stellvertretender Kabinettssekretär Naoki Okada sagte, Xi habe Abe aufgefordert, die Lockerung zu unterstützen. Japan halte dies aber noch für verfrüht.

Peking hatte nach Kims Raketentests Donald Trumps Kurs unterstützt, der Kim ungeachtet der Sanktionen Gespräche anbot.

Abe pflegt ein enges Verhältnis zu Trump, hatte mit ihm wegen Nordkorea aber auch Meinungsdifferenzen. Moon sagte, die Gespräche zwischen den USA und Nordkorea seien «wichtiger als alles andere». Zugleich hob Südkoreas Präsident Chinas «wichtige Rolle» hervor. Xi ­versicherte Moon Unterstützung für dessen Bemühungen, die Beziehungen zu Nordkorea zu verbessern, und forderte, die Krise durch Dialog beizulegen.

Peking kommt als einzigem Verbündeten und wichtigstem Handelspartner des Regimes in Pyongyang besondere Bedeutung zu. Xi hat die Annäherung zwischen Kim Jong-un und Trump mit einem gewissen Misstrauen beobachtet.

China hatte zuvor aber die Sanktionen verschärft. Kim war mit mehreren Atomtests und dem Abschuss ballistischer Raketen mit interkontinentaler ­Reichweite offenkundig auch aus Pekings Sicht zu weit gegangen. Damit hatte Peking Donald Trumps Kurs unterstützt, der Kim ungeachtet der Sanktionen Gespräche anbot.

Die Gespräche stocken

Seit dem gescheiterten Gipfeltreffen der beiden im Februar in Hanoi sind die Gespräche allerdings nicht wieder in Gang gekommen. Kim hat gedroht, «andere Wege» zu beschreiten, sollten die USA nicht einlenken. Am Sonntag leitete er ein Treffen der Zentralen Militärkommission der Partei der Arbeit Koreas, die für wichtige Entscheidungen über Rüstungsprojekte zuständig ist. Beschlossen wurden laut der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA Schritte zur «entschiedenen Verbesserung der ­nationalen Verteidigung» sowie zur «beschleunigten Entwicklung militärischer Fähigkeiten zur Selbstverteidigung».

Nordkorea hatte jüngst auf einem Teststand ein Raketentriebwerk getestet und nach eigenen Angaben einen weiteren Versuch vorgenommen. Westliche Geheimdienste interpretieren dies als Warnung, dass Kim einen Satellitenstart vom Gelände in Sonhae plant. Damit könnte er die Reichweite seiner Raketen demonstrieren. Konkrete Vorbereitungen für einen Raketenstart sind aber zurzeit noch nicht zu erkennen.

Erstellt: 23.12.2019, 21:54 Uhr

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