Zum Hauptinhalt springen

Der Fehler liegt im System

Angesichts der Epidemie inszeniert sich Chinas Staatspräsident als Krisenmanager. Man sollte sich davon aber nicht täuschen lassen.

MeinungLea Deuber
Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping wusste offenbar bereits seit Anfang Januar vom Coronavirus. Foto: Keystone
Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping wusste offenbar bereits seit Anfang Januar vom Coronavirus. Foto: Keystone

Unaufhaltsam breitet sich das Coronavirus in China aus. Laut Angaben vom Sonntag starben dort erneut 142 Patienten, damit liegt die Gesamtzahl der Todesopfer mittlerweile bei 1665. Gleichzeitig wurden 2009 neue Ansteckungen gemeldet. Seit Ausbruch der Krankheit wurden damit 68'500 Fälle in der Volks­republik bestätigt.

Eine Wende ist nicht in Sicht. In der am stärksten betroffenen Provinz Hubei wurden die Massnahmen darum nochmals verschärft: Neuerdings dürfen die 60 Millionen Einwohner nicht mehr Auto fahren.

Bisher hat die Zentralregierung in Peking die Schuld für die verspätete Reaktion auf lokale Verantwortliche geschoben. Nun aber legt ein Dokument nahe, dass der chinesische Staatspräsident Xi Jinping persönlich schon Anfang Januar erste Massnahmen angeordnet hat. Zu diesem Zeitpunkt spielten die Lokalbehörden die Gefahr in der Öffentlichkeit noch herunter. Erst Ende Januar teilten diese mit, das Virus könne sich von Mensch zu Mensch ausbreiten.

Peking ging es nie um einen Austausch, sondern immer nur um Schadensbegrenzung.

Xi sieht nun offenbar die Chance, sich als Krisenmanager der ersten Stunde zu inszenieren. Man sollte sich von ihm aber nicht täuschen lassen. Gerade jetzt wird deutlich, wie wenig sich seit der Sars-Krise 2003 verändert hat. Der Fehler liegt weiterhin im System.

Nach dem Ausbruch des Coronavirus hat Xis Regierung wochenlang gar nichts unternommen. Dann hat sie die Ansteckungsgefahr heruntergespielt und die Zahl der Neuinfizierten verheimlicht. Bis heute zensiert sie, verhaftet Kritiker, bedrängt ausländische Beobachter. Bald wird es politische Schauprozesse geben. China will ein Land des Fortschritts sein, und tatsächlich haben Ärzte, Journalisten und Freiwillige Grosses geleistet in der Krise. Doch unter dem jetzigen Regime ist die Gesellschaft zum Stillstand verdammt.

Für das Ausland ist es eine ähnlich schmerzhafte Lehrstunde. Peking ging es nie um Austausch, sondern immer nur um Schadensbegrenzung. Es hat maximale Transparenz versprochen. Gehalten hat es das nicht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch